Die Umweltschutzorganisation Mighty Earth hat diesen zweifelhaften Titel vergeben.

Das Gute in der Welt hat einen Feind. Eine Firma, mit der du jeden Tag zu tun hast. Aber du kanntest sie bisher nicht, es sei denn du bist Börsen-Experte. Und wir können schon vorausschicken: Du wirst ihr nicht entgehen, auch wenn du es versuchst.

Die Firma heißt Cargill, ein US-Agrarkonzern mit Verbindungen in alle Welt. Aldi, Edeka, Nestlé oder McDonalds gehören zu den Kunden.

Was tut Cargill? Die Antwort lautet: eigentlich alles!

Die Firma baut Rohstoffe an: Baumwolle, Weizen, Ölsaaten, Mais, Gerste, Hirse. Sie stellt Futtermittel und Zusatzstoffe für die industrielle Tierzucht her. Sie ist der größte Hersteller von Rinderhackfleisch und bratfertigen Hamburgern, produziert für McDonalds unter anderem die Chicken McNuggets.

Cargill produziert außerdem Lebensmittel wie Kakao, Schokolade, Glasuren, Füllungen, Tortillas, Salz, Öle, Fette, Süßungsmittel, Fleisch- und Eiprodukte und noch viel mehr.

Die Firma ist außerdem ein Großproduzent von Lebensmittelzusatzstoffen: Stärke, Proteine, Emulgatoren, Pektine, Carrageene, Lecithine – die Liste ist endlos. Auch Beschichtungen für Pfannen und Backbleche, Zusatzstoffe für Kosmetika, Straßenbeläge, Biotreibstoffe, Straßensalz und Enteisungsmittel liefert der Großkonzern.

Wenn dir jetzt noch nicht der Kopf schwirrt – abwarten!

Der Bericht von Mighty Earth, über den "Spiegel Online" berichtete, übt schwere Kritik an dem US-Unternehmen. Mighty Earth recherchiert weltweit zu Unternehmen, die Regenwälder roden, um Plantagen anzulegen und die dabei Arbeiter- und Menschenrechte missachten und die Umwelt verschmutzen. In dem Bericht wird Cargill ausdrücklich "das schlimmste Unternehmen der Welt" genannt.

Mighty Earth stützt sich für den 50-seitigen Bericht auf eigene Recherchen, öffentliche Verfahren gegen Cargill sowie Erkenntnisse von Behörden und anderen Organisationen. Die Vorwürfe im Einzelnen:

Abholzung des Regenwaldes

Cargill soll dafür verantwortlich sein, dass in Südamerika große Regenwald-Flächen für den Sojaanbau abgeholzt werden. Laut Mighty Earth finanziert Cargill Rodungen in Brasilien und Bolivien, baut Straßen und Silos. In Ghana und der Elfenbeinküste kauft Cargill laut Mighty Earth Kakaobohnen von Plantagen, die auf gerodeten Flächen in Nationalparks angelegt wurden. Nach Medienberichten zufolge hatte die Firma zwar zugesagt, dies zu stoppen, Mighty Earth fand jedoch heraus, dass die Abholzungen nicht nur nicht gestoppt wurden, sondern dass sie sogar schneller vorgingen als zuvor.

Kinderarbeit

Derzeit ist eine Klage gegen Cargill und Nestlé in Vorbereitung. Das Unternehmen soll Kakao von Plantagen bezogen haben, auf denen Kinder mit Gewalt dazu gezwungen wurden, bis zu 14 Stunden täglich zu arbeiten: unbezahlt, mit wenig Essen und Schlaf. Die Kinder wurden offenbar zuvor aus Mali in die Elfenbeinküste verschleppt.

Umweltverschmutzung

Zehn US-Bundesstaaten haben Cargill 2005 wegen der systematischen Verletzung der Luftreinheitsgesetze verklagt.

Vergiftete Lebensmittel

In der Vergangenheit gab es mehrfach Fälle von Salmonellen- und E.Coli-Ausbrüchen, die auf verunreinigtes Fleisch aus Cargill-Schlachthöfen zurück zu führen sein sollten. Mit dem Fleisch waren Fastfood-Ketten beliefert worden.

Land-Aneignung

Cargill soll sich in Kolumbien unrechtmäßig Land angeeignet haben. Die Firma gründete 36 Tochterunternehmen. Jedes kaufte Ländereien. So schaffte es der Konzern offenbar, Gesetze gegen die Konzentration von Landbesitz zu umgehen und mehr als 52.000 Hektar Land in seinen Besitz zu bringen.

Was sagt Cargill zu den Vorwürfen im Bericht?

Mighty Earth kontaktiert routinemäßig vor Erscheinen des Berichts die beschuldigten Unternehmen, damit diese reagieren, Verantwortung übernehmen und sich öffentlich zu mehr Nachhaltigkeit verpflichten können. Das wird in den Bericht mit aufgenommen. Die Organisation ist der Meinung, dann würde sich mehr ändern, als wenn das Unternehmen nur angeprangert würde. Im Fall von Cargill ginge diese Rechnung nicht auf.

Cargill-Chef David MacLennan habe zwar persönlich um Zeit gebeten, um auf den Bericht zu reagieren, sagte Mighty-Earth-Geschäftsführer Glenn Hurowitz dem "Spiegel": "Wir haben ihm geglaubt und die Veröffentlichung zurückgehalten. Den Fakten in unserem Bericht hat Cargill nicht widersprochen. MacLennan hat versprochen, Rodungen zu stoppen und den Kauf von Kakao aus Plantagen in Nationalparks." Geschehen sei aber fünf Monate lang nichts, man habe sie hingehalten.

Was können wir jetzt tun?

Tja, gute Frage. Wie zu Beginn schon gesagt: sehr wenig leider. Wir Verbraucher können uns Cargill und seinen Produkten und schmutzigen Geschäften kaum entziehen. Der Name steht nicht auf der Verpackung. Mighty Earth hofft auf eine Entrüstungswelle unter den Geschäftskunden des Unternehmens und dass diese Druck auf den Konzern ausüben.

Erst wenn Großkunden wie McDonalds, Burger King, Aldi, Edeka, Danone, Walmart, Nestlé, Unilever, Kellogg's und die Supermarktkonzerne auf Cargill einwirken, könnte sich etwas ändern.

>> Du willst den Klimawandel stoppen? Dann leg dein Steak zurück in die Kühltheke

>> Klimabericht sagt voraus: 2050 könnte die Welt untergehen

Quelle: Noizz.de