NOIZZ hat die Schauspielerin in Berlin getroffen.

Nur noch wenige Tage bis Will Smith endlich als Dschinni über die deutschen Kinoleinwände saust. Die Neuverfilmung des Disney "Aladdin" wird von vielen Fans heiß erwartet. Die britische Schauspielerin und Sängerin Naomi Scott spielt im Streifen von Guy Ritchie die Prinzessin Jasmin. Wir haben sie vor der Deutschlandpremiere in Berlin getroffen und mit ihr über das feministische Make-over ihrer Rolle geredet.

Wer ist die Prinzessin aus Agrabah?

Schon in ihrer Kindheit fühlte sich Scott von weiblichen Charakteren anzogen, die mehr als eine bloße Augenweide sind: "Jasmin mochte ich nicht, weil sie eine Prinzessin war, sondern weil sie so direkt war. Mulan mochte ich, weil sie das Zeug zur Anführerin hatte und ein Badass war." Prinzessinnen empfindet sie dennoch nicht als Konzept, das längst ausgedient hat. "Wir müssen neu definieren, wie wir Prinzessinnen sehen. Wer ist Jasmin? Wohin geht ihre Journey? Was hat sie der Welt zu bieten?" – genau diese Fragen will die Neuauflage von Guy Ritchie ins Zentrum des Films rücken.

Ihre Inspiration für die Darstellung von Jasmin schöpfte Naomi Scott aus echten Royals, die sich sozial engagieren und Führungsqualitäten beweisen. Rania von Jordanien und Meghan Markle nennt sie als konkrete Beispiele, die ihre Performance beeinflusst haben. Auch ihr Acting-Coach Leigh Kilton-Smith hat ihr in der Entwicklung ihrer Rolle sehr geholfen.

Ich hatte eine genaue Vorstellung, wie ich den Charakter spielen wollte. Das war sehr hilfreich. Wenn du dich damit wohlfühlst und es ihnen so passt, nehmen sie dich. Es gibt eine Version dieses Charakters, die ich nicht hätte spielen wollen. Ich wollte, dass sie reif, stark und empowered ist – aber gleichzeitig auch menschlich. Es geht nicht darum perfekt zu sein, man kann auch in Schwächen Stärke finden.

Mehr als ein Objekt des Male Gaze

In der Vergangenheit hat sich die westliche Kultur Frauen aus dem Nahen Osten oft zu Eigen gemacht, sie als "exotische" Objekte der Begierde dargestellt. Prinzessin Jasmin durchbricht diese Dynamik, findet Naomi Scott. "Sie ist nicht nur eine Idee, oder das, was eine andere Person denkt, das sie ist. Sie ist menschlich." Schon alleine die Kostümauswahl der neuen Version von "Aladdin" soll dieses Bild widerspiegeln. Die Darstellerin hat sich persönlich für die passende Kleidung eingesetzt: "Ich wollte sichergehen, dass sie sich bewegen und aktiv sein kann." Und so trägt Jasmin unter ihren reich geschmückten Kleidern immer weite, praktische Hosen.

Regisseur Guy Ritchie ließ der Britin mit indischen Wurzeln bei ihrer Interpretation der ikonischen Figur freien Lauf. "Guy vertraut einem. Er hat nicht versucht seine eigene Idee von Jasmin durchzudrücken. Ja, er hatte seine eigene Ansicht, aber er hat mir zugetraut, meine eigene Frau daraus zu machen", so die 26-Jährige. Generell sei ein weiblicher Blickwinkel essentiell, um Fallen wie die Objektifizierung und Verzerrung weiblicher Charaktere zu umgehen: "Wenn man die Geschichte einer Frau erzählt, muss auch mal jemand sagen: 'Sowas machen Frauen in echt aber nicht'. Diversity ist vor und hinter der Kamera wahnsinnig wichtig."

Die Tochter des Sultans

Wer "Aladdin" gesehen hat, erinnert sich an die zentrale Rolle der Beziehung zwischen Jasmin und ihrem Vater, dem Sultan von Agrabah. Darauf angesprochen, beginnen die Augen von Naomi Scott zu leuchten. "Ich bin so froh, dass du das gefragt hast", grinst sie. Ihre Beziehung zu ihrem On-Screen-Vater Navid Negahban, den viele aus "Homeland" kennen, war eine ganz besondere. "Navid und ich waren so verbunden. Er hat selbst Töchter", schwärmt die Schauspielerin. "Jasmins Vater hält sie nicht zurück weil er sie hasst, sondern weil er überfürsorglich ist und sie so sehr liebt. Jasmin weiß das. Deshalb muss sie ihn an der Hand nehmen und ihn in Richtung Zukunft führen."

Und wie das aussiehst, kannst du dir ab dem 23. Mai im Kino anschauen.

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Quelle: Noizz.de