Zu welcher Gruppe gehörst du?

Und auf einmal war der Sommer da. Die Winterpfunde verschwinden aber nicht von alleine, also rennen wir jetzt alle panisch in die Fitnessstudios. Wer sich genauer umsieht wird schnell merken, dass jeder Muskeltempel aber von den gleichen Leuten bewohnt wird. Wen ihr dort unter Garantie antreffen werdet, lest ihr hier.

1. Der Mannschaftssportler

Einmal pro Woche sieht man ihn oder sie an den Geräten vorbeischleichen. In ganz seltenen Fällen auch zweimal. Aber nur, wenn am Wochenende aus unerklärlichen Gründen spielfrei ist.

Die Kleidung verrät den Mannschaftssportler sofort: An den Füßen Hallenfußballschuhe, Handball- oder Basketballtreter, dazu ein altes Trikot, auf dem der Name eines Kaffs prangt, von dem die meisten Menschen noch nie etwas gehört haben.

Aber in diesem Dorf ist unser Mannschaftssportler ein Held. Denn unsportlich ist er keineswegs: Neben dem Mannschaftstraining am Dienstag und Donnerstag genehmigt sich unsere Sportskanone auch noch eine dritte Session im Fitnessstudio, denn die Schulter oder das Knie wollen nicht mehr so richtig und dann muss man eben mehr machen.

Richtige Ausführung der Übungen ist dabei vollkommen egal: Kurz fünf Minuten aufs Rad, danach ein paar Alibiübungen zur „Stabilisierung“ des lädierten Körperteils, anschließend Beinpresse und ein paar Hanteln drücken, das war nämlich noch nie verkehrt, fertig.

Dass der Trainingseifer aber doch nicht in eine sportlichere Figur umschlägt, hat einen einfachen Grund: Unser Hartplatzheld mag vielleicht jede Woche seine Tore machen, ist aber nach Abpfiff mindestens genauso stark am Glas. So wird unter der Woche fleißig geschuftet, und der Bierbauch wächst trotzdem mit jeder Saison um einige Zentimeter.

2. Der Oldschool-Bodybuilder

No Pain, no Gain: Dieses Exemplar darf noch völlig unironisch „Muckibude“ sagen, denn er ist seit den Achtzigern voll dabei. Seine Vorbilder heißen Schwarzenegger, Stallone oder Hulk Hogan - und genauso kleidet er sich auch noch 2018.

Vokuhila in wasserstoffblond, Spaghetti-Tanktop in neongelb, Muscleshirt mit abgerissenen Ärmeln oder aufgeschnittener Schulterpartien sind Pflicht. Denn seinen Stiernacken kann keine Kleidung mehr bändigen. Darunter die dunkelbraune Sonnenbankhaut, die maximal mit einigen sehr auffälligen Tribals verziert ist.

Früher konnte er mehr drücken, jeder weiß das hier. Ob es daran lag, dass das „Eiweißpulver“ damals irgendwie mehr geknallt hat? Werden wir nie erfahren.

Einen flotten Spruch hat er trotzdem immer auf den Lippen, jeder Trainer mit maximal halb so viel auf den Rippen begrüßt ihn per Handschlag. Denn als Stammkunde will kein Studio einen Oldschooler verlieren: Jedes Fitnesscenter brauch einen Etablierten, der jede Hantel schon tausendfach in die Luft gewuchtet hat, aber die etwas zu dünnen Beinchen trotzdem noch hinter der alten, grauen Schlabberhose versteckt.

3. Der Disco-Pumper

Beintraining ist für Loser und Kondition sieht man nicht im Schwimmbad: Während der ein oder andere Oldschool-Bodybuilder noch von „Kraftsport“ sprach, geht es dem Discopumper bei seinem Workout nur um die Optik.

Deswegen darf die Baseballcap auch im Studio auf dem Kopf bleiben, und wozu braucht man schon Turnschuhe, wenn man ohnehin nur die Arme trainiert? Für ihn sind nur zwei Zahlen entscheidend: Wie viel Kilo er auf der Bank drückt und wie viel PS seine Karre hat. Bei beidem gilt: Je mehr, desto besser.

Stallone und Schwarzenegger interessieren den Discomann nicht mehr, seine Idole sind Rapper wie Kollegah oder Farid Bang. Denn die liefern nicht nur den passenden Pumpersoundtrack, sondern gleich dazu noch eine ganze Lebensphilosophie: „Du sagst, es kommt nicht aufs Gewicht, sondern auf die Ausführung an/Ich mach lieber viel Gewicht, doch dafür die Übung falsch“, bollert aus seinen Beats-Kopfhörern beim Kreuzheben. Der Pumper findet das lustig, doch wenn er genauer nachdenkt, findet er auch, dass Farid damit ja recht hat.

