Mauro Prosperi trank Fledermausblut und seinen eigenen Urin, Juliane Koepcke schüttete sich Benzin in die eigenen Wunden und Aron Ralston schnitt sich seinen eigenen Arm ab – fünf Geschichten, in denen Menschen an ihre Grenzen gingen, um zu überleben.

In Extremsituationen wird der Mensch dazu fähig, unfassbare Kräfte aufzubringen, um sich am Leben zu halten. Immer wieder tauchen deswegen Geschichten auf, die beschreiben, wie jemand aus einer scheinbar ausweglosen Situation doch noch herausfindet. Wir haben für euch die fünf unglaublichsten Geschichten zusammengesucht, die vom Überleben erzählen, als der Tod schon sicher war.

#1: Juliane Koepcke überlebt nach Flugzeug-Absturz im peruanischen Urwald

Die deutsche Biologin Juliane Koepcke lebte in den 70er-Jahren in Peru. 1971 wollte sie mit ihrer Mutter ins Naturschutzgebiet Panguana fliegen, um dort ihren Vater zu besuchen. Mitten in der Luft wurde das Flugzeug allerdings von einem Blitz getroffen. Die damals 17-Jährige wurde, noch an ihren Sitz geschnallt, aus dem Flugzeug geschleudert – mitten in den Amazonas. Beim Sturz brach sie ihr Schlüsselbein und verlor die Hälfte ihrer Sicht. Trotzdem wollte sie aus dem Urwald heraus finden.

Sie begann, Wasser zu suchen, weil sie wusste, wenn sie dem Wasser folgen würde, würde sie irgendwann zu Menschen gelangen. Schließlich fand sie einen Fluss und folgte ihm flussabwärts. Neun Tage lang war sie unterwegs, währenddessen konnte sie nicht schlafen, weil ihre Schmerzen so schlimm waren von den Käfern, die sich in ihren Wunden einnisteten.

Schließlich fand sie irgendwo auf dem Fluss ein Boot, in dem noch Benzin drin war. Von ihrem Vater, der Zoologe war, hatte sie mal beobachtet, wie er ein Tier damit von Maden befreite, also wandte sie dieselbe Taktik bei sich selber an. Sie säuberte ihre Wunden von den Tieren und wurde irgendwann von den Eigentümern des Bootes entdeckt, die sie die sieben-stündige Fahrt den Fluss hinunter zum nächsten Krankenhaus fuhren. Sie veröffentlichte ihre unfassbare Geschichte in einem Buch: "When I Fell From the Sky". Noch heute hat sie Albträume.

Juliane Koepcke im Jahr 2014

#2: Harrison Okene überlebt 60 Stunden in gekentertem Schiff

Harrison Okene war Koch auf dem Fischerboot "Jacson-4". Bei einer ganz normalen Fahrt wurde das Boot von so harten Wellen getroffen, dass es sich auf den Kopf drehte. Okene befand sich zu der Zeit auf Toilette. Als sich das Schiff umdrehte, bleib ein schmaler Hohlraum in der Toiletten-Kabine. So konnte Okene für 60 Stunden in dem gekenterten Schiff überleben, bis ihn Taucher fanden. Er schwor sich, nie wieder auf ein Boot zu steigen. Über den Fall berichtete unter anderem die britische Zeitung "The Guardian", die sogar Video-Material von der Bergung Harrisons veröffentlichte.

Symbolbild: Fischerboot

#3: Angela Hernandez überlebte einen 70 Meter tiefen Fall – aber das war's noch nicht ...

Im Juli 2018 fuhr Angela Hernandez entlang der kalifornischen Küste auf dem Highway Richtung Süd-Kalifornien, als ein kleines Tier auf die Fahrbahn sprang. Um ihm auszuweichen, lenkte sie schnell zur Seite, kam von der Fahrbahn ab und schoss 70 Meter in die Tiefe, wie die US-Zeitung "The Washington Post" berichtete. Ihr Auto landete auf einem steinigen, abwegigen Strand. Sie erlitt Hirnblutungen und brach sich ihr Schlüsselbein, zudem war ihre Lunge kollabiert.

Als sie zu sich kam, merkte sie, dass ihr Auto voll Wasser lief. Sie machte ein Fenster kaputt und schwamm zum Ufer. Tagelang lief sie entlang der Küste und versuchte, nach Hilfe zu rufen, doch die Autos auf der Autobahn weiter oben konnten sie nicht hören. Mit einem Schlauch trank sie Wasser von tropfendem Moos, ob sie Essen gefunden hatte, ist nicht bekannt. Nach sieben Tagen begegnete sie endlich zwei Wanderern. Sie riefen Hilfe, die sie dann in ein Krankenhaus brachten.

Die Küste am Big Sur, wo Angela Hernandez von der Fahrbahn abkam

#4: Aron Ralstons Geschichte kam sogar auf die große Leinwand

Aron Ralston erlebte wohl eine der bekanntesten Survival-Geschichten und auch eine der unglaublichsten. Ende April 2003 ging er im Blue John Canyon in Utah wandern. Dabei kam es zu einem Unfall, bei dem sein rechter Arm von einem Felsbrocken eingeklemmt wurde. Er konnte nicht mehr weg. Ralston versuchte zunächst, mit seinem Taschenmesser den Brocken zu zerkleinern (erfolglos). Schließlich merkte er, dass sein Arm eh schon abgestorben war – also versuchte er, ihn zu amputieren.

Da er mit seinem Taschenmesser allerdings nicht durch seinen Knochen kam, musste er seine Elle und Speiche brechen und mit der Säge seines Taschenmessers sein Bindegewebe durchtrennen. Danach lief er weitere 13 Kilometer, bis er von Wanderern gefunden wird, die Hilfe rufen konnten. Über Ralstons Geschichte wurde sogar ein Film gedreht: "127 Hours". Darin wird er von US-Schauspieler James Franco gespielt.

Aron Ralston bei einem Vortrag im Jahr 2015

#5: Mauro Prosperi überlebte in der Wüste, indem er seinen eigenen Urin und Fledermausblut trank

Der Italienische Polizist Mauro Prosperi wollte 1994 beim "Marathon of the Sands" in Marokko mitmachen, einem sechstägigen Rennen durch die Sahara. Der 39-jährige dreifache Vater war ein erfahrener Sportler. Während eines Sandsturms kam er allerdings vom Weg ab und verlor sich in der Wüste. Er fand schließlich einen verlassenen muslimischen Schrein, in dem er bleiben konnte. Er überlebte, in dem er sein eigenes Urin und Fledermausblut trank, Feuchtigkeit von Steinen leckte und seine Feuchttücher aussaugte. Als Mauro alle Hoffnung verlor und davon ausging, dass er nie gefunden werden würde, versuchte er sich umzubringen und schnitt seine Pulsadern mit seinem Messer auf.

Die Sahara-Wüste

Doch der Selbstmordversuch missglückte, seine Blutadern pulsierten aufgrund seinen Wassermangel kaum ausreichend, um auszubluten, so der "Spiegel". Also entschied er sich zu kämpfen. Er ging wieder hinaus in die Wüste und suchte nach Hilfe. Währenddessen aß er Käfer und Reptilien. Nach neun Tagen fand er ein Dorf. Von dort konnte er in ein Krankenhaus geflogen werden, wo Ärzte feststellten, dass seine Leber fast komplett versagt hatte. Am Ende seiner Reise war er über 180 Meilen weit gewandert, hatte 15 Kilo verloren und konnte noch Monate danach kein richtiges Essen zu sich nehmen.

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  • Quelle:
  • Noizz.de