Plötzlich stand die AfD vor Schlecky Silbersteins Tür ...

Und plötzlich steht ein AfD-Abgeordneter im Hausflur und filmt dein Klingelschild“ – das schreibt der Satiriker Schlecky Silberstein, der eigentlich Christian Brandes heißt, in seinem Blog.

Wieso, weshalb, warum? Dafür müssen wir etwas zurück gehen: Kurz nach den Ereignissen von Chemnitz hat das Bohemian Browser Ballett für das digitale Jugendangebot der öffentlich rechtlichen ein Satire-Video gedreht mit dem Titel „Volksfest in Sachsen“ (siehe oben).

Das wirkte anscheinend leider etwas zu real auf Mitglieder der AfD. Die dachten, das Video, das Anfang September im Berliner Stadtteil Lichtenberg gedreht wurde, sei eine Inszenierung falscher Tatsachen seitens der ARD. Von Humor und etwas Selbstironie haben die wohl noch nichts gehört. CSU, SPD und FDP mussten da schon weitaus Schlimmeres aus dem Satire-Lager ertragen.

Aber es geht weiter: Die Berliner AfD hat im Zuge dessen ein Video mit dem Titel „Fakevideo-Firma versteckt sich“ online gestellt. Darin sucht der Berliner Abgeordnete Frank-Christian Hansel die Produktionsfirma auf – inklusive Adresse und Klingelschild.

Dementsprechend aufgebracht sind die Gemüter vieler AfD-Anhänger. Viele rufen in Kommentaren offen und unverblümt zu Gewalt auf, sogar Morddrohungen erreichen den Satiriker Schlecky Silberstein, seit das Video am Montag online gegangen ist.

In dem Video schildert der Politiker auch, man habe rechtliche Schritte eingeleitet, wegen „Urheberrechtsverletzung durch die unerlaubte Nutzung eines kaum verfremdeten Parteilogos und zweiten strafrechtlich wegen Vortäuschung einer Straftat, mit dem Ziel die AfD zu verleumden“ – gemeint ist hiermit die Szene, in der ein dunkelhäutiger Mann vor einem Neonazi davon rennt, direkt neben einem fiktiven „AfD-Infostand“.

Dem rbb teilte Schlecky Silbersteins Produktionsfirma mit, dass entsprechende Schriftstücke noch nicht eingegangenen seien. Dafür habe man selber Rechtsmittel eingelegt. Ob die AfD wirklich rechtlich aktiv gegen das Video vorgegangen ist, hat sie auf Nachfrage des rbb nicht beantwortet.

Schlecky Silberstein hat sich in seinem Blog ausführlich über die Umstände, und alles, was damit einherging bzw. ausgelöst wurde, geäußert – der Text ist sehr lesenswert und sollten sich die Beteiligten AfD-Politiker auch einmal zu Gemüte führen.

Wir erinnern uns: Bei dem sogenannten „Trauerzug“ in Chemnitz vor zwei Wochen liefen ranghohe AfD-Politiker wie Landesvorsitzenden Jörg Urban aus Sachsen, Björn Höcke aus Thüringen und Andreas Kalbitz aus Brandenburg Seite an Seite in vorderster Front, neben Pegida-Gründer Lutz Bachmann, neben Neonazis und dem rechtsextremistischen Bündnis „Pro Chemnitz“.

Nun fühlt sich die AfD diskreditiert und verleumdet durch ein Satirevideo, dass sie zunächst für ein „Fake-Video“ als echte Berichterstattung gehalten hat. Gegenüber dem rbb versucht sich die Partei im selben Artikel wie den eingangs zitierten, zu rechtfertigen.

So sagt der Sprecher der Berliner AfD, Ronald Gläser, Hansel sowie die AfD habe erst im Nachgang des Satiredrehs das Material einsehen können : „Es war für uns nicht absehbar, um welche Art von Video es sich handelt. Nur weil jemand sagt, dass es Satire sein soll, ist der Vorwurf nicht aus der Welt.“

Was bleibt uns anderes als übrig, als mit diesem, etwas älteren Videobeitrag des Bohemian Browser Balletts aus diesem Artikel auszusteigen: Die tun aber auch viel dafür, dass man süchtig bleibt.

Quelle: Noizz.de