Sein Name hat übrigens zweierlei Ursprung: Ihn trifft man hauptsächlich Abends im „Gym“, dann hängt er mit seinen „Bros“ ab, redet die Hälfte der Zeit nur blödes Zeug und drückt dazwischen ein paar Hanteln weg. Es geht ihm eben wie in der Disco darum, gesehen zu werden. Am Wochenende ist nach dem Workout noch längst nicht Schluss: Sind die Arme erst einmal aufgepumpt, geht es dann mit quietschenden Reifen in den richtigen Club, besser sieht er nämlich zu keinem Zeitpunkt der Woche aus.

4. Das Möchtegern-Instagram-Model

Häufiger beim weiblichen Geschlecht vertreten, ist das Möchtergern-Model sofort an der Kleidung zu erkennen: Sport-BH und Leggins reichen vollkommen aus, dazu quietschbunte Turnschuhe, die immer noch so glänzen, als wären sie nagelneu. Das liegt meistens daran, dass sich das Wannabe-Model trotz der sehr sportlichen Kleidung gar nicht einmal so häufig blicken lässt.

Sowieso ist sich die Schönheit mit dieser Sportsache gar nicht so sicher: Schwitzen ist definitiv keine Option, dafür hat man sich vorher doch nicht so lange geschminkt. Gesund kann das sowieso nicht sein. Da rebelliert doch der Körper gegen die Bewegung!

Deshalb sind die Workoutmöglichkeiten begrenzt: Muskeln an den Armen sind ja auch nicht schön. Schnelleres Gehen auf dem Laufband ist da die sichere Wahl, allerhöchstens der Stepper ist noch akzeptabel. Vor allem, weil man dann auch noch ohne Probleme auf das Smartphone starren kann. Stellt sich das erste Wärmegefühl ein, wird das Training zügig beendet. Ein Selfie vor dem riesigen Spiegel mit Zahnpastalächeln, #feelgood, #power, fertig.

5. Das Instagram-Model

Beweisen muss es das richtige Model niemandem mehr. Die stahlharten Bauchmuskeln und definierten Arme, die die meisten vor Neid erblassen lassen, müssen sie oder er gar nicht offensiv präsentieren.

Deswegen trägt das wahre Model Langarmshirts, darin schwitzt man auch gleich viel schneller. Die Klamotten werden nur ausgezogen, wenn es wirklich darauf ankommt: Nämlich wenn der Profifotograf die neuen Aufnahmen für Instagram schießt.

Ansonsten ist das echte Model eher in höherpreisigen Studios anzutreffen. Und dort mitunter auch zu recht ungewöhnlichen Zeiten: Gerne wird sehr früh vor der Arbeit schon ein Workout eingelegt, wenn andere noch in ihren Betten liegen.

Hat unser Model sein Hobby zum Beruf gemacht, geht es danach weiter mit Videotutorials, Feinjustierungen am Trainingsplan und Ernährungstipps. Bei allem ist natürlich die Kamera nicht weit.

Trainer meiden diesen Typus, denn sie wissen: Beibringen können sie denen ohnehin nichts mehr. Sie fürchten dagegen fast, dass das Model sie nicht nur mit ihrem Körper, sondern auch mit ihrem Fachwissen vor den anderen Gästen lächerlich macht.

6. Der Normalo

Die Turnschuhe ausgelatscht und noch aus der Schulzeit, dazu die eine kurze Sporthose und ein altes verwaschenes Shirt: Schon von weitem ist dem Normalo anzusehen, dass er oder sie eigentlich nicht hier sein möchte.

Aber aus irgendeinem Grund verirrt er sich hin und wieder hierher. Zum Beispiel zu Jahresbeginn, wenn der Sommer anrückt oder nach einer Trennung. Große Ambitionen hat er immer wieder, wenn er die Hallen betritt: „Ab jetzt wird alles anders! Ist doch gar nicht so schwer, ich greif hier an und dann geht das ruckzuck!“

Als dann aber die ersten Gewichte gestemmt und die Runde auf dem Laufband beendet ist, kommt auch gleich die Ernüchterung. Spaß kann das hier doch keinem wirklich machen, am Ende tut man sich nur weh. Deswegen bleibt er nach der ersten Session auch wieder wochenlang dem Studio fern, während der vom Trainer zusammengestellte Trainingsplan bald im Müll landet. Das einzige, das wirklich schmaler wird, ist sein Geldbeutel. Denn den Abovertrag hat er schon wieder vergessen zu kündigen.

Quelle: Noizz.de