Als ob wir es nicht mehr abwarten könnten, das Ende einer Story zu erfahren.

So ein richtig guter Trailer ist eine Kunst für sich: Er soll teasen, soll animieren, den Film anzusehen, geheimnisvoll sein, aber auch genug erzählen, damit sich der Zuschauende identifizieren oder zumindest ein bisschen reindenken kann. Ist gar nicht so einfach, sowas zusammen zu schneiden.

Deshalb gibt es auch einen Haufen richtig schlechter Trailer. Ihr wisst schon: Die Sorte, bei der man das Gefühl hat, statt eines knusprig-buttrigen Popcornklumpens doch wieder die seit Tagen vergessene, quietschend-weiche Mikrowellen-Alternative erwischt zu haben. Aber gut, damit muss man leben. Kann ja nicht jeder Oscar-würdig über die Teppiche dieser Welt laufen.

Das ist Absicht, alter!

Eine Entschuldigung für schlechte Trailer ist also scheinbar einfach: wenig Talent. Allerdings beobachten wir seit einigen Monaten noch eine ganz andere Unart an der Trailer-Front: Trailer, die alles verraten. Und zwar mit voller Absicht. Damit meinen wir nicht, dass krasse Plottwists verraten werden, wie wir bereits in der Vergangenheit thematisierten.

Nein, es sind Trailer, die kompromisslos die gesamte Story erzählen. Von Anfang bis zum Ende. Anfang, Höhepunkt, Turn, Ende. Und dann sitzt man da vor seinem Rechner und denkt sich: toll. Wieder mal ein Kinoticket gespart. Blöd nur, wenn man vielleicht eigentlich gerne ins Kino gegangen wäre und sich darauf freut, wenn die 180 Minuten, die vor einem liegen, auch ein bisschen Ungewissheit mit sich bringen. Das Schlimme: Diese Sorte Trailer ist nicht auf mangelnde Fähigkeiten zurückzuführen – sondern offenbar so gewollt.

Hier unsere derzeitigen Lieblingsbeispiele:

Ja, hier werden alle Schauplätze, alle Beteiligten, alle Konflikte, alle Witze und alle Actionszenen in knackigen 3 Minuten gezeigt:

Schon bevor die Geschenke ausgepackt sind: Wir wissen nach dem Trailer, was der Grundkonflikt ist, was die Lösung ist und ob alle Beteiligten am Ende wieder zueinander finden.

Alle Phasen des Films in nicht mal zweieinhalb Minuten gibt es hier:

Können wir nicht mehr abwarten?

Klar: Eine leichtfüßige RomCom ist vermutlich eine Geschichte von Boy meets Girl – leider sind diese Filme ja doch meistens recht heteronormativ unterwegs. Es gibt irgendeine Komplikation, man wird unsicher. Kriegen sie sich, kriegen sie sich nicht? Und am Ende gibt es natürlich das Happy-end – vornehmlich im Regen oder so.

Die Action-Komödie wiederum besteht ziemlich sicher aus brachial-humorigen Punchlines und einem Showdown, bei dem zumindest kurz alles zu Ungunsten der Helden in die Luft fliegt. Entgegen aller Naturgesetze, schafft er es dann aber natürlich dennoch.

Es sind ja auch die vorhersehbaren Muster, die einem Spaß beim Schauen machen. Aber: In den besagten Trailern, wird alles revealed, was den Film abseits dieser Muster spannend machen könnte. Scheinbar ist man damit auch erfolgreich. Zumindest hat es den Besuchszahlen von "Fast and Furious: Hobbs und Shaw" keinen Abbruch getan. Woran liegt das? Wollen wir einfach genau wissen, was uns erwartet bevor wir acht Euro für ein Kinoticket zahlen? Wollen wir einfach nicht mehr die Katze im Sack kaufen?

Binge it, Baby!

Netflix hat unsere Sehgewohnheiten verändert. Statt Filmen konzentrieren wir uns auf Serien. Statt Kino schauen wir zu Hause. Statt jede Woche auf eine neue Folge hinzufiebern, können wir eine gesamte Staffel in einem durchschauen. Oder sogar langweilige Szenen einfach vorspulen. Warten, auf die Folter spannen und überrascht werden passiert, wenn wann und wie wir das wollen.

Haben wir dadurch verlernt, mit Ungewissheit zu leben?

Sind wir es gewohnt, einfach immer alles zur Verfügung zu haben, wie es uns passt? Scheinbar schon: Wir schauen uns einen Trailer an, erfahren die gesamte Geschichte – inklusive aller Schlüsselmomente und -elemente und entscheiden dann erst, ob wir uns auf den Weg ins Kino machen.

Denkt man das Ganze weiter könnte man fast sagen: Wir sind zu bequem geworden für zu viel Spannung. Nur die Geschichten, die wir vorher schon überblicken können, locken uns noch. Und denkt man von hier aus noch weiter, dürfte der Einwand berechtigt sein, ob uns eine popkulturell-filmisch ziemlich langweilige Zukunft bevorsteht.

Die Lust zu warten

Netflix zeigt ausgewählte Formate wie "The Great British Back Off" übrigens neuerdings auch nur wöchentlich. Von der Erfolgsserie "Better Call Saul" gab es seit Staffel eins nur eine Folge pro Woche, weil Netflix mit dem US-Fernsehsender amc kooperierte. Der Streaming-Neuling Disney+ hat angekündigt, seine Eigenproduktionen auch nur im Wochenrhythmus zu zeigen.

Eine Gegenbewegung? Keine Ahnung. Wir fordern aber: Zeigt doch bitte endlich wieder Trailer, die nicht alles verraten. Wir haben immer noch Bock auf Überraschung, Spannung und, ja, warten.

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Quelle: Noizz.de