Für die Vereine ist die Streaming-App Chance und Risiko zugleich.

Kreis- und Oberliga sind nicht sexy, aber sie sind noch schön bodenständig. Anders als beim massentauglich inszenierten Profifußball wird aus dem Sport kein Marketing-, sondern allerhöchstens ein Wochenend-Event. Immer mehr Fußball-Fans haben die Schnauze voll vom Bundeliga- und Premier-League-Zirkus.

Stattdessen besuchen sie lieber den Bolzplatz oder kleine Stadien und feuern Vereine wie Rot-Weiß Mühlheim oder den SV Lürrip an.

Weil es hier eben keinen Videobeweis, vermeintlich weniger Korruption und einfach weniger Tammtamm gibt. Hier gibt es noch die schöne heile Fußballwelt. Der Faszination Amateur-Fußball, bei dem vermutlich noch immer jeder, der will und Lust hat, mitkicken kann, haben die Kollegen vom Fußballmagazin „11 Freunde“ erst kürzlich ein ganzes Spezial gewidmet.

Wenn YouTube am Spielfeldrand hockt

Wie das aber so ist: Bei allem gibt es Veränderungspotential. Und alles, was beliebt ist, wird zwangsläufig auch größer. Nun scheint auch der Amateur-Fußball in eine neue Liga (verzeiht das schlechte Wortspiel) bezüglich Kommerzialisierung aufzusteigen. Die kostenlose Video-App YouSport kommt ab sofort bei Amateurfußballnetzwerk FuPa zum Einsatz.

Ein Smartphone, eine App und ein Filmer: Mehr braucht ein Verein nicht, um auf YouSport Highlightvideos aufzunehmen und festzuhalten. „Wir wollen die Sichtbarkeit des Amateursports auf ein neues Niveau heben”, sagte Zeljko Karajica, CEO von 7Sports. Klingt erstmal alles ganz gut.

Was ist YouSport überhaupt?

Wie der Name schon sagt: YouSport ist wie YouTube nur für Sport. Die App gehört zur Pro7Sat.1 Sports GmbH. Seit Mai 2017 kann man die App für Android-Handys und iPhones runterladen. Am Anfang drehte sich alles nur um Fußball: Vereine wie der FC Bayern München, Bayer 04 Leverkusen und Eintracht Frankfurt teilen über die Plattform Videos.

Inzwischen wurde das Repertoire der App aber auf den vollen Breitensport ausgeweitet: Eishockey, Handball und Volleyball gibt es auf Abruf im „Sportdeutschland.TV“, eine Initiative des Deutschen Olympischen Sportbunds – gesponsert von Nokia.

Klar, gegen Partnerschaften und Sponsoring ist erst mal nichts einzuwenden. Es gibt vor allem auch Sportarten die sonst nicht so sehr finanziell gefördert werden, mehr Aufmerksamkeit. Und jeder, der mal in einem Verein gespielt hat, weiß wie cool es ist, Aufmerksamkeit für seine Erfolge zu kriegen.

„Mit YouSport kann jede Mannschaft schnell, automatisiert und kostenlos Highlights ihrer Spiele online verfügbar machen. Das gilt für alle Sportarten und Mannschaften aus der Verbandsliga bis zur Kreisklasse und darunter.“ So bewerben Lars und Sven Bendner von Bayer 04 Leverkusen die App und wollen sie so auch kleinen Vereinen schmackhaft machen.

Klar, die Vorteile liegen erstmal auf der Hand: Die oft nur regional bekannten Vereine können sich besser präsentieren und haben Videomaterial von ihren besten Spielszenen auf einer Plattform gesammelt. Durch die Kooperation mit ran werden die besten Szenen der App sogar im Fernsehen gezeigt. Und: Es gibt momentan sogar ein gratis Stativset für jede Mannschaft, die sich neu anmeldet. So billig kommt man nicht an Equipment. Und Aufmerksamkeit bringt weitere Monetarisierungsquellen.

Wo liegt also das Problem?

Was allerdings einen schalen Beigeschmack hinterlässt ist die Aufmachung und Selbstpräsentation dieses Netzwerkes. Das Erklärvideo zur App wirkt sehr selbstgemacht, so wie es wohl auch die medienaffinen Trainer und Trainerinnen ähnlich hinkriegen würden, wenn sie ein Video bei YouSport hochladen würden. Wenn man aber bedenkt, welche professionellen Partner dahinter stecken und das auch Riesen-Bundesliga-Vereine wie der FC Bayern München dort vertreten sind, bekommt man schnell den Eindruck, dass es ganz eigentlich doch nur um Selbstvermarktung geht und vor allem um: neue Einnahmequellen.

Seit Jahren versucht ran, neben Sky und den Öffentlich-Rechtlichen auch seinen Stück vom Bundesliga-Kuchen abzubekommen. Mit YouSport nähert sich der TV-Sender dem Bundesliga-Umfeld an. Und hat auch noch einen entscheidenden Vorteil: Er nutzt die Sehgewohnheiten der Digital Natives. Die, die eben den meisten ihrer Sportler sowieso schon auf Instagram und Co. folgen. Kein Bundesliga- oder Champions-League-Verein, der nicht Insta-Stories tagtäglich einspielt. Auch musical.ly setzt immer mehr auf Sport-Clips.

Das ist witzig, charmant und nah an den Fans. Bundesliga-Clubs versuchen so, wieder nahbarer zu werden. Genau das setzt YouSport auf einer eigenen Plattform fort und sorgt für eine noch intensivere Spezialisierung. Diejenigen, die auf YouSports abhängen, interessieren sich wirklich krass für Fußball, Volleyball und Co. Hier könne frühzeitig neue Trends abgefangen werden. Und die starten eben auch oft in der Amateur-Liga.

Bereits 600 Vereine filmen regelmäßig ihre Spiele mit der sogenannten „FuPa-Cam“. Klubs, die bisher noch keine Videos produziert haben, brauchen künftig kein spezifisches Equipment mehr. Ein Handy reicht. Auch der „Kicker“ koperiert seit März 2018 mit der App, um den regionalen Amateursport mehr in die Berichterstattung mit einzubauen. Zum einen, weil wie bereits eingansg erwähnt, der AMateursport immer beliebter beid en Fans wird. Nur Tabellen und Ergebnisse abzudrucken, reicht nicht mehr.

YouSport wird das freuen – so steigert sich die Aufmerksamkeit für ihr Produkt noch mehr. Und wieder einmal werden auch die kleinen Vereine aus den unteren Ligen die Zusammenarbeit mit dem „Kicker", den wahrscheinlich alle lesen, zunächst gut finden. Allerdings beschleicht einen nach und nach das Gefühl, dass es hierbei eben nicht nur um eine Win-Win-Sitaution für alle geht, sondern vor allem YouSport von der Kommerzialisierung des Amateursports profitieren wird.

Vielleicht wird in fünf Jahren der nächste Toni Kroos durch Clips bei YouSport gefunden. So wie Justin Bieber zum Popstar der Massen per YouTube wurde. Das ist die Chance die YouSport bieten kann. Es besteht aber auch die Gefahr, dass sich der Amateursport schleichend auf diese Medialiserung einlässt. Und der Sport nicht mehr des Sportes willen stattfindet, sondern weil man mit der medialen Begleitung Geld machen kann. Was machen die Fans dann?

Quelle: Noizz.de; SID