Liebe Entertainment-Industrie, wir müssen reden.

Es gibt sie eigentlich für alles, aber hauptsächlich für Serien und Filme: Trailer – eine Sache, die ich so gut es geht, versuche zu vermeiden. Sie laufen im Fernsehen, sind im Internet, in Artikeln, auf meinen Social-Media-Kanälen, im Kino, quasi überall. So richtig drumrum kommt man um Trailer nicht.

Und eigentlich sollten die kleinen Zusammenschnitte des großen Ganzen was schönes sein, kurz und knapp anteasern, worum es geht, Spannung aufbauen.

Tun sie das? Nein. Stattdessen versauen sie Filme und Serien. Alles was Trailer aktuell tun, ist, zu weit auszuholen und alles zu spoilern. Und das in einer Zeit, in der jede Person im Internet an den Pranger gestellt wird, sobald ein kleinstes Detail verraten wird – und sei es aus Versehen.

(An dieser Stelle ein kurzer Hinweis, dass der Text ab hier Spoiler für "Endgame", "Secret Obsession" und "Tote Mädchen lügen nicht" enthält.)

Erstes Desaster-Beispiel: Der finale "Endgame"-Trailer

>> "Avengers: Endgame" ist jetzt der erfolgreichste Film überhaupt

"Endgame" war wohl einer der am meist gehypten und erwarteten Filme EVER. Immerhin sollte man im Idealfall 21 Filme vorher gesehen haben, um wirklich alles zu verstehen, und der letzte Prequel endete damit, dass 50 Prozent der Menschheit einfach ausgelöscht wurde.

Ant-Man und Iron-Man, zwei Avengers, die soweit überlebt haben, steckten vor "Endgame" aber in ganz anderen Situationen: Ant-Man hängt in einer Quantum Realm fest, also einer komplett anderen Dimension, und die einzigen Leute, die ihn retten können, wurden ausgelöscht. Iron-Man hingegen sitzt in einem Raumschiff fest, dass durchs All schwebt. Auch seine Rettung steht noch offen und gestaltet sich irgendwie schwierig, wenn man bedenkt, dass es sich um den fucking Weltraum handelt, wo er ohne große Ressourcen rumtreibt.

Wie und vor allem ob die beiden gerettet werden können, wissen nur die Filmemacher ... und dank dem Trailer die gesamte Menschheit, bevor sie den Film gesehen hat.

Denn als wäre vorher nichts gewesen, rennen die beiden plötzlich durch den Trailer. Und das obwohl im selben (!!!) Trailer noch Sekunden davor angedeutet wird, dass Iron-Man auf dem Raumschiff sehr wahrscheinlich sterben könnte, weil es im All bekannterweise nicht so viel Sauerstoff gibt.

Auch das Ant-Man in der Quantum Realm festhängt, wurde durch eine gesamte Post-Credit-Szene von "Ant-Man and the Wasp" aufgezogen, damit man sich die ganze Zeit fragt, wie und ob zur Hölle er rauskommt. Warum baut man erst das eine ein, um Spannung aufzubauen, nur um im SELBEN Video die Spannung gleich wieder zu nehmen? Aus allem macht Marvel ein Staatsgeheimnis, aber so was ist dann egal, oder wie?

Zweites Desaster-Beispiel: Der "Secret Obsession"-Trailer von Netflix

Der Netflix-Original-Film ist erst seit dem 18. Juli auf Netflix und sah durch verschiedene Teaser relativ spannend aus. Um meine Freunde zu überzeugen, dass wir uns den Film anschauen, haben wir uns den Trailer vorher angeschaut.

Es geht um Jennifer, die nach einem Autounfall ihr Gedächtnis verliert, und direkt wird klar, dass mit ihrem Ehemann etwas nicht stimmt. Aber der Trailer stoppt dort nicht: Stattdessen wird der gesamte Film (Leute, kein Witz) in zwei Minuten runtergebrochen. Kein Plottwist, kein Geheimnis, keine wichtige Szene ist NICHT im Trailer. Nach dem Trailer ist direkt klar, was in dem Film abgeht.

Wir haben uns den Film dennoch danach angeschaut, weil wir es selber nicht glauben konnten, dass der Trailer den gesamten Inhalt zeigt. Da muss doch mehr hinter stecken, dachten wir. Aber Pustekuchen, der Trailer hat exakt die gesamte Handlung wiedergegeben. (Davon mal abgesehen ist der Film maximal scheiße – gern geschehen!)

Sogar die YouTube-Kommentare sehen das ähnlich: "Wie dämlich muss man eigentlich sein, einen Trailer so zu schneiden, dass es komplett unnötig ist, den Film noch zu sehen?", fragt Michael Beyer unter dem Video, während ich ihm applaudierend zustimme.

Drittes Deasaster-Beispiel: Der "Tote Mädchen lügen nicht"-Trailer für die dritte Staffel

>> Yungblud im NOIZZ-Interview – über Homophobie im Rap und die "Tote Mädchen lügen nicht"-Debatte

Bevor der erste Trailer zur neuen Staffel gedroppt ist, haben sich einige Fans der Serie gefragt, worum es denn gehen soll, immerhin sei Hannah Bakers Story doch langsam aus erzählt. Ja, das dachte sich Netflix wohl auch. Der Trailer zeigt verschiedene Szenen, bis sich die meisten Hauptcharaktere vor einem Sarg befinden. "Wow, spannend! Wer könnte wohl gestor... oh!", war exakt meine Reaktion, während ich mir den Trailer angesehen habe.

Denn, statt die Fans rätseln zu lassen und die Spannung auf ein Maximum zu pushen, indem Netflix einfach nicht verrät, um welche Beerdigung es sich gerade handelt, wird es direkt eine Sekunde später aufgedeckt: Bryce Walker, der wohl meist gehasste Mensch der Serie, ist tot.

Es ist ja nicht mal mehr so, dass es nur einen Trailer gibt, der die Spannung killt. Nein, mittlerweile gibt es immer gefühlt drei Trailer pro Film und pro Serie. Ich habe in der letzten Zeit echt gelernt, dass mir Kino und Netflix mehr Spaß machen, wenn ich gerade so viel über den Film oder die Serie weiß, dass mein Interesse entfacht ist.

Sowohl "Endgame" als auch "Secret Obsession" wurden mit den Trailern bis zu gewissen Punkten die Spannung genommen – ob das gleiche bei "Tote Mädchen lügen nicht" der Fall ist, stellt sich erst Ende August heraus, wenn die neue Staffel rauskommt.

Also, liebe Serien- und Filmindustrie, wie wäre es, wenn wir diesem Trend der superlangen und ausführlichen Trailer ein Ende bereiten? Es ist doch so viel schöner, wenn man als Zuschauer noch Überraschungsmomente und Wow-Effekte hat, während die Grauen Zellen rätseln können, was als nächstes passieren könnte.

Kürzt 3-minütige Trailer einfach wieder auf maximal eine Minute, und vor allem lasst doch einfach Trailer Nummero zwei und drei bleiben. Wer den Film gucken will, wird ihn gucken – und ohne komplettes Vorwissen wahrscheinlich sogar mehr genießen.

Wie stehst du zu Trailern? Schreib' uns deine Meinung als Kommentar in unserer Facebook-Gruppe "Süchtig nach Serien" und werde Mitglied unserer Community!

Quelle: Noizz.de