Der Fall Dembélé zeigt: Verträge sind nichts wert.

Borussia Dortmund ist heute das, was Ajax Amsterdam schon vor vielen Jahren war. Eine Edel-Schmiede für aufstrebende Talente. Dabei setzt der BVB zunehmend auf Talente aus dem eigenen Nachwuchs und aus Frankreich.

BVB-Fans sind mittlerweile daran gewöhnt, dass die Star-Spieler nicht gehalten werden können, wenn das große Geld winkt. Es vergeht keine Saison, in der nicht mindestens ein Stützpfeiler wegbricht. Robert Lewandowski, Mario Götze und Mats Hummels lassen grüßen. Der Slogan „Echte Liebe" ist halt nur ein Slogan.

Besonders bitter ist es, wenn Fußballer ihre Verträge nicht einhalten. Damit meine ich nicht, wenn ein Spieler den Verein wechselt und eine Ablöse gezahlt wird.

Schlimm ist es, wenn die Spieler den Vereinswechsel mit inakzeptablem Verhalten erzwingen wollen. Ich zünde ja auch keinen O2-Shop an, weil ich vorzeitig meinen Handyvertrag kündigen will. Und wenn ich nicht mehr zahle, werde ich verklagt, so einfach ist das.

Im Fußball ist das anders. Ousmane Dembélé will zum FC Barcelona. Und Barca will ihn. Seit dem Verkauf von Stürmer-Star Neymar quillt die Kasse der Katalanen über.

In Dortmund ist das kein Geheimnis, die geforderte Ablösesumme: 150 Millionen Euro. Für ein vielversprechendes Talent, das häufiger über als ins Tor schießt. Für Barcelona ist das zu viel, der Transfer könnte an Dortmunds Forderung scheitern.

Dembélé sabbert schon, wenn er nur das Wort „Geld" denkt

Dembélé hat Panik bekommen, er will unbedingt diesen Transfer, egal zu welchem Preis. Zum Training für das bevorstehende Pokalspiel ist er deshalb nicht erschienen. Keiner weiß, wo er war, zu erreichen war er auch nicht. Beim BVB ist man angefressen. Sowohl die Verantwortlichen, als auch die Fans sind bedient. Und das zu Recht! Ein junger Spieler wird vertragsbrüchig, weil noch ein paar Millionen mehr im Jahr bei Barca drin sind. Der Kerl ist gerade bei seinen Eltern ausgezogen und verdient beim BVB schon mehr in einem Jahr, als ich in den nächsten 30-40 Jahren zusammen.

Ich finde es okay, dass er wechseln will. Aber sein Vertrag läuft noch weitere vier Jahre, den hat er gefälligst zu erfüllen. Eine große Karriere ist ihm sicher, aber ein zu früher Absprung hat viele Talente auch schon um ihre Karriere gebracht. Nächstes Jahr ist die WM in Russland. Beim BVB bekäme er wahrscheinlich mehr Einsatzzeit und könnte sich für die Nationalmannschaft unverzichtbar machen. Danach würden ihm Vereine noch mehr Geld bieten.

Dieser Streik beschädigt sein Image. Doch im Fußball zählt Loyalität eben weniger als Bares – und das nicht erst seit gestern:

Henrikh Mkhitaryan 2013

Der Mittelfeldspieler wollte von Donetzk nach Dortmund wechseln. Dafür schwänzte er das Training.

Mkhitaryan, wurde während seiner Zeit in Dortmund unverzichtbar

Hakan Calhanoglu 2013

Um zu Bayer 04 Leverkusen zu wechseln, ließ er sich beim Hamburger SV krankschreiben. Bei Leverkusen war er wieder topfit.

Calhanolgu im Dress von Bayer

Luca Modric 2012

Für seinen Wechsel von Tottenham Hotspur zu Real Madrid trat der Kroate in den Streik, nahm nicht an der USA-Reise seiner Mannschaft teil.

Luca Modric gewann mit Real etliche Pokale

Demba Ba 2011

Auch hier wurde die Streikmethode gewählt, für den Wechsel von 1899 Hoffenheim zu Westham United.

Dema Ba gehörte zu Hoffenheims Aufstiegs-Elf

Khalid Boulahrouz 2006

Er träumte von der Insel. Beim Hamburger SV simulierte er eine Verletzung, um zum FC Chelsea zu gehen.

Hat seine Karriere inzwischen beendet, Khalid Boularouz

Heiko Herrlich 1995

Nachdem sein Pochen auf mündliche Zusagen nicht half, kam er nicht zum Training. Anschließend wechselte er von Gladbach nach Dortmund.

Manche Spieler hatten Herrlich auch zum Fressen gern

Es ist erstaunlich, dass die Vereine sich solch ein Verhalten gefallen lassen. Dass die Spieler immer wieder für den Wechsel streiken, könnte auch an der hohen Erfolgsquote liegen.

Für so ein Verhalten würde man in jedem anderen Job gefeuert werden. Im Fußball geht das nicht, wenn die Spieler einen bestimmten Marktwert überschritten haben. Und das nutzen sie schamlos aus. Dembélé erinnert an ein rotznäsiges Kleinkind, das so lange heult, bis es endlich sein Eis bekommt.

Dortmund hat Dembélé jetzt suspendiert, aber was soll das bringen? Er will ja auch gar nicht mehr für den BVB kicken. Viel besser wäre es, ihm sein Gehalt einzufrieren, Geld scheint ja das Einzige zu sein, womit man Fußballer erreichen kann. Er muss jetzt mit einer Geldstrafe im unteren sechsstelligen Bereich rechnen. Wirklich wehtun dürfte ihm das nicht.

Die Gehälter steigen im Fußball so astronomisch an, wie die Ablösesummen. Kein Wunder, dass das den Charakter verdirbt. „Echte Liebe" ist, wenn ein Spieler mehrmals in der Woche für das nächste Spiel trainiert, an den Wochenenden vor 2.000 Zuschauern kickt und unter der Woche als Englischlehrer arbeitet.

Dembélé entfernt diesen Slogan per Klick von seinem Instagram-Profil.

Quelle: Noizz.de