Alba-Cheerleader wegen ihrem sexistischen Image abzuschaffen, ist absoluter Dreck.

Seit 25 Jahren treten in den Pausen bei Basketball-Spielen von Alba Berlin Frauen auf, die eine Tanzeinlage auf den Hallenboden legen: die Alba Dancer. Die sollen nun abgeschafft werden, da die "attraktiven Pausenfüller" laut Geschäftsführer Marco Baldi nicht mehr zeitgemäß seien.

Eigentlich ein guter Ansatz von Alba, die Geschlechterrollen beim Basketball ans Heute anzupassen. Doch anstatt an den veralteten Geschlechterrollen etwas zu ändern, schafft er die Alba Dancer einfach direkt komplett ab.

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Um zu verstehen, warum diese Entscheidung so falsch ist, bedarf es zu allererst einer kurzen Begriffsdefinition des Cheerleadings, was es heutzutage WIRKLICH ist.

Was die Alba Dancer betreiben, nennt sich Cheerdance und ist eine Kategorie des Cheerleadings – ein Leistungssport, dessen Ursprung in den USA des 19. Jahrhunderts liegt. Damals machten Männer den Sport, um ihre Teamkollegen anzufeuern.

Heute ist Cheerleading ein Sport, der größtenteils von Frauen ausgeübt wird und – Achtung, jetzt wird’s wichtig – sich zu einem überwiegenden Teil auf Meisterschaften abspielt, nicht am Spielfeldrand. Dort messen sich Teams untereinander und werden von einer Jury für die Schwierigkeit und Sauberkeit ihrer Choreographie bewertet. Die größte Unterteilung im Cheerleading ist zwischen Cheerleading (dort werden Stunts vollführt und Pyramiden gebaut) und Cheerdance (hier wird vorwiegend getanzt). Der Sport ist anstrengend, gefährlich, konditionell unheimlich herausfordernd und kompetitiv.

Cheerleader, die Teams von schwitzenden, herumspielenden Männern anfeuern, gibt es natürlich auch. Der Fokus des Cheerleadings liegt aber mittlerweile darin, in Wettkämpfen gegeneinander anzutreten.

Nun, da wir das geklärt haben, können wir einsteigen in die Gedanken eines Menschen, der seit 15 Jahren Cheerleader ist und Vorurteile SO verdammt satt hat und deswegen nicht versteht, wie man die Alba Dancer hat abschaffen können: Ich meine damit mich.

Als Cheerleader begegnest du andauernd Vorurteilen, bevor du überhaupt den Mund aufmachst.

Fragen wie "Für welches Team machst du das denn?" (Antwort: für keins), "Trägst du da dann auch so ein sexy Kostüm?" (Antwort: nein) und "Ist das das mit den Puscheln?" (Antwort: LOL) habe ich schon so oft mit Aufklärungsversuchen gekontert, dass selbst mein starkes Nervenkostüm dünn geworden ist.

Ein Beispiel: Ich befand mich mit meinem Team in einem Flieger nach Paris zu einer europäischen Meisterschaft im Disneyland. Wir alle hatten unseren einheitlichen Trainingsanzug an, und ein Flugbegleiter fragte uns, was für einen Sport wir treiben würden. Als wir ihm erklärten, dass wir Cheerleading machten, guckte er uns nur fragend an. Bevor wir ihm kurz erklären konnten, was das für ein Leistungssport sei, ertönte eine eifrige Stimme aus einer Reihe vor uns: "Das ist das mit diesen Wedeln!" und fuchtelte dabei albern in der Luft herum. Unser Stolz – zerschmettert. Danke dafür, Frau von Sitz Nummer 23C.

Diese Art von Stereotypen sind es, mit denen Alba-Geschäftsführer Baldi begründet, warum er die Cheerdancer ausgeschlosen hat.

Alba möchte, laut eigener Aussage, die Cheerdancer abschaffen, weil ihr Auftreten nicht mehr zeitgemäß sei ­– dabei ist einfach das Image der Dancer nicht mehr zeitgemäß. Cheerleading und Cheerdance sind heutzutage Leistungssportarten. Doch das sehen viele nicht.

Was viele, von Vorurteilen geleitete Menschen wohl beim Cheerleading erwarten, sind leicht bekleidete Frauen, die eine kleine Tanzeinlage einlegen, um ein Team anzufeuern. Wenn Cheerleader im großen öffentlichen Raum auftreten, dann wird ihr Bild bestimmt von den Erwartungen, die Menschen vom Cheerleading haben. So kann ein Stereotyp auf vereinzelten Bühnen, die einer großen Öffentlichkeit (wie bei Sportveranstaltungen) ausgesetzt sind, weiter bestärkt werden.

Deswegen wurden Cheerdancer über die Jahre bei öffentlichen Events zunehmend sexualisiert.

Kostüme wurden knapper, die Choreos aufreizender. Noch im Jahr 2013 trugen die Alba Dancer zum Beispiel Kleider, die den Bauch bedeckten und wenig Ausschnitt zeigten. Heute tragen sie knappe Hosen und ein bauchfreies Top mit tiefem V-Ausschnitt. 

Cheerdancer, die bei Meisterschaften mitmachen, tragen kaum so knappe Kostüme. Sie befinden sich unter Menschen, die ihre Sportart verstehen und nicht auf Sexualität reduzieren.  

Beide Cheerdancer sind Sportler, die hart arbeiten für ihre Leidenschaft. Und genau deswegen ist es so traurig, dass die Lösung ihrer zunehmenden Sexualisierung ist, die Alba Dancer einfach gänzlich abzuschaffen. Viel sinnvoller wäre es doch, sie weniger zu sexualisieren und ihren Sport in den Vordergrund zu rücken – nicht ihre Körper oder ihr Aussehen oder ihre Kostüme.

Auch auf Twitter sind Stimmen gegen die Entscheidung von Alba zu hören. Man findet dort zum Beispiel, dass den Alba Dancern "unfreiwillig" ein bestimmtes Bild aufgezwungen worden ist:

Man argumentiert dort, dass Cheerleading natürlich noch zeitgemäß sei ...

… und nur das Image falsch kommuniziert würde.

Anstatt das Image der Alba Dancer zu modernisieren, wird den Sportlern jetzt aber einfach eine Plattform genommen, auf der sie zeigen könnten, was Cheerleading wirklich ist. Alba hätte mit seinen Alba Dancern die Chance gehabt, selbst Menschen, die sich nicht mit Cheerleading beschäftigen, verständlich zu machen, was Cheerleading WIRKLICH ist. Dass es dabei nicht um Hupfdohlen geht, sondern um Sportler. Indem die Alba Dancer abgeschafft werden, wird das Problem der Sexualisierung nicht gelöst – ihr wird nur aus dem Weg gegangen.

Laut eigener Aussage will Alba die Frauenförderung in Zukunft stärken. Von diesem Ziel entfernt sich der Verein mit seiner aktuellen Entscheidung allerdings enorm. Er hat nämlich eine ganze Sportart aus seinem Sortiment gestrichen, nur weil er mit ihrem Image nicht mehr klargekommen ist.

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Quelle: Noizz.de