Eine kurze Vorausschau der nächsten Stunden, Tage und Jahrzehnte bis zu unserem Tod.

Gibt es ein Leben nach dem ersten Vorrunden-Aus der deutschen Fußballnationalmannschaft? Die traurige Wahrheit lautet: ja. Auch wenn wir im Augenblick der 0:2-Niederlage gegen Südkorea das Gefühl hatten, dass jetzt alles für immer stehen bleibt, irgendjemand da oben "Freeze" gesagt hat und wir den Rest unserer Tage unser weißes Nationaltrikot gegen unser schwarzes von 2010 eintauschen werden.

Emotional befindet sich Fußballdeutschland im Niemandsland zwischen Trauer und Enttäuschung.

Aber kaum haben wir das Bier weggeräumt, die letzten schlechten galgenhumoristischen "Flaschen leer"-Witze gemacht, merken wir, dass die Erde sich weiterdreht, und wir uns mit ihr.

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Später, wenn die Sonne untergegangen sein wird über dem Land des Noch-Fußballweltmeisters, werden wir schlafen gehen. Morgen früh werden wir aufstehen, zur Arbeit oder sonstwohin gehen, dort noch ein wenig herumschweigen, denn noch werden uns die Worte fehlen, Fußballhasser werden uns mit Spott überziehen. Wir werden in den Zeitungen Analysen lesen, im Fernseher Interviews anschauen, dann noch die letzten Gruppenspiele, dann wird schon wieder Freitag sein. Wochenende.

Ab Samstagnachmittag mit Kumpels die ersten Achtelfinals schauen.

Währenddessen zum ersten Mal laut über die Schmach von Kasan diskutieren. Das wiederholen, was wir in den Zeitungen gelesen und im Fernseher gesehen haben. Das sagen, was wir selbst denken. Laut aussprechen, was wir am Mittwochnachmittag noch nicht über unsere Lippen brachten: Es war gut so. Es war besser, als gegen Brasilien 1:7 unterzugehen.

Am 15. Juli werden wir uns ein letztes Mal während dieser WM mit den Kumpels treffen - die Kumpelinen werden diesmal dabei sein. Wir werden grillen - auch vegetarisch und vegan -, wir werden Biere trinken - manche Weißweinschorle oder Wasser -, wir werden zwei Mannschaften gegeneinander spielen sehen, von denen keine Deutschland sein wird. Das wird für uns mittlerweile okay sein.

"Wir hätten es sowieso nicht ins Finale geschafft", wird einer neben uns sagen. Und ein anderer: "Ins Finale vielleicht schon, aber Weltmeister wären wir nicht noch mal geworden." - "Reichst du mir bitte mal den Ketchup?" - "Will jemand noch 'ne halbe Wurst?"

Danach wird alles auf Neuanfang stehen - nicht in unserem Leben, sondern in dem der Nationalmannschaft. Vielleicht auch in dem von Jogi Löw. In zwei Jahren dann die Europameisterschaft, dann die nächste Weltmeisterschaft. EM, WM, EM, WM - und irgendwann werden wir dann unsere letzte EM oder WM sehen.

Und dann? Auch danach wird die Welt sich weiterdrehen. Nur wird es uns nicht mehr möglich sein, deutsche Fußballdebakel zu betrauern. Und das ist das eigentlich Traurige, heute und an jedem anderen Tag.

Quelle: Noizz.de