"Um die Welt mit Zac Efron" auf Netflix ist ein großartiges Format, das zeigt, wie viel Nachhaltigkeit wirklich geht – selbst in einer kapitalistischen Gesellschaft. Leider fliegen Zac und sein Lifestyle-Guru Darin Olien dafür um die ganze Welt. Nachhaltig ist das nicht – aber Zac ist nicht alleine, viele sind noch schlimmer. Macht es doch einfach wie Greta Thunberg – nimmt euch ein Segelboot und fahrt Zug!

Irgendwie ist Zac Efron für mich noch immer Troy Bolton aus "High School Musical" – auch wenn seitdem fast 15 Jahre vergangen sind und er mittlerweile 32 Jahre alt ist. Und natürlich jede Menge andere Projekte auf dem Schirm hat. Zum Beispiel seine Netflix-Dokureihe mit dem Titel "Um die Welt mit Zac Efron". In der Reiseshow jettet Schauspieler Zac Efron gemeinsam mit dem Wellnessexperten Darin Olien um die Welt, um gesunde und nachhaltige Lebensweisen aufzuspüren.

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Na, bist du auch stutzig geworden bei der Beschreibung? Ja, man fragt sich schon, wie sich Nachhaltigkeit und ein wortwörtliches "um die Welt jetten" vereinbaren lassen. Zu Gute halten muss man Zac und Olien, dass sie zwischendurch bei ihrer Reiseroute schon darauf bedacht sind, so nachhaltig, wie es geht, zu reisen: Zwischen London und Paris etwa nehmen sie den Euro-Express. Innerhalb Südamerikas reisen sie mit einem Bus. Den Großteil ihrer faszinierenden Reise, die zeigt, wie nachhaltig unsere Erde und unser Alltag ganz von alleine sein können, legen sie aber mit dem klimaschädlichsten Verkehrsmittel von allen zurück: dem Flugzeug.

Hier kannst du den Trailer von "Um die Welt mit Zac Efron sehen":

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Klar ist der Zeitplan einer solchen Produktion und auch der von allen beteiligten Protagonisten sehr eng getaktet. Wenn ich mir aber vornehme, eine Dokureihe zu machen, die Klimawandel und Ausbeutung von Ressourcen den Kampf ansagt, so ist es fast scheinheilig dafür um den halben Planeten zu fliegen. Selbst wenn jede Flugstrecke über eine CO2-Abgabe kompensiert wurde, ändert es nicht an der Tatsache, dass es passiert ist. Aber, wie ich bereits erwähnte:

Ich will "Um die Welt mit Zac Efron" gar nicht schlecht machen, denn es ist großartig

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Die acht Folgen der Dokureihe eröffnen neue Perspektiven und zeigen wie fortschrittlich einige Länder beziehungsweise einzelne Initiativen sieht. Es geht ins Vorzeigeland nachhaltiger Energiegewinnung, nach Island, Zac zeigt, wie Paris Trinkwasser zum Allgemeingut gemacht hat, zeigt eine Superfood-Gemüsevielfalt Costa Ricas. In Sardinien geht es darum, wie gesunde Ernährung und ein langes Leben zusammenhängen und in Peru widmet sich Zac der Biopiraterie, die ein echtes Problem unserer Wohlstandsgesellschaft werden könnte.

In Puerto Rico wiederum bekommen wir Einblicke, wie nachhaltig Menschen überhaupt in Krisensituation wie zum Beispiel nach einer Naturkatastrophe leben können. In London zeigt Zac, dass man auch in einer Großstadt nicht auf Natur verzichten muss und beendet seinen Trip im wahrsten Sinne des Wortes in Iquitos.

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Ich habe viel gelernt und Einblicke in Themenbereiche bekommen, die ich vorher nicht kannte, und finde es herrlich, wie sich Zac Efron immer wieder selbst eingesteht, dass "Amerika in allem ein bisschen hinterher ist". Mir ist zum Beispiel vorher nie wirklich aufgefallen, wie viele Trinkwasserbrunnen es in Paris gibt und dass ich mir eigentlich niemals eine Wasserflasche kaufen müsste, wenn ich dort bin. Aber muss man dafür um die ganze Welt reisen, um das vorzuführen? Wäre es nicht auch cool gewesen, ein bisschen mehr Regionalität zu betonen?

