Damit hat die Netflix-Serie mal wieder für große Verwirrung gesorgt.

Das Konzept von "Black Mirror" ist darauf ausgelegt, dass wir als Gesellschaft über uns und unser Verhalten nachdenken. Das hat jetzt auch wieder die erste Folge der fünften Staffel "Striking Vikers" geschafft. Dieses Mal ging es in die Tiefen von Männlichkeit, Freundschaft, Monogamie, und Sexualität. Achtung, Spoiler!

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Am Anfang lernen wir die zwei Freunde Danny (Anthony Mackie) und Karl (Yahya Abdul-Mateen II) kennen, wie sie das Kampf-Video-Spiel "Striking Vipers" spielen. Dann vergehen elf Jahre und wir sehen die beiden erst auf Dannys 38. Geburtstag wieder. Die beiden haben sich in der Zwischenzeit aus den Augen verloren. Danny ist verheiratet und hat einen Sohn, er und seine Frau versuchen, ein weiteres Kind zu bekommen. Karl hat nur ein paar unbedeutende Beziehungen hinter sich.

Er schenkt Danny eine neue Version von "Striking Vipers". Nur wird diese mittlerweile nicht mehr klassisch mit Controllern bedient, stattdessen legen sie sich einen Chip an die Schläfe und gelangen in eine virtuelle Realität. Dort können sie normal miteinander kommunizieren und spüren sogar Emotionen und Schmerz – sie nehmen die Rollen von Roxette (Pom Klementieff), einer Frau, und Lance (Ludi Lin) an.

Während des Kampfs entsteht plötzlich eine sexuelle Spannung zwischen den beiden, die keiner abstreiten kann und schlussendlich in einer Online-Affäre endet.

Nachdem es zwischen Danny und Karl zu einer Prügelei im echten Leben kommt, erfährt Dannys Ehefrau von der virtuellen Realität, in die sich ihr Mann und sein Freund flüchten. Doch statt sich zu trennen, einigen sich alle Beteiligten darauf, dass er und Karl einmal im Jahr virtuellen Sex haben dürfen und seine Frau in der Zeit ebenfalls mit jemand anderem schläft.

Karl und Danny in ihren Spielrollen als Roxette und Lance. Foto: Promo Netflix

Die offensichtlichste und schwierigste Frage der Episode ist wohl, ob die beiden bi- oder homosexuell sind, weil sie in der virtuellen Realität miteinander Sex haben. Im echten Leben gibt es keine sexuellen Spannungen zwischen ihnen (sie testen es aus), außerdem ist Karl im echten Leben männlich, im Spiel aber weiblich.

Eine Frage, auf die es in der Episode kein klares "ja" und kein klares "nein" gibt. "Was für eine unglaubliche Sicht auf die unterschätzte Komplexität und den fließenden Übergang von Geschlecht und Sexualität", schreibt Model Munroe Bergdorf auf Twitter zu der Episode.

Sie fasst damit quasi die gesamte Thematik zusammen: Sexualität und Geschlechter sind nicht immer klar definierbar, nicht schwarz und weiß – manchmal gibt es einen verschwommen Übergang, der sich nicht einordnen lässt.

"Ich denke, es ist immer wichtig, zu überprüfen, wie man selbst Beziehungen, Sexualität und dessen Ausdruck versteht und wie wir andere nachempfinden können", kommentiert Schauspieler Abdul-Marten II die Situation seiner Rolle in einem "Hollywood Reporter" Interview.

Aber es wird auch die Frage der Treue und Monogamie in einer Beziehung aufgeworfen. Geht Danny mit virtuellem Sex seiner Frau fremd? Immerhin haben die beiden nie im echten Leben Sex, sondern nur online – wobei sich die Gefühle und Empfindungen real anfühlen. Wieder eine Frage, auf die es kein klares "ja" und kein klares "nein" gibt.

"Das Wichtigste ist die Kommunikation und das Verständnis für einander. Egal, wie wir Beziehungen, Grenzen und Regeln definieren, wir müssen verstehen, was diese sind und beinhalten und was uns diese Vereinbarungen geben, damit jeder davon profitiert", erklärt Abdul-Marten II seine Sicht auf die Situation.

Nachdem Dannys Ehefrau in der Serie davon erfährt, einigen sie sich darauf, dass Danny einmal im Jahr mit Karl virtuell fremdgehen darf, während sie sich ebenfalls jemanden sucht. Die Ehe funktioniert weiterhin, weil beide miteinander kommuniziert haben, Regeln aufgestellt haben und sich an diese halten – eine Vertrauensbasis, die funktioniert.

Die Serie wirft komplizierte Themen auf, aber bietet mit dem Ende eine klare Antwort: Keine zwischenmenschlichen Beziehungen funktionieren ohne Kommunikation und Verständnis füreinander – dafür braucht man keine klaren Definitionen von Sexualität, Geschlecht und Beziehung.

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Quelle: Noizz.de