Es wäre auf jeden Fall ein starkes Zeichen gegen Rechtspopulismus ...

Fußball ist jetzt nicht unbedingt die Sportart, die bekannt dafür ist, politische Konflikte auszutragen. Allzu oft wird den Vereinen ja eher vorgeworfen, zu unpolitisch zu sein.

[Gut, den Fall Özil einmal ausgenommen: Mehr dazu hier]

Auf den Bundesligisten Werder Bremen trifft das auf jeden Fall nicht zu – hier scheint ein politischer Streit zwischen Fans und Verein zu eskalieren: Der Klub drohe AfD-Anhängern mit dem Entzug der Dauerkarte.

Angefangen hat alles mit einem Interview, das Vereinsboss Hubertus Hess-Grunewald vor einem knappen Monat der Bremer Zeitung „Weser Kurier“ gab.

Darin stellte der 57-Jährige schlichtweg klar, „dass es ein Widerspruch ist, Werder gut zu finden und die AfD zu wählen“.

Die Grün-Weißen legen hohen Wert auf Toleranz und politische Korrektheit. Für den Vereinsboss passen Werders Werte und die Haltung der AfD deswegen einfach nicht zusammen. Zwar wolle er keinem AfD-Anhänger verbieten, ins Weserstadion zu gehen, allerdings setze sich der Verein klar für eine Gesellschaft ohne Ausgrenzung ein.

Nun geht Hess-Grunewald laut eines Berichts der Tageszeitung „DIE WELT“ noch einen Schritt weiter. In mehreren E-Mails kritisiert ein Werder-Fan, der nach eigenen Angaben seit mehr als 30 Jahren im Besitz einer Dauerkarte ist, die AfD-kritischen Aussagen des Vereins-Vorsitzenden. Hess-Grunewald drohte dem Mann mit dem Entzug der Dauerkarte.

Daraufhin kündigte der Fußball-Fan seine Vereinsmitgliedschaft. Für ihn habe das Statement über die Partei gegen die Satzung des Vereins verstoßen. Darin steht: „Der Verein ist politisch und religiös streng neutral und steht in allen seinen Belangen auf demokratischer Grundlage.“

Seine Dauerkarte wolle er aber behalten, lediglich seine Mitgliedschaft lege er ab.

Und was sagt Werder Bremen dazu?

Laut Hess-Grunewald seien AfD-Mitglieder nicht per se unerwünscht bei Werder Bremen. In der von der „WELT“ zitierten E-Mail schreibt er weiter: „Meine Aussage wird offenbar von Ihnen nicht als Aufforderung zum Dialog und zur Auseinandersetzung mit den Werten von Werder Bremen verstanden. Darüber hinaus werden wir uns mit Ihrem Wunsch, die Dauerkarte behalten zu wollen, noch intensiv beschäftigen. Es ist nicht auszuschließen, dass wir in Zukunft Dauerkarten nur noch an Vereinsmitglieder ausgeben.“

Mittlerweile hat Werder Bremen sich klar davon distanziert, AfD-Mitglieder vom Dauerkartenverkauf auszuschließen:

Die Deutsche Fußball-Liga wolle sich in die Vereins-interne Angelegenheit nicht einmischen.

Allerdings sind rechtspopulistische und rechtsradikale Tendenzen in den Bundesliga-Klubs keine neue Modererscheinung.

In der Hooligan- und Ultra-Szene sind seit Jahren rechte Parolen gang und gäbe.

Die AfD indes geht wieder voll in ihrer Opferrolle auf. Jörn König, sportpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, teilte mit: „Er soll Toleranz leben, statt sie nur zu predigen. Was Hess-Grunewald da macht, führt letztlich zum verfassungswidrigen Ausschluss von Menschen mit anderen Meinungen.“

Das lassen wir so mal stehen.

Quelle: Noizz.de