Dabei wäre sein Support so wichtig!

Bisexuelle Schauspielerinnen, schwule Politiker und Designer. In so ziemlich jeder Branche gehört das Nicht-Heterosein zum Alltag, ist fast schon Nebensache. Normal.

Es ist halt kein großes Ding mehr gay zu sein – außer im Sport.

Warum sich gerade Sport-Stars davor scheuen zu ihrer sexuellen Orientierung zu stehen? Vor allem männliche Athleten stehen für Stärke, für Härte.

Die vermeintliche Annahme, homosexuelle Männer würden eben diese Härte nicht besitzen, scheint auch heute noch in den Köpfen vieler zu stecken. Oder „unnatürlich“, gar „krank“ sein.

Ähnlich scheint auch der VfL-Wolfsburg-Spieler Josip Brekalo zu denken.

Sein Verein hatte am vergangenen Freitag verkündet, in Zukunft alle Teams bis runter zur U 10 mit einer Kapitänsbinde in Regenbogenfarben spielen zu lassen.

„Ein klares Zeichen gegen Ausgrenzung und für Vielfalt”

heißt es im Statement des VfL Wolfsburg. Aber nicht alle VfL-Spieler zeigen sich mit dieser Idee einverstanden.

Der kroatische Mittelfeldspieler Josip Brekalo hatte via Instagram auf Negativkommentare zur Regenbogenbinde mit Likes reagiert.

Am vergangenen Samstag erklärte Brekalo der Presse zwar, die Likes der homophoben Kommentare sei keine Absicht gewesen. Es läge an seinem angeblich kaputten Handy.

Laut dem Kicker öffnen sich auf dem Bildschirm des 20-Jährigen Apps und es werden ohne sein Zutun Likes verteilt. Brekalo hat die Likes mittlerweile gelöscht.

Trotzdem gab der Fußballer noch am Samstag folgende öffentliche Erklärung ab. Darin schreibt Josip Brekalo:

„Ich würde solche negativen Kommentare nie liken, weil ich alle Menschen und ihre Art zu leben respektiere. Trotzdem muss ich aber auch sagen, dass ich nicht vollständig hinter dieser Aktion stehen kann, denn es widerspricht meiner christlichen Überzeugung.“

Der Spieler nennt seinen Glauben als Grund für seine Ablehnung der bunten Kapitätsbinde.

„Ich bin sehr religiös erzogen worden. Wenn jemand eine andere Art zu leben bevorzugt, dann ist das okay für mich, weil das seine Sache ist. Aber ein spezielles Symbol für die Einstellung anderer Leute muss und möchte ich nicht tragen.“

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Es geht auch anders: Als sich Moderator Jochen Schropp kürzlich als schwul geoutet hat, ist die Reaktion der Medien zwar da.

Die Beiträge ähneln aber eher beiläufigen Geburtstags-WhatApps an einen Bekannten, denn bahnbrechender Schock-Headlines.

Im Sport ist das Thema jedoch immer noch ein großes Tabu.

Außerdem zeigen allerhand gescheiterte Versuche, was mit einer Karriere nach einem Outing passieren kann.

Den Grundstein der Outing-Panik legte Justin Fashanu in den Neunzigern. Er spielte für den Europapokalsieger Nottingham Forest. Als sein damaliger Trainer Brian Clough von seiner Homosexualität Wind bekam, schmiss er seinen Spitzensportler einfach aus dem Verein.

Er outete sich, um nicht geoutet zu werden. Seine Fußballkarriere war vorbei und er avancierte zum Klatschblatt-Liebling, packte in der Sun regelmäßig über vermeintliche Eskapaden mit Mitspielern, Pop-Stars und Politikern aus. 1998 nahm sich er sich das Leben. Kurz zuvor wurde er beschuldigt, sich an einem Minderjährigen vergangen zu haben. Dies stellte sich später als Falschmeldung heraus.

Im Jahr 2011 stand Kicker David Testo zu seiner Sexualität. Einen Monat zuvor hatte ihn sein Verein Montreal Impact entlassen. Nach seinem Geständnis wollte ihn kein Verein verpflichten. Er schulte zum Yogalehrer um.

Auch der deutsche „Hammer“ Thomas Hitzlsperger rückte erst nach seiner Profikarriere im Jahr 2014 mit der Sprache heraus. Wohl wissend, dass ihm ansonsten vielleicht das Karriere-Aus geblüht hätte.

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Die Beispiele zeigen: Das Thema Homosexualität muss gerade im Sport weiter vorangetrieben werden. Genau deshalb ist der Schritt des VfL Wolfsburgs, die Kapitänsbinde in Regenbogenfarben einzuführen, ein wichtiger. Mag er noch so klein wirken.

Quelle: Noizz.de