Die Espresso-Maschine dröhnt und unterbricht mit lautem Getöse das gerade erst begonnene Interview. Basketball-Ass Moritz Wagner lacht, sein Blick schwenkt erwartungsvoll in Richtung des heraneilenden Kellners, der den heiß ersehnten Espresso galant durch das kleine Café im Szenebezirk Prenzlauer Berg manövriert. Hier in der Gegend ist Mo aufgewachsen, zusammen mit seinem jüngeren Bruder Franz – ebenfalls Basketball-Profi (Alba Berlin). Nun ist er als Jordan-Athlet und im Auftrag der NBA zurück. Er blickt – im Gegensatz zu vielen seiner NBA-Kollegen – auf eine behütete Kindheit zurück.

Ohne Frage, der Weg zum NBA-Profi ist trotzdem ein steiniger Pfad.

„Ich habe mir das Leben genau so ausgesucht. Deswegen sehe ich da keinen Verzicht. Ich habe mir das so gewünscht.“ // Quelle: Nike

Mo Wagner ist vor allem eins: „Glücklich und dankbar." Warum glücklich? „Ich bräuchte den Basketball nicht. Mein Bruder und ich hatten immer alles, was wir brauchten. Meine Eltern haben einen unglaublichen Job gemacht. Für viele ist es eben mehr als nur ein Spiel. Für viele ist es die einzige Möglichkeit auf ein besseres Leben", weiß der Berliner.

Ich spiele nicht Basketball, um mir ein großes Auto zu kaufen.“ 

Diese Worte muss man erst mal wirken lassen – vor allem, wenn sie von einem 22-Jährigen kommen, der gerade an seiner millionenschweren NBA-Karriere baut. Vergleiche zu Deutschlands größtem NBA-Star Dirk Nowitzki sind bereits alltäglich. „Ich habe nichts dagegen, wenn ich mit Dirk verglichen werde. Ich versetze mich aber immer in seine Lage. Das ist doch nervig, wenn man so eine Legende mit einem College-Kid vergleicht. Ich schäme mich fast dafür. Ich weiß nicht, ob den Leuten wirklich bewusst ist, was Dirk erreicht hat", stellt Mo klar.

Schnell merkt man, dass er zumindest in einer Sache seinem Idol Dirk Nowitzki schon sehr nahe kommt: Bescheidenheit.

Als er sich ein neues Auto gekauft hat, war es ihm ähnlich unangenehm: „Ich spiele nicht Basketball, um mir eine coole Uhr oder ein großes Auto zu kaufen.“ Mo spielt für den Spaß.

Idol, Jordan-Athlet, Berliner Junge

Vor unserem Espresso-Interview spielte Moritz noch mit Kindern vom Gangway e.V. Basketball. Der Straßensozialarbeit-Verein Gangway ist ein Partner von Nike - zusammen riefen sie die Hoop-Life-Initiative ins Leben. Sie ermöglicht allen Kindern leichteren Zugang zur Sportart Basketball. Am Zocken mit Gleichgesinnten hat Moritz immer noch am meisten Spaß und es erinnert ihn an seine Zeit als Kind. Die ist zwar noch gar nicht so lange her, doch seitdem ist viel passiert: Bis zum Gymnasium spielte Mo auch Fußball. Irgendwann hieß es: Entscheide dich! Der Rest ist Geschichte.

Auch deswegen füllt er die Rolle als Idol für die Jugend so spielend leicht aus, denn Mo predigt einfache, aber wichtige Werte: „Ich war eines dieser Kinder. Für mich waren professionelle Sportler immer Superhelden, die irgendwie unantastbar sind. Ich zeige den Kindern einfach nur, dass man die gleichen Werte hat. Sportler sind ganz normale Typen, die genauso Probleme im Mathe-Unterricht hatten." Dennoch freut sich Mo über die steigende Popularität des Basketballsports und das gestiegene Interesse: „Die NBA macht einen sehr guten Job, dass sie auch nach Europa gehen und man den Basketball auch an die Schulen bringt.“

Der Air Jordan XXXIV ist Mo's Spielschuh. Ein Basketball Schuh in seiner reinsten Form und unverkennbar ein echter Jordan. Die Eclipse-Plate und das Zoom-Air-System sorgen für optimale Stabilität und explosive Reaktionsfähigkeit. // Quelle: Nike

Die Tatsache, dass er irgendwann als Repräsentant von NBA und Jordan an die Orte seiner Kindheit zurückkehrt, ist für ihn immer noch surreal. Viel hat sich hier seit seinem Wechsel an ein US-College nicht verändert: Immer noch steht Mo auf seinem alten Home-Court in einem Berliner Hinterhof und spielt mit anderen Kindern Basketball. Eine Sache aber ist neu: Hinter dem Basketballplatz prangert nun ein überdimensionales Graffiti von ihm an der Hauswand. Die Symbolik an diesem Tag war eindeutig: Die Strahlkraft eines NBA-Spielers ist riesig, aber der echte Mo Wagner stand eben unten auf dem Platz, warf ein paar Körbe und lachte vergnügt mit den Berliner Kids. Er ist halt trotzdem „einer von ihnen“.

Erst Zuschauer, jetzt Star!

Neben dem Spaß am Basketball hat Mo jetzt allerdings noch etwas: Fans. Und Journalisten, die alles über seinen bisherigen Erfolgsweg wissen wollen. Von Alba Berlin ging es für „Moe Swag“ an die University of Michigan, um dann sensationell von den Los Angeles Lakers gedraftet zu werden. Nach ersten Einsätzen in der NBA, an der Seite von Superstar LeBron James, ist er nun bei den Washington Wizards. Und ausgerechnet sein neuer Arbeitgeber spielt eine nicht unwichtige Rolle im Traum, den Mo Wagner seit Kindertagen an lebt. 

„Als die Washington Wizzards in der Max-Schmeling-Halle trainiert haben, hingen wir an den Fensterscheiben und haben uns das angeschaut. Das war für mich natürlich ein riesiges Ereignis. Da hat man eben gesehen, das ist eine reale Welt - und gar nicht so weit weg...“

Es ist der vorläufige Höhepunkt in der Erfolgsgeschichte des Power Forward und ein poetisches Ende seiner Jugendtage. Denn ab nun wird die Erwartungshaltung wesentlich größer und der Weg zu einer festen Größe in der NBA noch schwieriger. Es ist Zeit, Verantwortung zu übernehmen, aber dennoch nicht den Spaß am Spiel zu verlieren. Auch deswegen mag er Termine wie die vom Gangway e.V., denn es ist das angenehme Kontrastprogramm zur größten Basketball-Liga der Welt.

Aber vermutlich wird Mo auch diese Aufgabe nicht als Problem sehen. Denn am Ende kommt es immer darauf an, was man als ein echtes Problem definiert: „Wenn deine größte Sorge ist, ob du am nächsten Tag Muskelkater hast, dann bist du ein sehr glücklicher Mensch.“

Quelle: Axel Springer Brand Studio