Ibrahimovic will nach der Horror-Verletzung noch nicht aufgeben.

Wenn man über Zlatan Ibrahimovic reden möchte, sollte man ehrlich sein. Denn Zlatan ist immer ehrlich. Er hält seine eigene Frau für eine „üble Superluxus-Tussi“. Ex-Trainer Pep Guardiola für einen feigen Philosophen, der „Scheiße für Fortgeschrittene“ labert. Sich selbst wahlweise für Gott oder Jesus. Aber das ist er ja auch: der Größte von allen.

Ich muss also ehrlich sein: Zlatan ist mein Gott. In meinem Zimmer hängt ein Poster, das eigentlich eher ein Bildnis eines Heilands ist. Ein Mann mit langen, braunen Haaren. Um den Kopf ein großer Heiligenschein. Das Gemälde einer Ikone.

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Was tut ein guter Jünger des größten schwedischen Sportlers aller Zeiten? Ich versuche, dem Jesus mit dem Goatee-Bart so gut es geht zu huldigen. Aber ich muss sagen: Das fällt mir manchmal schwer.

In sozialen Netzwerken wähle ich gerne Zlatan als Nickname. Natürlich habe ich ein Trikot mit der Nummer 10, original gefälscht aus Stockholm. Aber ständig denke ich mir: Das reicht noch nicht. Und deshalb möchte ich mein Kind nach Zlatan Ibrahimovic benennen. Wenn es ein Mädchen wird, dann eben mit Zweitnamen.

Da wäre ich nicht so sicher. Vielleicht würde Zlatan Osing auch verehrt werden, und ich gleich mit. „Boah, hast du 'nen geilen Vater“, sagt dann der kleine Ben-Noel. Und selbst wenn die kleine Frangy-Pany und Matt-Eagle (diese Namen wurden 2014 WIRKLICH genehmigt) meinen kleinen Zlatan ärgern sollten, müsste der nur mit einem richtigen Zlatan-Spruch kontern.

Zlatan, was kriegt deine Frau zum Geburtstag?

„Nichts, sie hat ja schon Zlatan.“

Zlatan, wie läuft die Wohnungssuche?

„Wir suchen gerade nach einem Haus. Aber wenn wir nichts finden, mein Gott, dann kaufe ich halt einfach das Hotel.“

Zlatan, warum hast du solche Kratzer im Gesicht?

„Frag doch mal deine Frau.“

Ja, er hatte immer eine große Fresse. Aber es steckte eben auch immer was dahinter. Bei ihm trifft es zu, wenn er im SPIEGEL-Interview sagt: „Du kriegst den Jungen aus dem Ghetto heraus, aber nicht das Ghetto aus dem Jungen.“

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Aufgewachsen in Rosengard in Malmö, klaute Zlatan wöchentlich Fahrräder, mit denen er zum Training fuhr. Seine Freunde waren Kleinkriminelle, sein Vater Alkoholiker. Selbst, als er bei Ajax Amsterdam schon viel Geld verdiente, beklaute er noch einen IKEA.

Rosengard ist aber auch ein Beispiel dafür, was für ein einzigartiger Mensch Zlatan ist. Er hat zwar eine eigene Insel im drittgrößten See Schwedens. Und einen eigenen Eintrag im schwedischen Duden: „Zlatanieren“, das bedeutet so viel wie „stark dominieren“. Und natürlich wurde ihm auch eine eigene Internet-Suchmaschine gewidmet.

Die Zlaten-Suche googelt jedes Wort mit dem Zusatz „zlatan“

2015 kehrt er mit Paris Saint-Germain für ein Spiel nach Malmö zurück. Weil er das Stadion mit 24.000 Zuschauern als zu klein erachtet, mietet er eben den Marktplatz Malmös und errichtet ein komplettes Public Viewing.

Als die schwedische Behinderten-Nationalmannschaft zu klamm für die Weltmeisterschaft ist und Zlatan um ein Trikot bittet, das sie versteigern wollen, bezahlt er ohne zu zögern die kompletten Reisekosten über 38.000 Euro.

Das sind Peanuts für ihn, klar.

Aber sein Engagement geht über das Finanzielle hinaus. Im Februar 2015 lässt er sich den kompletten Körper mit Kinder-Namen tätowieren. „Meinen Namen kennt jeder. Aber es gibt auf der Welt 805 Millionen Menschen, die an Hunger leiden. Zu viele von ihnen sind Kinder. Wenn ich könnte, würde ich jeden einzelnen Namen auf meinen Körper schreiben lassen. Wenn ihr meinen Namen hört, dann will ich, dass ihr an ihre Namen denkt.“ Es ist eine Kampagne für die Hilfsorganisation World Food Programme.

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Wenn mein kleiner Zlatan also mal ein so guter Mensch werden sollte wie der große Zlatan, dann habe ich viel richtig gemacht.

Und bis jetzt hab' ich noch immer nicht erzählt, wie ich mich in Zlatan Ibrahimovic verliebt hab'. Denn Zlatans größte Qualität ist nicht sein Mundwerk oder das große Herz.

Auf YouTube gibt es viele Highlight-Videos von Fuballern, die zehn besten Tore von Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo. Bei Zlatan ist es eine Top 70, nur für den Zeitraum bis 2014.

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Er hat mehr krasse Tore auf seinem Konto, als andere überhaupt mal das Spielfeld betreten haben. Zlatan kann mit 100 km/h aus 30 Metern, mit der Hacke auf Kopfhöhe oder mit einem eleganten Lupfer treffen.

Zlatan ist wie die Natur. Mal eine Gewalt, die kaum aufzuhalten ist und wie ein Blitz einschlägt.

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Mal wunderschön wie ein Fluss, der sich durchs Tal schlängelt.

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Und dann immer wieder auch einfach nur so unglaublich und unberechenbar wie eines der sieben Weltwunder:

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Dieses Tor gegen England 2012 kam für die FIFA zu spät, um zum Tor des Jahres gewählt zu werden. Es durfte stattdessen 2013 an der Wahl mitmachen – und gewann mit großem Abstand. Auch im so griesgrämigen Deutschland, das den exzentrischen Zlatan nicht immer gerne hat, wurde es das Tor des Monats und später des Jahres.

Und dieser Zlatan, dieser nicht in Worte zu fassende Fußballer, steht nun womöglich vor dem Karriereende.

Am Donnerstag landete er so unsanft auf seinem Knie, dass er sich eine „schwere Kreuzbandverletzung“ zuzog. Die Rede ist von Rissen des vorderen und hinteren Kreuzbands. War's das für den 35-Jährigen? Zlatan wäre nicht Zlatan, wenn er darauf nicht eine solche Antwort parat hätte:

„Aufgeben ist keine Option. Ich entscheide, wann es Zeit ist, aufzuhören.“

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Quelle: Noizz.de