Der „Orange Is The New Black“-Star macht, dass du eine nach der anderen Folge durchbingen möchtest!

„Was für eine düstere Scheiße ist das denn?!“ – gute Frage! Nadia Vulvokov wird 36 Jahre alt. Immer wieder. Wir treffen sie beim Blick in den Spiegel auf ihrer Geburtstagsparty mitten in New York. Nadia gönnt sich: Erst gibt es einen Joint mit Crack, dann ein paar Schnäpse, ein Geburtstags-Huhn, einen One Night Stand und danach ein Taxi, dass Nadia bei einem Unfall tötet. Der Tod ist ein Verbindungsmoment, um Nadia wieder an den Ausgangspunkt zurück zu bringen: Sie ist erneut auf ihrer Geburtstagsparty und schaut in den Spiegel. In den acht Folgen der Netflix-Serie wird Nadia immer wieder in dasselbe Bad auf derselben Party in der selben Stadt in den Spiegel schauen. Denn jedes Mal, wenn sie drauf geht, fängt die Wiederholungsschleife von vorne an.

Nadia wäre vor zehn Jahren wahrscheinlich ein Mann gewesen

Nadia Vulvokov ist arschcool. Ihr Blick ist next-level-herausfordernd, ihr Style hat Attitüde, ihre rote Lockenmähne ist so undurchdringlich wie ihre Sonnenbrille. Sie ist PC-Spezialistin und sie verträgt weit mehr als jeder schwere Russe. Ihre Zitate möchte man sich am liebsten auf T-Shirts drucken oder Arme tätowieren lassen.

Sie steht hauptsächlich für sich selbst ein und ihr immer noch schwer verliebter Ex-Freund wird direkt stehen gelassen, damit sie irgendeinen anderen Typen vögelt. Nachdem die Nummer beendet ist, ruft sie ihrem Lover ein Uber und verabschiedet sich. Danke, war schön gewesen, grüß zu Hause, bye!

Klar, sprechen wir mit einem Klischee über Klischees, wenn wir sagen, die Figur der Nadia Vulvokov wäre vor einigen Jahren im Serien-Universum ziemlich wahrscheinlich nur als Mann denkbar gewesen. Aber bei Netflix und Co. wird, wie so ziemlich jede Geschichte, eine Serie anhand von Stereotypen erzählt. Und diese bricht Nadia definitiv auf.

Nadia ist im Prinzip die Aktualisierung des egozentrischen Wetterfrosches im Filmklassiker Und Täglich grüßt das Murmeltier. Man erinnert sich an den Kult-Klassiker mit Bill Murray in der Hauptrolle des Phil Connors. Und genau wie in dem Film von 1993 scheint Nadia in der Serie von 2019 die Einzige zu sein, die merkt, dass die Geburtstagsparty sich immer wiederholt.

Um auf ihre Dauerschleife und die sich unendlich wiederholende Geburtstagsparty klarzukommen, durchläuft sie ähnlich wie Bill Murray früher unterschiedliche Phasen: Ungläubigkeit, Resignation, Wut und schließlich der verzweifelte Versuch herauszufinden, was zur Hölle eigentlich los ist und vor allem warum!

Die Lösung des Problems – Achtung, Spoiler!

Nadias ist Software Engineer und entwickelt Computerspiele – und wie in einem PC-Game, muss es eine Lösung zum Rätsel geben. Und die versucht sie herauszufinden. Ab diesem Moment wird die Matrjoschka, wie Russian Doll in Deutschland heißt, ein bisschen zum Krimi, später kommt auch ein wenig Horror hinzu. Aber trotz Blut und ständig heranschleichendem Tod ist das Erschreckendste in Nadias Leben sie selbst. Oder viel mehr: Ihre eigene Geschichte, ihre Kindheit, die grausame Mutter (großartig dargestellt von Chloe Sevigny), Selbsthass, Liebe und irgendwie auch ein bisschen die Frage nach dem Sinn des Lebens.

Bei Und täglich grüßt das Murmeltier muss der Protagonist nach und nach zu einem besseren Menschen werden, damit er aus seiner Zeitspirale ausbrechen kann. Das ist bei der Nadia schon auch ein bisschen der Fall. Aber analog zum Original-Serientitel Russian Doll geht es eher darum, zum Kern der Sache vorzudringen. Es soll die kleinste russische Puppe gefunden werden, wenn man die Hüllen der großen Matrjoschkas aufbekommen und entfernt hat. Und Nadia nimmt sich dieser Sache ganz alleine an. Sie bekommt zwar irgendwann einen männlichen Sidekick, der nicht minder wichtig ist. Das Suchen und Finden von sich selbst erfolgt aber durch Nadia.

Anders als bei Phil Connors aka Bill Murray und seinem Murmeltier ist die Akzeptanz und Liebe des Selbst für Nadia die Lösung. Die Message: Nur du kannst dich selbst retten und am meisten lieben. Wenn du das kannst, kannst du auch andere lieben. Diese Ansage ist nicht nur feministisch, sondern humanistisch. Dennoch: Sie kommt von einer starken, coolen Frau und rückt die Sache in ein emanzipatorisches Licht.

Nicht nur die Protagonistin ist eine coole Frau

Hauptdarstellerin Natasha Lyonne ist gemeinsam mit Amy Poehler und Leslye Headland auch als Autorin und Produzentin an der Serie beteiligt. Die Idee zur Geschichte hatte Lyonne schon vor sieben Jahren. Im Interview mit Talk-Master Stephen Colbert erklärt sie, dass es durchaus Parallelen zwischen ihr und Nadia gibt. Existenzkrisen und Kettenrauchen: Das jedenfalls weisen wohl beide Charaktere auf.

Das coole New Yorker Künstler-Milieu in dem sich Nadia Vulvukov bewegt, die Absage an Verantwortung und Zugehörigkeit, die in vermutlich jeder westlichen Großstadt vorherrscht, die damit einhergehende Bindungsangst – das alles sind Momentaufnahmen unserer Zeit. Und es sind Dämonen, mit denen wir alle kämpfen müssen, spätestens wohl, wenn wir merken, dass wir endlich erwachsen werden müssen. So wie Nadia. Und vielleicht auch Natasha. Ein großartiges Vorbild dafür haben wir ja jetzt.

In den Sozialen Medien ist man sich nicht so richtig einig, ob Matrjoschka aka Russian Doll nun ein perfekter Kandidat für eine Binge-Watching-Session ist, oder eher zum Einschlafen. Hier nur ein Ausschnitt aus der Diskussion unserer Seriengruppe:

Ja? Nein? Vielleicht? Foto: Screenshot / Facebook

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Quelle: Noizz.de