Heiligt der Zweck die Mittel?

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Wenn Promis ihre Aufmerksamkeit dafür nutzen, Missstände aufzudecken und Lösungswege zu zeigen, ist das an sich eine gute Sache. Denn so mobilisieren sie viel mehr Leute als sonst irgendwer – oder wenn ich in die Fußgängerzone gehe und Unterschriften sammele. Mit seiner Netflixshow wird Zac Efron wahrscheinlich viel mehr US-Amerikaner dazu bewegen, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit zu beschäftigen als eine abstrakte Weltklimakonferenz, die der aktuelle US-Präsident Trump eh schlecht reden wird.

Problematisch wird es allerdings, wenn Promis für den guten Zweck nicht ganz konsequent sind – weil sie dann in gewisser Weise ihre Ideale selber verraten. Dabei ist Zacs Weltreise zu Dokumentationszwecken ja noch harmlos. Leonardo DiCaprio etwa, setzt sich bekanntermaßen schon lange für die Rettung unserer Erde ein und ist auch großer Greta-Thunberg-Fan. Er spendet Millionen Dollar an diverse Stiftungen und Projekte, die den Klimawandel stoppen wollen. Das ist toll!

Es gibt aber einen Haken

Leo fliegt ziemlich viel und manchmal sind die Situationen, in denen er den Privatjet benutzt, einfach nur absurd. WikiLeaks hat vor einigen Jahren diverse Sony-Mails gehackt und veröffentlicht. Aus denen geht zum Beispiel auch hervor, dass er 2014 innerhalb von sechs Wochen mindestens ein Mal in der Woche mit dem Privatjet unterwegs war – zu beruflichen Terminen. Mit an Bord: seine damalige Freundin Toni Garrn, seine Mutter und sein Kumpel Lukas Haas.

2016 flog er von den Filmfestspielen in Cannes aus nach New York. Dort sollte er beim "Riverkeeper Fishermen’s Ball" einen Preis für sein Umweltschutz-Engagement entgegennehmen. Gleich danach ging es zurück nach Frankreich, wo er bei der "amFar"-Gala gegen Aids zu Gast war.

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Angelina Jolie im Mai 2019 in einem UNCHR-Flüchtlingslager zwischen der kolumbianischen und venezuelanischen Grenze.

Geile Veranstaltungen, geiles Engagement, aber leider ziemlich ungeiles Reisemittel. Wer nachhaltig handeln will, kann eben nicht alles haben und sollte vielleicht lieber eine Videobotschaft senden. Ähnlich absurd kam eine Zeit lang auch Angelina Jolies Wohltätigkeitsengagement rüber. Seitdem sie Anfang der Nullerjahre den ersten Lara-Croft-Film im verminten Kambodscha abgedreht hatte, arbeitet sie eng mit dem UN-Flüchtlingswerk zusammen und wurde sogar Sondergesandte des UN-Flüchtlingshochkommissariats.

Sie prangerte Armut und Hunger an, reiste um die Welt baute SOS-Kinderdörfer auf. Ich möchte Angelina Jolies Taten nicht schmälern, es hat trotz allem einen faden Beigeschmack, wenn man ausgehungerte afrikanische Kinder im Arm hält und selber dabei feinste Designer-Klamotten im Casual-Style trägt.

Wahrscheinlich wird es Stars nie gelingen, die Aufmerksamkeit für die richtigen Dinge zu nutzen und dabei gleichzeitig alles richtig zu machen und in keine Wohlstandsfalle zu tappen. Darüber nachdenken, wie man seine Suche nach Nachhaltigkeit und eine bessere Welt aber gestalten kann, kann sich jeder machen – und fragt das nächste Mal für die Netflix-Folge in Paris oder London eben dort befreundete Schauspieler vor Ort an. Nur so als Beispiel.

Quelle: Noizz.de