Natürlich musste es so kommen. Nicht genug, dass manche Menschen immer noch nicht auf wiederverwertbare Stoffmasken umgestiegen sind, nein, sie entsorgen ihren Einweg-Schrott für Mund und Hände natürlich da, wo es ihnen passt: auf dem Boden, in der Natur, im Wasser. Wir brauchen kein CO2, um unsere Welt zu zerstören, uns reichen Billomasken und Latex-Handschuhe.

Wir kennen sie alle, die Aufnahmen der klaren Kanäle Venedigs oder die Smog- und wolkenlosen Himmel über chinesischen Großstädten – wirtschaftliche Restriktionen und Ausgangssperren der ersten Corona-Welle haben der Natur eine längst überfällige Verschnaufpause vom industriellen Dauerbetrieb des 21. Jahrhunderts verschafft. Schöne Bilder waren das, und man musste nicht lange im Internet suchen, um den ersten hippie-esken Prophezeiungen einer grünen Gradwende zu begegnen. "Corona, das ist eine echte Chance, der Anfang der Revolution!"

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Umweltzerstörung braucht kein CO2

Wie gewonnen, so zerronnen. Denn obwohl unsere Wirtschaft immer noch auf Sparflamme glimmt und unsere globalen CO2-Emissionen gerade eher ein CO2-Emissiönchen sind, stellen wir Mutter Natur direkt vor eine neue Herausforderung – quasi übergangsweise, soll ja nicht langweilig werden.

So siehts aus unter Wasser in Europa: Corona-Plastik auf Tauchgang.

Corona goes underwater

So berichten immer mehr Umweltaktivist*innen über Masken, Desinfektionsmittel und vor allem Latex-Handschuhen im Meer. Die französische Gruppierung "Opération Mer Propre" postet die Schätze ihrer Müllsammeltauchgänge im Meer regelmäßig auf Instagram. Einweghandschuhe und andere Covid-19-Schutzutensilien gibt es mittlerweile unter Wasser wie Sand am Meer. Auf Facebook warnt die Gruppe vor einem ökologischen Desaster.

Aber es sind nicht nur europäische Meere, die mit dem Pandemie-Plastik kämpfen. Wie "iflscience" berichtet, melden mehrere Behörden in den USA verstopfe Wasserleitungen, weil Menschen ihre Masken teilweise einfach auf den Boden werfen. Ein Verhalten, das nicht nur extrem dumm und asozial für die Umwelt ist, sondern auch die Gefahr birgt, das Coronavirus zu verbreiten, vor man sich mit dem Zeug ja eigentlich schützen wollte.

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Umwelt-Basics: Warum man keinen Müll in die Natur wirft

"Niemand sollte Plastik-Handschuhe oder Masken auf den Boden werfen, beim Parkplatz liegen lassen oder sie in Büsche schmeißen", sagt David Biderman, CEO der "Solid Waste Association of North America" (SWANA), in einem Statement. "Dieser Müll erhöht das Risiko der Covid-19-Verbreitung und hat zusätzlich negative Einflüsse auf die Natur."

Für alle, die immer noch mit Einwegmaske unterm Kinn durch die Gegend laufen: Kauft euch bitte endlich Masken aus Stoff. Und wer meint, seine Finger stündlich in ein neues Paar Latex-Handschuhe stecken zu müssen, der könnte sich auch überlegen, einfach mal ein bisschen warmes Wasser und Seife auszuprobieren. Das ist nicht nur besser für die Umwelt, sondern im Sommer auch die Schweiß-freiere Variante. Ansonsten haben wir von NOIZZ noch einen kleinen Lifehack für euch in petto: Mülleimer. Probiert's mal aus und schreibt uns eure Erfahrungen in die Kommies. Danke.

Quelle: Noizz.de