Wir gehen dem Phänomen auf den Grund.

Wer diesen Sommer wieder fleißig WM schaut, wird bei den Spielen der Gruppe D eine Besonderheit festgestellt haben: Im kroatischen Block stehen immer wieder Fans mit Wasserball-Mützen. Auch heute Abend, im Achtelfinale gegen Dänemark, wird sich manch ein Zuschauer eine aufgesetzt haben. Dass sich die Kroaten in der Sportart geirrt haben, ist mehr als unwahrscheinlich. Was steckt also hinter der merkwürdigen Tradition?

Der Stolz auf die Athleten

Wasserball spielt in Kroatien eine wesentlich größere Rolle als hierzulande in Deutschland: Schon das ehemalige Jugoslawien war eine der führenden Nationen im Sport. Nach dem Zerfall des Landes und ihrer Unabhängigkeit wurden die Kroaten zu einem der besten Teams der Welt und gewannen 2012 bei den olympischen Spielen in London Gold.

Kroatische Fans vor dem 2:0-Sieg ihrer Mannschaft gegen Nigeria Foto: Peter Kovalev / dpa picture alliance

Fußball und Handball sind im Adriastaat zwar populärer, doch insgesamt haben die großen sportlichen Erfolge Kroatiens dazu geführt, dass eine Art allgemeiner, sportartenübergreifender Stolz auf die Athleten entstanden ist. 1998 wurden die Fußballer WM-Dritter. 2001 gewann Tennisspieler Goran Ivanišević das Wimbledon-Turnier. Die Handballer wurden 2004 Olympiasieger. Leichtathletinnen wie Blanka Vlašić und Sandra Perković sind ebenfalls große Stars.

Gemessen an der Einwohnerzahl von knapp über 4 Millionen gehört Kroatien stets zu den besten Olympia-Teilnehmern – und schneidet deutlich besser ab als andere Staaten des ehemaligen Jugoslawiens. So ist der sportliche Erfolg gewissermaßen Teil des kroatischen Nationalgefühls geworden. Wer mit der Wasserballmütze ins Hand- oder Fußballstadion geht, zeigt somit auch: Wir können noch mehr!

Nicht nur auf den Rängen, auch auf dem Platz

Der Trend nahm jedoch bei der EM 2016 in Frankreich eine überraschende Wendung: Im Spiel gegen Tschechien verletzte sich Verteidiger Vedran Ćorluka am Kopf und fing an zu bluten. Um trotzdem weitermachen zu können, musste die Wunde irgendwie geschützt werden.

Wo jeder normale Mannschaftsarzt zum Verband gegriffen hätte, kam der kroatische Doktor Nderim Redžaj auf eine andere Idee und ließ Ćorluka mit einer Wasserball-Kappe auflaufen. Die UEFA hatte nichts dagegen. Einzige Bedingung: Die Ohrenschützer mussten entfernt werden.

Die Mütze gehörte übrigens dem Wasserball-Nationalspieler Paulo Obradović, Olympiasieger von 2012, der sie nach einer erfolgreichen Knie-OP seinem Arzt Boris Nemec gab, der wiederum ebenfalls Teil der medizinischen Abteilung der Fußballnationalmannschaft ist.

Auch in der folgenden Partie gegen die Spanier trug der Abwehrspieler seine Mütze. Die absurden Bilder sorgten dafür, dass die Wasserballmütze noch mehr zum Kultobjekt wurde. Selbst der Hund von Vedran Ćorluka blieb nicht verschont.

Die Kroaten sind im Übrigen nicht die einzigen Fans, die mit Wasserballmütze auflaufen. Auch die Serben, ebenfalls eine Wasserballnation und sogar amtierender Olympiasieger, setzen auf die Kopfbedeckung:

Inzwischen sind die Teile relativ leicht zu bekommen und werden auch von Bierherstellern als Merch herausgegeben.

Quelle: Noizz.de