Schluss mit Biertrinkenden alten, weißen Männern bei der Darts-WM in London.

Darts, das ist eigentlich der Sport den man mit Saufen, Kneipenatmosphäre und vor allem mit Männern verbindet . Bei der Darts-WM 2020, die noch bis zum Neujahr im altehrwürdigen "Ally Pally", dem Alexander Palace in London, stattfindet, war diesmal einiges anders. Alle redeten über Fallon Sherrock. Die 25-Jährige verpasste am Freitagabend den Einzug in das Achtelfinale. Dennoch schreibt die alleinerziehende Friseurin Geschichte: Sie war die erste Frau, die gute Chance auf den Weltmeisterschaftstitel hatte. Bei einem Turnier, das seit 1994 ausgetragen wird. Und bei dem eigentlich auch schon immer hätten Frauen teilnehmen können. War aber nicht so. Sherrock ist die erste Darts-Spielerin, die zeigt, dass das Spiel mit den Pfeilen und der Scheibe nicht nur was für Kerle mit Bierbauchansatz ist.

Die Zeitungen in ihrer britischen Heimat sind immer noch voll von ihr. Alle wollen mehr wissen, über die Frau, die überraschend zuerst den Engländer den Engländer Ted Evetts aus dem Turnier geworfen hat und dann auch noch über den Weltranglistenelften, Mensur Suljovic aus Österreich, siegte. In Großbritannien ist Darts ein Volkssport. Die Fans stehen nicht nur auf Sherrocks Seite, weil sie eine Frau und ein Underdog ist – sondern weil sie souverän und mit einer Selbstverständlichkeit auftritt, wie man sie sonst nur von den gestandenen Champions erlebt.

So kommt es dann aber auch dazu, dass ihre Kontrahenten noch mit Vorsicht begutachten und das Gender-Thema dann doch irgendwie zu einer Sache machen. So sagte der niederländische Seriensieger Michael van Gerwen im Vorfeld des Turniers: "Mit ihrem Durchschnitt und ihrer Trefferquote auf die Doppelfelder verändert sie das Frauen-Darts, aber sie hat noch nichts gewonnen."

Die Frau, über die alle sprechen, sieht es eher gelassen. Für sie ist es schon ein Meilenstein, überhaupt beim Ally Pally dabei zu sein. Dem Sportmagazin Kicker sagte sie aber auch: "Es gibt keinen Grund, warum ich es nicht kann." In ihrer Jugend war sie eigentlich nicht so angetan von dem Kneipensport. Aber bereits im Alter von 17 Jahren, 2011, gewann sie den WDF Girls World Cup.

Sherrocks Auftreten bei der Darts-WM in London ist nicht nur die Verwirklichung ihres eigenen Traums, sondern sie hat auch eine Mission. Sie nutzt die Veranstaltung, um darauf aufmerksam zu machen, dass sich der Darts-Sport, so wie viele andere Lebensbereiche, in der Masse schon lange gewandelt hat. Und es eben nicht mehr nur der alte, weiße Männer-Sport zum Biertrinken ist. Das Publikum in London dankt es ihr.

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Quelle: Noizz.de