Eine neue Studie aus Australien zeigt, wie intelligent Delfine ihre Fischbeute mit einer neuen Technik jagen: Shelling. Dabei werden Fische in leere Muscheln auf dem Meeresgrund getrieben, um sie anschließend über Wasser heraus zu schütteln.

Delfine sind schlaue Säugetiere, aber eher konservative Jäger. Heißt: Die sogenannten Zahnwale lernen, genau so zu jagen, wie ihre Mütter es ihnen vormachen. Um so erstaunlicher, was Sonja Kraus von der Universität zu Leeds in Großbritannien und ihr Team von Wissenschaftler*innen am Shark Bay erforschen konnten. Zwischen 2007 und 2018 erforschten sie die etwa 800 Kilometer nördlich von Perth gelegene Meeresbucht und konnten so entdecken, wie Delfine sich ein neues Jagdverhalten von anderen Meerestieren abguckten und übernahmen: Shelling, wie nun über "cell.com" veröffentlicht wurde.

Die Meeresbucht Shark Bay, geschütztes UNESCO-Welterbe und Zuhause etlicher Meerestiere.

So funktioniert die Jagdmethode

Shelling kann man sich wie eine Mischung aus Fangen, Verstecken und Aufgegessen-Werden vorstellen, bloß unter Wasser. Sobald ein Delfin ein ihm fressenswert erscheinenden Fisch entdeckt, fängt er an, ihn zu jagen. Da Fische schnell und wendig sind, ist es für den Delfin aber quasi unmöglich, ihn direkt zu fangen. Also macht er sich gar nicht erst die Mühe, sondern treibt das Fischchen gezielt in Richtung einer großen, leeren Muschelschale auf dem Meeresgrund. "Uff, goiles Versteck, was ein Glück, schnell rein da mit mir", denkt sich das Fischchen und flutscht blitzschnell in die sichere Höhle – hat dabei aber die Rechnung ohne das überlegene Säugetier-Gehirn gemacht.

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Denn jetzt geht es übergangslos in Phase zwei, das Suchen. Der Delfin sucht den Fisch nun mit seinem Mund. Das geht so: Flipper steckt seine Schnauze in die Muschel, schwimmt damit an die Wasseroberfläche und schüttelt das ganze Wasser aus dem Muschelgefängnis, das eben noch ein Muschelversteck war. Was passiert, wenn der Fisch kein Wasser mehr in seiner Muschel hat? Er fällt, zufällig genau in den Mund des Delfins. Fisch gefunden.

So klug sie auch sind: Gegen die Vermüllung der Meere nützt kein Verstand.

Delfine und Menschenaffen

Insgesamt 19 Exemplare konnten Kraus und ihr Team bisher dabei beobachten. Sie gehen aber von deutlich mehr Tieren aus, die das Verhalten beherrschen und anwenden. Interessant ist außerdem, dass Delfine das Jagdverhalten offensichtlich von ihren Peers gelernt und abgeguckt haben und nicht (nur) von ihren Müttern. Damit ähneln sie im Sozialverhalten den Menschenaffen.

Michael Krützen von der Universität zu Zürich, der ursprüngliche Initiator der Studie, erklärt: "Es gibt in der Tat viele Gemeinsamkeiten zwischen Walen und Menschenaffen, obwohl die evolutionäre Linie eine ganz andere ist und beide völlig unterschiedliche Lebensräume bewohnen: Beide haben eine lange Lebensdauer, sind Säugetiere mit großen Gehirnen und besitzen damit große Kapazitäten für Innovationen und kulturelle Weitergabe von Verhalten."

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Wer weiß, vielleicht gibt es bald wegen Überfischung und Vermüllung der Meere zwar keine Muscheln mehr auf dem Meeresgrund, aber dafür ein paar alte Plastikkanister, in die die Delfine die letzten kleinen Fische des Meeres treiben können, "Mülling" oder so.

Quelle: Noizz.de