Und erntet gleich einen Shitstorm.

Niemand zweifelt es an: Der Arbeitsmarkt ändert sich. Das liegt unter anderem daran, dass wir immer mehr Menschen haben, die arbeiten wollen oder müssen, aber auch mehr Roboter und Maschinen, die menschliche Arbeit übernehmen. Begriffe wie „flexible Arbeitszeiten“, „Work-Life-Balance“ und „Prekariat“ werden verwendet, um das heutige Arbeitsleben zu begreifen.

Nun gibt es verschiedene Varianten, sich an die sich verändernde Wirtschaft anzupassen: Die Gewerkschaft IG Metall erkämpfte sich etwa die 35-Stunden-Woche, in Frankreich gilt diese auch mehr oder weniger für alle.

Dann gibt es auch die weniger menschenfreundliche Variante.

In Österreich setzt sich die rechtskonservative Regierung gemeinsam mit der Wirtschaftskammer zurzeit für den 12-Stunden-Tag ein – das heißt, dass der Mensch die Hälfte seines Tages mit Arbeit verbringen darf. Vier Stunden mehr kann der Arbeitnehmer freiwillig ackern.

Um das den Bürgern schmackhaft zu machen, hat die Kammer ein kleines Lied samt Knetfilmchen namens „Willkommen in der neuen Welt der Arbeit“ aufwändig produziert. Wir befinden uns auf der Arbeits-Insel, die mit der Zeit-Insel kooperiert und wo sich alle Menschen sehr sehr wohl und glücklich fühlen. Denn sie dürfen jetzt 12 Stunden am Tag arbeiten, somit mehr Geld verdienen, somit in längeren Blöcken Freizeit haben und sich auch mal was gönnen. Der Chef würde dann einem mit mehr Freiheit und Vertrauen (und natürlich Überstundengehalt) danken - das alles ist der prohezeite Idealfall. Ein komischer Mops stellt die „kritischen“ Fragen, wie es denn aussieht mit Arbeit und Familie, mit den flexiblen Arbeitszeiten, und so weiter. Diese werden dann alle mit sehr guter Laune beantwortet. Eine süße Webseite mit ähnlicher Ästhetik gibt es auch.

„Geht’s den meinen guat, dann geht’s uns allen guat; das will ja jeder, das ist doch klar“, tönt es im seichten Pop-Refrain. Denn wie die Knetmenschen haben auch wir Zeit und Energie, nach einem extrem langen Arbeitstag noch schnell eine Gitarre zu greifen und dann ein Konzert zu spielen. Wer kennt das nicht? Flexible Arbeitszeiten werden als ein großes Geschenk für alle dargestellt. Konsequenzen, etwa dass die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben dadurch fast komplett verschwindet - schließlich bleibt rein mathematisch gesehen fast gar nichts mehr vom Tag über -, werden nicht genannt.

Großer Shitstorm

Das Internet hat das Video nicht begeistert aufgenommen. In den Kommentaren wird der Kammer unter anderem „Weltfremdheit“ und „Ausbeutung“ vorgeworfen. Mehr als 10.000 Nutzer haben dem Video einen Daumen nach unten gegeben.

Wenige Tage später entschuldigte sich die österreichische Wirtschaftskammer für ihre seichte Darstellung von flexiblen Arbeitszeiten und hat zur sachlichen Diskussion auf Facebook aufgerufen. Aber auch dort häufen sich negative Kommentare – denn aus sozialpolitischer Sicht wird das neue Gesetz eher noch mehr unbezahlte Überstunden und die Ausnutzung des Arbeitnehmers ermöglichen. Aber das ist es ja zugunsten der wachsenden Wirtschaft wert.

Quelle: Noizz.de