Auf dumme Fragen muss man keine dummen Antworten geben.

Einer Kritik müssen sich Sportjournalisten immer wieder stellen. Gerade direkt nach den Wettkämpfen stellen viele Reporter nicht die kreativsten Fragen. Ja, die Sportler haben sich gerade verausgabt und im Hirn mag ein kleines Sauerstoffdefizit vorherrschen. Ein bisschen mehr als das Beantworten von „Woran hat’s gelegen?“ ist ihnen trotzdem zuzutrauen. Genau dieser Frage stand Basketballer LeBron James nach der 83:108-Niederlage seiner Cleveland Cavaliers in Boston am Sonntag. Nun hätte er jedes Recht gehabt, mit einer Standard-Floskel zu antworten – machte er aber nicht.

Stattdessen listete er sehr detailliert die Geschehnisse der spielentscheidenden Minuten auf. Wie aus der Pistole geschossen gab er jeden einzelnen Spielzug wieder, ohne auch nur einmal irgendwo nachzuschauen. Dieses erinnerische Vermögen mussten selbst die Journalisten mit einem kurzen Applaus und Gelächter würdigen. Auf dumme Fragen muss man also nicht immer eine dumme Antwort geben. Dafür ist LeBron James nicht das einzige Beispiel.

Ballack versteckt die Frage nicht

Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack bekam während der WM 2006 von einem ausländischen Kollegen in gebrochenem Deutsch eine Frage gestellt, die zusammengefasst etwa hieß: „Ist es ein Problem, dass sie in letzter Zeit viel mit ohne Ball trainiert haben.“ Ballack gab trotz des offensichtlichen Widerspruchs nicht auf und „reimte“ sich die Frage einfach selbst zusammen. Wirklich erfolgreich war dieses Unterfangen zwar nicht – dafür aber äußerst witzig.

Williams will nur nach Hause

Tennis-Ass Serena Williams hat schon mehr Pressekonferenzen gegeben als ihr lieb ist. Es gibt kaum eine Frage, die sie noch nicht gehört hat. Sehr schön war daher 2015 folgende Antwort von ihr: „Um ehrlich zu sein, möchte ich nicht hier sein. Ich will ins Bett und morgen wieder trainieren. Ich will eure Fragen nicht mehr beantworten, aber ihr stellt immer wieder die gleichen. Das macht es nicht so angenehm.“ Erfrischend ehrlich, aber trotzdem nicht unhöflich.

Simpsons droht Reporter

Davon hätte sich Sean Simpson mal eine Scheibe abschneiden können. Der Kanadier war im vergangenen Jahr noch Trainer der Adler Mannheim. Als diese gegen die Eisbären Berlin in den Playoffs ausschieden, warnte er den Reporter schon mal vor. „Eine blöde Frage und ich schlag dich K.O. Dann liegst du hier auf dem Boden.“ Respekt nach einer schmerzvollen Niederlage einfordern ist das eine, Gewalt androhen dann noch mal was anders. Weil Simpsons die Faust bei sich behielt, ist das Ganze aber doch eins der unterhaltsameren Interviews.

Mourinho empfiehlt Google

Wo wir schon bei Trainern sind. Jose Mourinho ist wohl einer der undankbarsten Interviewpartner. Der Portugiese spricht so gerne mit Journalisten wie andere zum Zahnarzt gehen. Wer ihm eine Frage stellt, sollte zumindest gut vorbereitet sein. Sonst droht so eine Antwort: „Geh zu Google, bevor du dumme Fragen stellst.“ Danke Jose! Wie häufig würde ich das im Alltag gerne meinen Mitmenschen sagen. Er spricht nur aus, was sich alle denken.

Müller will im Halbfinale ausscheiden

Nicht zu antworten, war für Thomas Müller nach dem Sieg gegen Italien bei der EM 2016 keine Option. Dabei hätte die Frage „Wollt ihr jetzt auch ins Finale“ nun wirklich kein Statement benötigt. Doch Müller fand einen süffisanten Weg, um dem Reporter die Schwachsinnigkeit seiner Frage klarzumachen. „Nein auf keinen Fall. Unser Ziel war immer im Halbfinale auszuscheiden. Deswegen werden wir am Donnerstag auch mit einer laschen Einstellung ins Spiel gehen.“

Was will Büchler von Mertesacker?

Müller wollte lustig sein und es gelang ihm. Per Mertesackers war nach dem WM-Achtelfinale 2014 ungewollt humorvoll. Deutschland hatte gerade Algerien niedergerungen. Schön ist anders, Sieg aber auch Sieg. Auf die Kritik am deutschen Spiel konterte der Verteidiger folglich: „Was wollen sie jetzt von mir. Glauben Sie unter den letzten 16 ist irgendwie eine Karnevalstruppe oder was? Wollen sie eine erfolgreiche WM oder sollen wir wieder schön spielen und im Halbfinale aussteigen?

Liebe Sportler, verändert euch nie. Wir wollen mehr solcher Interviews.

Quelle: Noizz.de