Dracula lässt grüßen: Das Borneo-Hörnchen hat nicht nur einen unglaublich flauschigen Schwanz, sondern auch zwei sehr außergewöhnliche Schneidezähne. Nicht zuletzt deswegen glauben viele Einheimische, das süße Hörnchen greife Muntjaks an und sauge ihnen brutal das Blut aus. Aber: alles Humbug!

Im tiefsten Urwald von Borneo soll eine mysteriöse Kreatur ihr Unwesen treiben. Es kann Tiere, die fast vier Mal so groß und schwer sind wie es selber, mühelos erlegen. Es hat zwei lange, spitze säbelzahnartige Schneidezähne, mit denen es seinen Opfern das Blut aussaugen soll und ist nur selten in der Nacht zu sehen. Klingt nach einem Vampir. Die Rede ist aber von einem Vampir-Hörnchen – besser als Borneo-Hörnchen bekannt.

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Das Rheithrosciurus macrotis, so sein zoologischer Name, ist eine Art Baumhörnchen, das auf der asiatischen Insel Borneo beheimatet ist. Seitdem die Art 1856 vom britischen Zoologen John Edward Gray entdeckt wurde, hält sich der Mythos des blutsaugenden Hörnchens. Viele Einheimische glauben, das Borneo-Hörnchen mit seinem ultraflauschigen Schwanz mache immer wieder Jagd auf die deutlich größeren Muntjaks. Von niedrigen Ästen aus lasse es sich auf den Hirsch fallen und beiße ihm die Halsschlagader durch. Danach fresse das Borneo-Hörnchen nur den Mageninhalt, Herz und Leber, lasse aber den restlichen Kadaver liegen. Klingt gruselig.

Das Borneo-Hörnchen wird so seltem gesichtet, dass es nur wenige Fotos gibt.

Hier kannst du das Vampir-Hörnchen aus nächster Nähe sehen:

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Wissenschaftler*innen haben diese Ernährungsweise aber nun endgültig so gut wie ausgeschlossen. Halten wir fest: Borneo-Hörnchen sind – trotz ihrer exorbitant großen, spitzen Zähne – Vegetarier. Zoolog*innen haben sich zum ersten Mal die Lebensweise und Ernährung des seltenen Hörnchens in einer Studie genauer angeschaut. Dabei kam raus: Die knuffigen Baumhörnchen haben entgegen ihrem Vampir-Image eine sehr ausgeklügelte, vegetarische Diät.

Sie haben die scheuen Tiere über Jahre hinweg beobachtet und konnten schlussendlich 79 Mal eine Nahrungsaufnahme beobachten. Dabei wurde zumindest kein einziges Mal ein Muntjak von den Hörnchen angesaugt. Die Forscher*innen gehen davon aus, dass das bisher beobachtete Nahrungsverhalten daher exemplarisch sei. Demnach ernähre sich das "Vampir"-Borneo-Hörnchen vor allem von sehr harten Samen und anderen pflanzlichen Stoffen im Wald.

Es ist nahezu ausgeschlossen, dass die Borneo-Hörnchen Fleischesser sind

Schon vor dieser Studie ging die Wissenschaft davon aus, dass der Vampirismus von Borneo-Hörnchen ziemlich unwahrscheinlich sei. Vor allem, weil es sich zu sehr von allen anderen verwandten Arten unterscheide. Stattdessen fressen die Hörnchen vor allem Samen der Baumart Canarium Decumanum, die so hart sind, dass selbst Menschen mit Schwierigkeiten haben, diese mit einem Hammer aufzubrechen.

Es ist davon auszugehen, dass die Borneo-Hörnchen deswegen mit ihren auffälligen, gesägten Schneidezähnen ausgestattet sind. Dazu besitzen die Borneo-Hörnchen lange, mit gesägten Rändern ausgestattete Schneidezähne. Gesichert ist aber auch das nicht. Wenig ist über das seltene Säugetier bekannt – und es ist eine gefährdete Art. Das liegt auch daran, dass ihr Lebensraum immer knapper wird.

Ein Titel bleibt dem Möchtegern-Vampir aber sicher: Es hat den flauschigsten Schwanz von allen. Das fand eine vergleichende Studie aus dem Jahr 2014 heraus. Demnach sei sein Schwanz fast 30 Prozent voluminöser als sein restlicher Körper.

  • Quelle:
  • Noizz.de