In der Netflix-Serie "V Wars" spielt der Ex-"Vampire Diaries"-Star nicht nur die Hauptrolle, sondern hat auch Regie geführt – wir haben mit ihm darüber gesprochen.

Warum auch immer, aber irgendwie fasziniert die Menschen der Vampir-Mythos seit Jahrhunderten. Romane wie "Dracula", "Interview mit einem Vampir" und "Nosferatu" oder in den Neunzigern die Kultserie "Buffy – im Bann der Dämonen" machten daraus ein popkulturelles Phänomen.

Seinen Höhepunkt erlebte das Genre zuletzt, als die "Twilight"-Bücher und -Filme von Autorin Stephanie Meyer Anfang der Nullerjahre einen echten Hype auslösten. Jedes Mädchen wollte einen Edward. Hinzu kamen Serien wie "True Blood" oder "Vampire Diaries". In letzterer spielte der US-Amerikaner Ian Somerhalder eine der Hauptrollen . 2017 ging die Serie zu Ende, seitdem wurde es ruhig um den "Lost"-Star. Nun meldet er sich zurück mit der Netflix-Serie "V Wars".

Und es geht wieder einmal um Vampire.

Die Horror-Serie basiert auf der gleichnamigen Comic-Reihe von Jonathan Marberry, die fünf Teile zählt. Die Story liest sich wie dystopisch-apokalyptischer Albtraum, den auch "Dracula"-Autor Bram Stoker wohl nicht besser hingekriegt hätte. Der ambitionierte Wissenschaftler Dr. Luther Swann (Ian Somerhalder) muss miterleben, wie sein bester Freund Michael Fayne (Adrian Holmes) von einer mysteriösen Krankheit befallen und in ein mordendes Monster verwandelt wird, das sich von Menschenblut ernährt – ein Vampir also.

Als sich die Krankheit ausbreitet und weitere Menschen verwandelt werden, zerfällt die Gesellschaft in zwei verfeindete Lager, bei denen die normalen Menschen den Vampiren gegenüberstehen. Swann gerät in einen Wettlauf mit der Zeit, um die Ursachen herauszufinden, während Fayne dabei ist, zum mächtigen Anführer der Vampire aufzusteigen.

Hier gibt's schon mal den Trailer zu "V wars"

Wirkt schon ein bisschen krasser – statt "Vampire Diaries" geht es eher Richtung "True Blood". Das alles hat aber einen ziemlich ernsten Hintergrund, wenn man Ian Somerhalder fragt, der bei der Serie eben nicht nur die Rolle von Dr. Swann übernimmt, sondern auch Regie geführt hat. "Ich könnte niemals an einem Projekt mitwirken, bei dem ich mich nicht auch kreativ frei entfalten kann", begründet er gegenüber NOIZZ seine Doppelfunktion.

"Ich liebe beides gleichermaßen. Aber während meiner Zeit bei "Vampire Diaries" habe ich soviel über das Vampir-Genre gelernt, dass sich diese Erfahrungen gut mit einbringen konnten", erzählt der Schauspieler am anderen Ende der Telefonleitung. Tatsächlich könnte man fast glauben, dass Somerhalder unter die Vampirologen gegangen ist, so begeistert erzählt er über das Genre.

Acht Jahre lang hat er in der Fernsehserie "Vampire Diaries" den Vampir Damon Salvatore an der Seite von Schauspielerin Nina Dobrev und Kollegen Paul Wesley verkörpert. Eine Rolle, die ihn geprägt hat: "Wirklich, ich finde, dass Damon einer der besten TV-Charaktere ist, die jemals geschrieben wurde. Er ist auf der einen Seite schon ein Arschloch, manchmal abfällig, aber auch sexy, charmant und vor allem ehrlich. Ich habe ihn wirklich gerne gespielt, weil er so vielseitig war."

Seine Rolle in "V Wars" ist das erste Projekt nach dieser Paraderolle durch die ihn viele kennen. Am meisten fasziniere ihn, wie viele unterschiedliche Geschichten und Themen man in eine Vampir-Story verpacken könne. "So viele Allegorien stecken dadrin. Es ist so ausdrucksstark. Auch jetzt bei "V Wars": Rassismus, Gewalt, Angst vor Krankheiten, Politik und auch der Klimawandel – all das kann man in aller Tiefe darstellen und zeigt auch die Serie. Das ist wirklich einzigartig", erklärt Somerhalder begeistert.

