Die 20-Jährige hat Historisches geschafft.

Pauline Schäfer ist die erste Deutsche seit 30 Jahren, die eine Weltmeisterschaft im Turnen gewonnen hat. Den letzten Titel am Schwebebalken gab es vor 36 Jahren. Pauline galt nicht als Favoritin. Sie hat alle mit ihrer Leistung überrascht. Und konnte es selbst kaum glauben, als sie tatsächlich die Goldmedaille holte.

Wie es der Athletin kurz nach der Weltmeisterschaft geht und ob sie es nicht vermisst, einfach mal jung zu sein, hat sie NOIZZ im Interview erzählt.

NOIZZ: Wieso hast du dich für's Turnen entschieden?

Pauline Schäfer: Ich habe mit dem Turnen angefangen, als ich fünf war. Meine drei Brüder haben auch geturnt, und da wollte ich das auch ausprobieren. Ich war dann beim TV Pflugscheid-Hixberg. Es hat sich schnell herausgestellt, dass ich Potenzial habe.

Eigentlich hat ja jeder großen Respekt vor dem Schwebebalken. Warum hast du dich also speziell auf dieses Gerät fokussiert?

Pauline: Der Schwebebalken hat sich eher für mich entschieden, nicht andersherum. Ich mache ja Sprung, Barren, Boden und Balken. Und der Balken hat sich eben als mein bestes Gerät herausgestellt.

Und Angst hast du keine?

Pauline: Natürlich hat man vor dem ein oder anderen Element Angst, zum Beispiel vor Rücksetzbewegungen wie Flickflack. Aber Überwindung gehört in dem Sport einfach dazu. Und da ich schon mit fünf angefangen habe, bin ich da auch reingewachsen.

Pauline macht Salti, als wäre es das Normalste auf der Welt

Wie hast du dein Training mit der Schule vereint?

Pauline: Ich bin vom Gymnasium auf die Realschule gewechselt und habe vor zwei Jahren meinen Abschluss gemacht. Der Sport war immer meine erste Priorität, man darf die Schule aber trotzdem nicht vernachlässigen. Ich bin jetzt aber an einem Abendgymnasium, um mein Abi nachzumachen. Das habe ich dann hoffentlich in ungefährt drei Jahren. Mit dem Turnen verdient man einfach nicht viel, und ich will mir alle Möglichkeiten offenhalten.

Hast du schon einen alternativen Berufswunsch?

Pauline: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.

Wie kam dein Sport in der Schule an?

Pauline: Ich war auf einer Sportoberschule, da war das Verständnis natürlich da. Meine Klassenkameraden fanden das immer cool. Aber sie fanden es natürlich blöd, dass ich nie Zeit für Unternehmungen hatte. Ich konnte nach der Schule nicht einfach nach Hause, shoppen oder ins Kino gehe. Ich gehe halt immer zum Training.

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Wie oft trainierst du?

Pauline: Ich trainiere sechsmal die Woche, jeden Tag außer mittwochs zweimal für je drei Stunden.

Würdest du sagen, du hast deine Jugend aufgegeben?

Pauline: Müsste ich mich jetzt noch mal zwischen einem normalen Teenie-Leben und dem Sport entscheiden, würde ich immer das Leben als Sportlerin wählen. Ich bereue nichts. Natürlich hätte ich gerne mehr Zeit für meine Freunde. Ich kann auch nicht feiern gehen, weil ich dafür nach dem Training keine Energie mehr habe und es meinen Schlafrhythmus stören würde. Man muss schon einige Abstriche machen. Aber ich würde trotzdem alles wieder genauso machen. Ich kann mir auch gar kein anderes Leben vorstellen.

Wann hast du gewusst, dass du professionelle Turnerin werden willst?

Pauline: Ich habe immer weiter trainiert, irgendwann auch am Olympiastützpunkt Saarbrücken. Ich bin auf Wettkämpfe gefahren, bin immer besser geworden und hatte Spaß dabei. Das hat sich also so ergeben.

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Jetzt bist du die erste Turn-Weltmeisterin seit 30 Jahren. Wie war der Moment, als du erfahren hast, dass du den Titel geholt hast?

Pauline: Ich bin erst mal gar nicht mehr klargekommen. Meine ganze Familie war am Heulen. Ich kann es selbst immer noch nicht glauben. Und dass ich die erste seit 30 Jahren bin, hatte ich so gar nicht auf dem Schirm. Das ist aber natürlich ein schönes Gefühl. Zu sagen ‚Ich bin jetzt Weltmeisterin‘, fühlt sich aber immer noch irgendwie komisch an.

Pauline kann kaum glauben, dass sie die Goldmedaille geholt hat
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Was steht jetzt für dich an?

Pauline: Es geht jetzt erst mal ganz normal für mich weiter. Die nächsten Wettkämpfe stehen bevor. Die Bundesliga, der Weltcup. Ganz groß wird 2019 natürlich die WM in Stuttgart und 2020 dann wieder Olympia.

Wie gehst du mit dem Druck um, der jetzt mit Sicherheit auf dir liegt?

Pauline: Ich habe die Messlatte jetzt natürlich ziemlich hoch gesetzt. Die Erwartungshaltung von anderen und von mir ist extrem. Der Druck ist ja aber nur so hoch, wie ich ihn mir selber mache. Ich mache einfach weiter wie bisher – das lief ja soweit ganz gut.

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Quelle: Noizz.de