Real.ly?

Seit zwei Wochen ist der 1. FC Köln mit einem eigenen Account bei „Musical.ly“. Es wurde als ein ganz großer Schritt angekündigt und vom Klub und den App-Betreibern abgefeiert. Aber leider ist der Account bislang vor allem eins: langwei.ly.

„Musical.ly“, das ist diese App, mit der man Ausschnitte aus Songs nachsingen oder berühmte Zitate in die Kamera einsprechen kann. Im Playback läuft dann das Original, das Video mit der perfekten Synchronisierung lädt man auf seiner eigenen Seite hoch.

Die PR-Abteilung des Klubs gab am 23. März via Pressemitteilung den FC-Account bekannt und drehte nahezu durch: „Eine höchst interessante Plattform“ sei das, die „eine völlig neue Perspektive auf die FC-Profis“ eröffnet.

Die Macher der App ließen ihrer Euphorie ebenfalls freien Lauf. Der 1. FC sei der weltweit erste Profi-Fußballklub auf „musical.ly“. „Durch die Zusammenarbeit erweitern wir das Contentangebot für unsere Community und bauen musical.ly weiter als Entertainment-Plattform aus“, sagte Verena Papik, Director of Marketing von „musical.ly“, in der Pressemitteilung des Klubs.

Lustige Idee eigentlich, dachte man. Nationalspieler Jonas Hector könnte kölsche Lieder singen und mal wieder zeigen, wie spaßig der Karnevalsverein drauf ist.

Zwei Wochen und sieben Videos später lässt sich aber festhalten: Die Kölner machen nichts von dem, wofür „Musical.ly“ zuvor bekannt war. Kein einziges Playback-Video eines Profis, dafür Dance-Moves von Leo Bittencourt oder ein Slow-Motion-Video von Torwart Timo Horn, der sich den Pullover zurechtzupft. Real.ly?

Bittencourt zeigt seine Dance-Moves

Bittencourt soll der Star des Accounts sein, gemeinsam mit den Nachwuchsprofis Marcel Hartel und Sven Müller. Die drei passten laut Pressemitteilung am besten zur Zielgruppe.

„Musical.ly“ habe weltweit knapp über 200 Millionen Nutzer – „ein hoher Prozentsatz von ihnen sind junge Mädchen.“ Deshalb also Frauenschwarm Bittencourt, der schon vorher bei „Musical.ly“ aktiv war.

Seine Seite ist eine von acht Accounts, denen die FC-Seite folgt. Die anderen sind zum Großteil Fan-Seiten und der Account von „Mrs.Bittencourt21“.

Der FC-Account folgt acht Seiten

Ärgerlich, dass der FC dem pompösen Start bislang nicht gerecht wurde. Dabei hatte die Pressemitteilung doch schon ein vielversprechendes Video parat gehabt: Der Sound des Stadionsprechers und ein Fan-Schrei nach einem Tor. Eingespielt natürlich von: Leo Bittencourt.

Quelle: Noizz.de