Vampire und Klimawandel?!

Es folgt ein kurzer Spoiler von Seiten des Hauptdarstellers: "Die Allergorie ist klar: Die Krankheit kommt zu den Menschen, weil die Eiskappen schmelzen. Sie haben den Schaden selbst verursacht, weil sie nicht auf das Klima geachtet haben. Nur deswegen gibt es die Vampire." Damit haben wir einen wunden Punkt beim Schauspieler getroffen.

Seit Jahren engagiert er sich für die Rettung unseres Klimas und verschiedene Umweltprojekte etwa zur Erhaltung der Meere und unterstützt außerdem die Organisation "Love Letters to the South", die Betroffenen des Hurrikans Katharina von 2005, finanzielle Hilfe zukommen lässt. Als er 2010 die Folgen der Ölpest im Golf von Mexiko sah, appellierte er an seine amerikanischen Schauspielkollegen, ihre Bekanntheit für eine Spendenaktion zu nutzen. "Das ist mir wirklich wichtig – das ist nichts, was wir uns ausdenken. Es passiert wirklich, vor unserer Haustür."

Mit der Serie wolle er Aufmerksamkeit schaffen, auch für andere Themen, die sein Heimatland USA bewegen. Der alltägliche Rassismus etwa, genauso wie die Angst vor Flüchtlingen aus Mexiko. "Aber die Serie funktioniert überall auf der Welt. Es sind universelle Themen, die wir zwar sehen, aber nur selten drüber sprechen, das sollten wir ändern", findet er. Eine Actionserie könne manchmal die Augen mehr öffnen, als andere Dinge.

Okay, ganz so weit hergeholt sind diese Zusammenhänge ja auch nicht.

Schließlich haben sozio-ökonomische Problem zumindest in der Vampir-Literatur eine lange Tradition, in der es nicht nur um sexuelle Lustbefriedigung und psychologische Konfliktlösungen à la Freud geht. Schon im Klassiker "Dracula", immerhin aus dem Jahr 1897, geht es um Kolonialismus und rassistische Ängste. Auch die Serie "True Blood" spielte mit diesen Elementen.

So sehr wie Somerhalder das Thema bewegt, muss er doch "Fridays For Future" kennen. "Ganz ehrlich? Davon hab' ich zwar schon mal gehört, aber ich war so fokussiert auf dieses Projekt, dass ich mich nicht ganz so intensiv damit beschäftigen konnte", gibt er gegenüber NOIZZ zu. Nach einem kurzen Update, wer Greta Thunberg ist und was die junge Bewegung will, ist er ziemlich pro. "Genau das ist es, was wir angehen müssen. Wir müssen was tun und die Politik muss handeln", sagt er.

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Und auch der Ursprung des Vampir-Mythos findet sich in "V Wars" wieder, wird aber in ein modernes Gewand gepackt. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts kam es in Serbien, das damals zum österreichischen Kaiserreich gehörte, zu einer mit damaligen medizinischen Kenntnissen unerklärbaren Epidemie, die zu zahlreichen Todesfällen führte. Man machte dafür die Vampire verantwortlich.

"Das finde ich auch so spannend an meiner Rolle als Dr. Swann", holt Somerhalder aus. "Er ist ein Wissenschaftler. Er ist ja kein Vampir-Jäger wie Buffy, er möchte den Menschen und vor allem seinen besten Freund wirklich helfen und ein Gegenmittel finden." Für ihn sei Dr. Swann ein Superheld, den man viel öfter in Serien zeigen sollte: "Er ist Wissenschaftler, ein Freund, Familienvater und ein liebender Ehemann zugleich. Er hat keine Vorurteile, und das macht ihn zu einem außergewöhnlichen Helden. Es ist viel positiver, als man es sonst oft sieht." Dabei macht er eine starke Wandlung durch und müsse über sich hinaus wachsen.

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Auf eines freue er sich jetzt schon ganz besonders: "Ich kann es kaum erwarten, wie die Zuschauer gespannt auf ihrem Sofa sitzen, die Serie schauen und dann wirklich darüber diskutieren. Das treibt mich an, und das war eine einmalige Erfahrung, als ich die Serie gemacht habe."

Staffel eins von "V Wars" startet am 5. Dezember 2019 auf Netflix.

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Quelle: Noizz.de