Was Tierschützer schon lange sagen, hat jetzt auch ein Expertengremium eingesehen: Die Lebensbedingungen für Schweine sind saumäßig. So schnell wird sich daran aber wohl nichts ändern.

Mehr Platz, mehr Abwechslung und Stroh zum Wühlen: In den kommenden 20 Jahren müssen die Haltungsbedingungen für Schweine und andere Nutztiere deutlich besser werden, findet ein Expertengremium.

In einem Empfehlungsschreiben an die Bundesregierung fordern die Mitglieder unter anderem, dass jedes Schwein eine etwa um die Hälfte größere Stallfläche bekommt – was aber erst 2040, nach einer Übergangsphase umgesetzt werden soll. Außerdem sollen mindestens zehn Prozent der Betriebe die Fläche pro Tier verdoppeln und einen Auslauf ermöglichen. Bei den Maßen orientierten sich die Experten an den Vorgaben für das staatliche Tierwohlkennzeichen für Schweine.

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Das Gremium war von Agrarministerin Julia Klöckner im vergangenen Jahr beauftragt worden, Vorschläge für die Zukunft der Nutztierhaltung zu erarbeiten. Es setzt sich aus Vertretern der Politik, Landwirtschaft, Forschung sowie Umwelt- und Verbraucherschützern zusammen. "Klar ist, dass die Nutztierhaltung so wie wir sie jetzt haben, keine gesellschaftliche breite Akzeptanz hat", sagte Klöckner.

Uneinig war sich das Expertennetzwerk über die Finanzierung der Vorschläge. Sie empfehlen, 80 bis 90 Prozent der Kosten, die etwa für den Umbau der Ställe anfallen, über die Tierwohlprämie sowie Investitionsförderungen staatlich auszugleichen. Als einen von mehreren Möglichkeiten zur Finanzierung bringt das Gremium eine Verbrauchssteuer auf tierische Produkte ins Spiel.

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Das hatte den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) veranlasst, aus dem Netzwerk auszutreten. Der vzbv "unterstützt Vorschläge für höhere gesetzliche Tierwohl-Standards“, teilte der Verband mit. "Eine neue Steuer auf tierische Produkte ist aber nicht der richtige Weg. Besser wäre es, die bestehenden Milliardensubventionen für die Landwirtschaft umzulenken."

Ob die Diskussion in den nächsten zwanzig Jahren geklärt werden kann? Klar ist: So schnell wird sich für Schweine in Deutschland auf jeden Fall nichts ändern.

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[Text: Zusammen mit dpa]

Quelle: Noizz.de