3 Gründe, warum Kroaten jetzt nicht traurig sein sollten

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Mit Tränen in den Augen: Die Kroaten nach dem Abpfiff Foto: Natacha Pisarenko / dpa picture alliance

Auch wenn es schwer fällt …

Es war ein trauriger Tag für alle kroatischen Fußballfans: Das Finale gegen die Franzosen ging mit 2:4 aus, nach vielversprechendem Beginn und ein paar unglücklichen Schiedsrichterentscheidungen. Dennoch: Es war der größte Erfolg in der Geschichte des kroatischen Fußballs. Und es gibt auch andere Gründe, heute eher stolz als traurig auf die Mannschaft zu sein:

1. Wir haben die knappen Kisten gewonnen

Jeder kroatische Fußballfan hat in den letzten Jahren gewisse Traumata davongetragen: Das Viertelfinale bei der Europameisterschaft 2008 dürfte das schlimmste sein, als Ivan Klasnić in der 119. Minute gegen die Türkei die Führung schoss und Semih Şentürk doch noch in der 122. ausgleichen konnte.

Ich war damals noch ein naives Kind und ging nach dem 1:0 ins Bett. Mein Vater musste mich zum Elfmeterschießen noch mal rausholen. Die Türken gewannen. Zwei kroatische Spieler, die damals verschossen: Luka Modrić und Ivan Rakitić. Beide verwandelten ihre Elfmeter sowohl gegen Dänemark als auch gegen Russland.

Das zweite war bei der EM 2016. Diesmal im Achtelfinale, der Gegner hieß Portugal. Nach einer tollen Gruppenphase inklusive Sieg über Spanien brachten die Kroaten es fertig, in der 117. Minute von einem portugiesischen Konter überrollt zu werden, der alle Hoffnungen zunichte machte. 0:1 nach Verlängerung. Als Portugal schließlich in Paris den Pokal in die Höhe stemmte, dachte man sich: Das hätten auch wir sein können. Denn die nächsten Gegner Portugals, Polen und Wales, wären keineswegs unmöglich zu schlagen gewesen.

Ein drittes Trauma hätte es auch diesmal geben können: Im Achtelfinale gegen Dänemark verschoss Luka Modrić in den letzten Augenblicken der Verlängerung einen Elfmeter. Gegen die Russen kassierte Kroatien nach einem unnötigen Freistoß doch noch in der 114. Minute den Ausgleich.

In solchen Momenten werden die schlimmsten Erinnerungen wach, sicher nicht nur bei den Fans, sondern auch bei den Spielern.

Doch beide Male rappelte sich die Mannschaft auf und bescherte den Fans das, was sie sich immer so gewünscht hatten. Den ganz großen Auftritt. Ein internationales Endspiel! Die Reise hätte auch wesentlich früher zu Ende sein können, doch sie ging bis zum Schluss.

2. Wir waren gute Verlierer

Es war ein denkbar unglückliches Finale: Die ersten beiden Tore der Franzosen vielen nach zwei fragwürdigen Entscheidungen des argentinischen Schiedsrichters Nestor Pitana. Dennoch lenkten die Spieler sowie Trainer Zlatko Dalić die Aufmerksamkeit nicht zu sehr darauf, sondern gratulierten den Franzosen höflich und ließen die Köpfe nicht hängen.

Während ein paar Meter weiter die Franzosen langsam das Podest bestiegen, nahmen die Kroaten noch ein Erinnerungsfoto vor ihren Fans auf, auf den Fahnen standen die Namen ihrer Heimatorte. Viele Tränen waren da schon getrocknet. Es ist nicht leicht, aus einem verlorenen Finale ein versöhnliches Ende zu machen, aber das kroatische Team hat sein Bestes getan, genau wie seine Fans.

3. Wir haben eine neue Vorbild-Generation

Dass Kroatien nur 4 Millionen Einwohner hat? Geschenkt. Schließlich braucht man auf dem Platz nur elf. Da gibt es andere Umstände, die einen Erfolg der kroatischen Nationalelf deutlich widriger machen: Ein korruptionsgeplagter Verband, eine international schwache Liga und keine Nachwuchsförderung, die sich mit Fußball-Großmächten wie Frankreich und Deutschland vergleichen ließe. Und dennoch hat man es ins WM-Finale geschafft.

Dass es jetzt eine neue Generation gibt, die die teils in Ungnade gefallenen Helden von '98 als erfolgreichste Mannschaft ablöst, ist Anlass zur Hoffnung: Das Nationalteam ist mit seinem Land versöhnt. Es hat sich aufgeopfert und viel erreicht. Tausende kroatischer Kinder und Jugendlicher haben neue Vorbilder, denen sie es eines Tages gleichtun können.

Einige kroatische Medien gehen sogar so weit, gar eine Lektion für das ganze Land aus dem Turnier ziehen zu wollen. Das Portal 24sata.hr schreibt in einem Kommentar: „Wenn es die [Nationalmannschaft] geschafft hat, dann können wir es vielleicht auch schaffen. Vielleicht ist [Kroatien] sogar ein Land, in dem es sich zu bleiben und für das es sich zu kämpfen lohnt.“

Tatsächlich ist Kroatiens Bevölkerung seit dem 3. Platz im Jahr 1998 um 300.000 geschrumpft. Der Fußball löst solche Probleme selbstverständlich nicht, dafür ist er aber auch nicht da. Doch einen Motivationsschub, wenn auch kurzfristig, kann ein so tolles Turnier natürlich geben.

Quelle: Noizz.de