Die Kadaver sind wie ein natürlicher Dünger.

Die norwegische Hochebene im Hardangervidda-Nationalpark, August, vor zwei Jahren: 323 Rentiere sind tot umgefallen, ein Blitz hat sie alle getroffen, ihre Kadaver liegen dicht an dicht auf dem Boden. Todesursache: Herzstillstand. Das Bild wirkt wie ein Gemetzel Gottes.

Diese Laune der Natur trägt heute überraschend Früchte: Denn der biologische Kreislauf sorgt dafür, dass auf dem unfreiwilligen Tiergrab plötzlich die Flora und Fauna üppig erblüht.

Dabei hatten die Leichen erst einmal den Boden und die Fruchtbarkeit zerstört!

Ein norwegisches Forscherteam fand heraus, dass die Verwesungsprozesse den Säuregehalt des Bodens kritisch erhöht hatten. Der Stoffwechsel der Pflanzenwelt wurde durch die Rentiere gestört.

In einem Video des Wissenschaftlers Stefano Puliti erklären die Forscher diese Prozesse – mit anschaulichen, nicht gerade appetitlichen Bildern vor Ort.

Die Forscher schauten sich die Vegetation an, die Mikrobiotika, die Beschaffenheiten von Boden und Wasser in der betroffenen Region.

Die Rentier-Kadaver sehen mittlerweile auf den ersten Blick aus wie Steine – erst bei genauem Hinsehen entdeckt man die Geweihe und Hufen.

Für das neue Grün haben dann die Aasfresser gesorgt, die sich an dem Rest des verroteten Fleischs der Rentiere bedient haben: Füchse, Raben, Krähen, Adler, Bussarde.

Darin hatten die Maden ihr gefundenes Fressen. Deren Ausscheidungen enthielten Nährstoffe und Samen der Krähenbeere, deren Keime benötigen wiederum offenen, fruchtbaren Boden.

Diese schwarzen Beeren dienen wiederum vielen Tierarten in der Arktis als wichtige Nahrungsquelle.

Deshalb heißt das Forschungsprojekt übrigens auch REINCAR – als Abkürzung für Reindeer carcasses (Rentierkadaver), und als Anspielung auf das Wort „Reinkarnation“, also Wiedergeburt.

Quelle: Noizz.de