Die wahren Basketball-Helden spielen (noch) nicht in der NBA.

Am Ostermontag fand in den USA das Finale der College-Meisterschaft statt. Drei Wochen lang hatten sich die 64 besten Unis des Landes im K.o.-System duelliert. Wer verliert, fliegt. Favoriten wurden gestürzt, Cinderella-Stories geschrieben.

Die "March Madness" hat sich ihren Namen auch in diesem Jahr verdient. Am Ende krönten sich Baller der Villanova University vor 67.831 Zuschauern zum neuen Champion – sehr zum Leidwesen des unterlegenen Teams aus Michigan und dessen deutschen Star Moritz Wagner.

[Mehr dazu: Moritz aus dem Prenzlauer Berg macht ganz Amerika verrückt]

ESPN hatte der 20-jährige gebürtige Berliner vor dem Finale gesagt, dass er sich beim Anschauen des Endspiels von 2013 in den College-Basketball verliebt hatte. Nun auf größtmöglichen Bühne zu stehen, war ein Traum, der für ihn in Erfüllung ging, dem man gerne zuschaut. Doch die Spiele der National Collegiate Athletic Association machen noch so viel mehr Dinge attraktiv.

Fanclubs, die Choreos vorbereiten und Gesänge anstimmen, gibt es im amerikanischen Profisport im Gegensatz zu Europa kaum. Kein Wunder, Besucher von NBA-Spielen zahlen ein Vermögen für die Karten. Für Bier und Burger werden auch gerne 20 Dollar fällig. Da genießt der Durchschnittsfan den Sport lieber wie im Theater. Das Benutzen der Klatschpappe ist häufig das höchste der Gefühle.

College-Spiele sind dazu kein Vergleich. Gefüllte Football-Stadien wie beim Final Four sind zwar die Ausnahme, doch auch die regulären Hallen können sich sehen lassen. Wenn der Carrier Dome von Syracuse fasst 30.000 Plätze. Kommilitonen der Spieler sowie Alumnis sind emotional mit ihrer Universität verbunden und verwandeln die Arenen regelmäßig in ein Tollhaus.

Obwohl sich der Dachverband NCAA mit den Fernsehverträgen dumm und dämlich verdient, sehen die Spieler offiziell keinen einzigen Cent. Die Basketballer erhalten dafür Stipendien für die in den USA absurd teuren Studiengänge.

In den letzten Jahren wird das System immer mehr kritisiert, weil die richtig guten Spieler nicht ihren Abschluss machen, sondern nach einem Jahr Profis werden. Solange die Amateur-Regel aber noch gilt, steht der Sport aber im Vordergrund. Die jungen Talente müssen ihr Bestes geben, um sich für einen lukrativen Vertrag zu empfehlen.

Da selbst die besten High-School-Absolventen nicht direkt in die National Basketball Association wechseln dürfen, durchläuft fast jeder der zukünftigen NBA-Stars zumindest für ein Jahr die College-Ebene. James Harden, Russell Westbrook oder Stephen Curry. Sie alle legten den Grundstein für ihre glorreichen Karrieren im Uni-Basketball.

Aufgrund der geringen Erfahrung der Spieler ist die Fehlerquote zwar noch recht hoch. Wer jedoch wissen will, wer die Basketball-Welt in Zukunft dominieren wird, ist hier genau an der richtigen Stelle.

Die Spieler dürfen kein Geld verdienen, reich werden kann man mit College-Basketball aber trotzdem – dank Warren Buffett. Der drittreichste Mensch der Welt hat versprochen demjenigen Mitarbeiter seiner Firma Berkshire Hathaway lebenslänglich eine Million Dollar pro Jahr zu überweisen, der für alle Spiele des Finalturniers den richtigen Sieger voraussagt.

Bei 63 Spielen ist das aber leichter gesagt als getan und noch niemanden gelungen.

Auch bei den 17,3 Millionen Usern, die beim ESPN-Tippspiel mitmachten blieb niemand perfekt. Kein Wunder schied doch dieses Jahr zum ersten Mal in der Geschichte ein an Nummer eins gesetztes Team gleich in der ersten Runde aus. Underdog-Siege sind jedoch keine Ausnahmen.

Die Mannschaft der Loyola University aus Chicago ging in den letzten Wochen viermal in Folge als klarer Außenseiter ins Rennen und schockte die Favoriten immer wieder. Erst im Halbfinale war für die kleine Uni Schluss. Der K.o.-Modus garantiert Überraschungen, denn auch für die beste Mannschaft kann das Turnier an einem schlechten Tag ganz schnell vorbei sein.

Quelle: Noizz.de