Pitbull hat Totos „Africa“ versaut – mit dem schlimmsten Cover aller Zeiten

Sabine Winkler

Indie, Kaffee & Liebe
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Es heißt jetzt „Ocean To Ocean“ und ist der Pop-Fail des Jahres 2018.

Es gab eine Zeit, da hat der Pitbull das Popbusiness dominiert. Er war der Post Malone der Nullerjahre. Jeder wollte mit ihm zusammenarbeiten, Pitbull hat den Soundtrack unserer wilden Chartparty-Nächte abgeliefert. „I Know You Want Me“, „Give Me Everything“, „Rain Over Me“, „International Love“ ... sogar mit J-Lo durfte Pitbull einen Song aufnehmen – mit fucking J-Lo!

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Irgendwann war Pitbull einfach everywhere. Wieso denn nur? Keine Ahnung. Was er damals aber schon gut konnte: Alte Hits nochmal für sich verwurschteln. „On the Floor“ etwa sampelt den 80er-Klassiker „Lambada“. „Give Me Everything“ von seinem Hitalbum „Planet Pit“ enthält Samples des Musicals „West Side Story“, „Hey Baby (Drop It Tot he Floor)“ sampelt eiskalt „Push It“ von Salt-N-Pepa.

Ebenso legendär seine dezent eingestreuten „Donkey Kong“-Lines und andere Anspielungen, wie sexy und massiv Pitbull doch sei. Das schlimmste daran: Ich kenne jeden verdammten, einzelnen Song. Weil Pitbull einfach so fucking präsent war. Und er so verdammt gut darin ist, Ohrwürmer zu produzieren. Dass muss man dem US-Rapper mit kubanischen (Ja, falls ihr es vergessen habt, Pitbull ist ein Rapper) einfach lassen.

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich damals, als Pitbull seine beste Zeit hatte, einfach in einem Alter war, indem das Gehirn sehr empfänglich für Popmusik ist. Ich hasse es und liebe es gleichzeitig. Pitbulls Meisterwerke sind so trashig, dass es fast schon wieder schlimm-gut ist.

Und nun, Ladies and Gentleman: „Mister Worldwide“, wie er sich betitelt, ist zurück. Mit dem dämlichsten Comeback-Song-Sample aller Zeiten. Armando Christian Pérez, wie der Rapper bürgerlich heißt, hat sich für den Soundtrack des Marvelfilms „Aquaman“ nämlich „Africa“ von Toto vorgenommen. Hier nochmal das Original, ein Renner auf JEDER 90er Party:

Pitbull transformiert den episch-exotischen Sound der 80er-Rocker in „Ocean to Ocean“ zu einer Autoscooter-Disco-Nummer, bei der man wie Pitbull einfach nur noch „Wuhuen“ kann, der Rapper hat wirklich die abartigste Single 2018 fabriziert. Unterstützt wird er dabei von der ominösen Rhea, die jetzt bestimmt, dank Pitbull, mega fame wird.

Aber jetzt mal ernsthaft: WAS HAT SICH PITBULL DA GEDACHT?!

Er versaut einfach Totos Song. Wenn es die „Goldene Himbeere“ für Songs gebe, ich würde sie ihm sofort nur für diesen einzelnen Song verleihen. Okay gut, ich verstehe eigentlich ganz genau, wieso er ausgerechnet DIESES Lied gewählt hat.

Denn der Toto-Song ist eine Retro-Ikone im 21. Jahrhundert geworden. Wo „Africa“ gespielt wird, da kannst du sicher sein, kann es nicht schlecht sein. Der Song ist ein Meme. „Stranger Things“, „South Park“, „Family Guy“ oder „Scrubs“, in all diesen Serien hatte der Song schon seinen großen Auftritt, weil er eigentlich die Verkörperung des Uncoolen ist und so wieder cool wird. Und ehrlich mal, wenn der Song auf Nelson Mandelas Beerdigung 2012 gespielt wird, dann haben Toto es einfach geschafft. Jeder kennt diesen Song.

Genau deswegen verbrät Pitbull ihn jetzt auch in „Ocean to Ocean“. Ich weiß kaum was schlimmer ist. Pitbulls Zeile:

Always against all odds like Pac said, I’m the living Gatsby. But those are watching quick and disappear like Banksy“ – oder aber die Marvelverfilmung. Ich glaube ersteres. Obwohl?

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Beinahe dachte ich ja, Weezers schreckliches Cover von „Africa“ sei schon eine Zumutung gewesen und man könne diesen Song gar nicht mehr schrecklicher machen, als dieser klägliche Versuch, sich am Millennial-Hype zu bereichern. Aber Pitbull zeigt mir, dass es doch geht. Und wie. Hoffentlich leitet er damit nicht eine neue Flut an Pitbull-Songs ein.

Was bleibt mir noch übrig, wenn ich nicht mehr ohne an den verstörenden Pitbull zu denken, „Africa“ hören kann? Gott sei Dank, haben Toto noch viele andere kultige Songs im Archiv.

Ich präferiere von nun an „Hold the Line“ – hat eh mehr Power!

Quelle: Noizz.de