Der Rapper überrascht in einer Talkshow.

Wenige Künstler haben sich im Laufe ihrer Karriere so sehr verändert wie Paul Würdig aka. Sido. Vom „Mann mit der Maske“ ist er zu jemandem geworden, der Softie-Popsongs mit Mark Forster veröffentlicht und statt mit öffentlichen Prügeleien und Drogenmissbrauch eher mit seiner Vorzeige-Ehe mit Charlotte Würdig von sich reden macht.

Das war Sido früher Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Jetzt war der 37-Jährige zu Gast in der NDR-Talkshow 3 nach 9. Dort schlug er nachdenkliche Töne an – und sprach über einige Dinge, die wir so nicht erwartet hatten. Das hier ist unsere Top 5 der spannendsten Aussagen aus dem Gespräch mit ihm.

1. „Seitdem ich 19 bin, habe ich Kinder.“

Moderatorin Judith Rakers spricht ihn darauf an, dass viele Menschen aus seinem Umfeld ihm attestieren, dass er sich verändert habe. Woran das liege – vielleicht daran, dass er jetzt eine Familie habe, Vater sei?

Sido: „Seitdem ich 19 bin, habe ich Kinder. Deswegen kann ich nicht sagen, dass mich die Kinder verändert haben.“

Viele wissen nicht, dass Sido schon mit 19 Jahren zum ersten Mal Vater wurde. Jetzt hat er vier Kinder, ist seit 2012 verheiratet mit Moderatorin Charlotte Würdig.

2. „Ich bin erwachsen geworden.“

Die Kinder sind es also nicht, die ihn verändert haben – was dann?

„Ich hör' die Frage so oft. Ich bin erwachsen geworden, ich bin jetzt 37 Jahre alt. Ich kann mich nicht mehr benehmen wie ein 20-Jähriger, der so ziemlich auf der Straße lebt, der nicht weiß, was er mit seinem Lebe anfangen soll. Es gibt Dinge in meinem Leben, die ich einfach nicht mehr verlieren möchte. Dafür muss ich mich an gewisse Regeln halten, gewisse Dinge tun, damit das auch so bleibt. Damals war mir alles egal. Hätte morgen vorbei sein können, wär jetzt auch nicht so schlimm gewesen.“

3. „Mein Traum war immer ein Haus mit 'nem Garten und meine Frau hängt in der Sonne die Wäsche auf, die Kinder spielen Fußball.“

Sido sagt, er habe immer den Wunsch nach einem harmonischen Leben gehabt. „Ich komme aus sehr schwierigen Verhältnissen. Alles war immer sehr schnell und es gab für mich in meiner Kindheit und Jugend viel auszuhalten. Mir war immer nach Harmonie. Das war meine Vorstellung davon, wie ich immer sein möchte.“

Und ja – das alles habe er geschafft. Bis auf eine Sache: „Meine Frau hängt keine Wäsche auf.“

4. „Ich gebe nix auf die Meinung fremder Menschen“

Sido kritisieren – das trauen sich nicht viele, und es dürfen auch nicht viele.

„Es gibt einige Menschen, die mich kritisieren dürfen, aber die habe ich mir ausgesucht. Es sind nicht viele.“ Es gebe außerdem auch nicht viele, die ehrlich zu ihm seien. „Viele versuchen, mir alles nach der Schnauze zu reden.“

Ehefrau Charlotte gehöre nicht zu diesen Personen. „Das ist der Grund, wieso ich sie so liebe“, sagt Sido. Er wünsche sich immer Ehrlichkeit.

5. „Ich sage, ich bin ein Zigeuner.“

Sido dachte immer, er stamme aus der Sinti-Familie. Am Set seines neuen Films „Eine Braut kommt selten allein“ wurde er eines Besseren belehrt: Kollegen am Set hätten sich über seine Familiengeschichte informiert – und sagen, er sei ein Roma. Er selbst kann es nicht genau sagen. Obwohl er weiß, dass das politisch unkorrekt ist, sage er einfach: „Ich bin Zigeuner“.

„Ich hab den Film nur für meine Mutter gemacht.“

In dem Film „Eine Braut kommt selten allein“ spielt Sido die Hauptrolle. Es geht um einen Hartz IV-Empfänger, der von seiner Frau verlassen wurde. Auch sein Kind ist nicht mehr bei ihm. Dann zieht eine Sinti-Frau bei ihm ein, später ihre ganze Familie. Für Sido gab es nur einen Grund, bei dem Film mitzuspielen.

„Ich hab den Film nur für meine Mutter gemacht. Für die Sinti-Roma-Seite der Familie. Weil ich das Problem mal auf die Karte bringen wollte. Gerade jetzt, wo viele andere Flüchtlinge kommen. Das ist der Rand vom Rand der Gesellschaft. Es gibt noch einen Rand hinter dem Rand – und das sind die Sinti und Roma.“

Dieses Problem beschäftigt ihn: „Viele Leute aus meiner Ethnie fühlen sich gezwungen, dumme Dinge zu tun. Das ist wahrscheinlich ein Problem, das viele Flüchtlinge kennen. Wenn sich nicht um die gekümmert wird, was sollen die tun? Verbrechen wird wahrscheinlich eins der ersten Dinge sein. Irgendwann kommt dieser Punkt, wo du dann sagst, ok, ich verkauf' jetzt irgendeinen Scheiß. Damit ich meine Kinder ernähren kann. Ich will es nicht – aber was soll ich machen?

Dass mit dem Film Klischees bedient werden, sieht er ein – es sei aber überhaupt nicht schlimm, denn „es ist ja nicht gelogen.“ Political Correctness ist für Sido in diesem Fall fehl am Platz. Man müsse die Gründe ansprechen, warum Sinti und Roma in unserer Gesellschaft so ausgegrenzt seien. Aber: „Kein erhobener Zeigefinger, das ist mir wichtig.“

Quelle: Noizz.de