In Frankreich kam es sogar zu Boykott-Aufrufen.

Viel Wirbel um eine Kopfbedeckung. Ein Kopftuch für Joggerinnen der Sportartikel-Kette Decathlon sorgt in Frankreich für Empörung. Der sogenannte Renn-Hijab wurde auf der französischen Webseite des Unternehmens zum Kauf angeboten und löste heftige Reaktionen bis hin zu Boykott-Aufrufen aus. Nun hat sich Decathlon gegen einen Verkauf in Frankreich entschieden.

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Dabei tragen immer mehr muslimische Profisportlerinnen das praktische Sportkopftuch. Und auch im Breitensport gibt es immer mehr strenggläubige Muslimas, denen das Tragen des Tuchs die Teilnahme an Partizipation ermöglicht – soweit zu den Vorteilen des Hijabs. Trotzdem sorgte der französische Sportartikelhersteller Decathlon, der auch in Deutschland Filialen betreibt, eben für jede Menge Diskussion.

So sieht der Renn-Hijab aus:

Zunächst erklärte Decathlon auf Twitter, dass die Kopfbedeckung nur in Marokko erhältlich sei. In dem nordafrikanischen Land ist ein Großteil der Bevölkerung muslimischen Glaubens. Dann hieß es, dass der Hijab bald auch in Frankreich verkauft werde, aber aus Versehen zu früh auf der Webseite veröffentlicht worden sei. Das Unternehmen verteidigte sein Produkt, denn es erlaube jedem Sport zu betreiben, der es auch wolle:

Seien Sie versichert, wir leugnen keinen unserer Werte. Wir haben immer alles getan, um den Sport überall auf der Welt zugänglicher zu machen. Dieser Hijabs war ein Bedürfnis einiger weiblicher Läuferinnen.

Wozu also die ganze Aufregung? Sogar französische Politiker sprechen sich gegen das neue Produkt aus. So schrieb Aurore Bergé von der Regierungspartei La République en Marche, der auch Präsident Macron angehört, auf Twitter:

Der Sport ist emanzipiert. Er unterwirft sich nicht. Meine Wahl als Frau und als Bürgerin wird es sein, einer Marke, die mit unseren Werten bricht, nicht mehr zu vertrauen.

Gesundheitsministerin Agnès Buzyn erklärte, dass der Verkauf zwar legal sei, aber sie die Idee dahinter nicht teile. „Ich hätte es vorgezogen, wenn eine französische Marke nicht für den Schleier geworben hätte“, sagte sie dem französischen Sender RTL.

Natürlich kann man den Hijab als Unterdrückung der Frau in der islamischen Kultur sehen. Wenn ein Renn-Hijab jedoch gläubigen Frauen, die sich für ein Kopftuch entscheiden, ermöglicht, normal im Alltag Sport zu treiben, ohne dass sie sich unwohl fühlen, sollte man das Accessoire zumindest nicht verteufeln. Denn so sperren sich die Frauen wenigstens nicht zu Hause ein, sondern nehmen Teil am gesellschaftlichen Leben. Und das ist ebenso ein Weg hin zur besseren Immigration.

Der Hijab sollte planmäßig in den kommenden Wochen in Frankreich und auf Wunsch auch weltweit erhältlich sein – aber keinesfalls das Gesicht bedecken, so Decathlon. In Frankreich ist Vollverschleierung verboten.

Nun gab Decathlon dem öffentlichen Druck aber nach und will den Renn-Hijab zunächst nicht in Frankreich verkaufen. Vor gut zwei Jahren löste das Verbot der muslimischen Badebekleidung Burkini an einigen französischen Stränden eine heftige Debatte aus. Decathlon ist nicht der einzige Sporthersteller, der Kopfbedeckungen für muslimische Athletinnen verkauft. Auch die US-amerikanische Firma Nike zum Beispiel entwickelte eine solche Kopfbedeckung.

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[Text: Zusamen mit dpa]

Quelle: dpa