Langweiliger Abklatsch von "The Voice" oder neuer spannender Shit?

Schon seit Monaten wird die neue Rap-Casting-Show von Netflix angeteasert als die Möglichkeit, DIE neue Revolution im Hip-Hop zu finden. Cardi B, Chance the Rapper und T.I. versuchen als Jury-Mitglieder, neue unbekannte Künstler zu bewerten. Seit dem 9. Oktober sind die ersten vier Folgen auf Netflix, und wir haben uns gefragt: Kann Netflix Casting-Shows wirklich wieder cool machen?

Um das herauszufinden, haben wir uns die ersten paar Folgen reingezogen. Am Anfang wirkt das Format wie jede typische Casting-Show. Es gibt die Sad-Story-Kandidaten (Vater Alkoholiker, Mama tot, "das ist meine einzige Chance"), die Was-zur-Hölle-Kandidaten (schrille Stimme, zu viel Selbstbewusstsein, Augenrollen der Jury) und die Kommen-Safe-ins-Finale-Kandidaten (bescheiden, einfache Herkunft, große Träume).

Die Kandidaten müssen unter anderem in Battles gegeneinander antreten, Live-Auftritte bewältigen und Musik-Videos drehen. In der ersten Folge treten die Kandidaten noch in Shows vor der Jury an. Die Jury sucht sich daraufhin diejenigen aus, die sie gerne mit nach Kalifornien für die nächste Etappe der Casting-Show mitnehmen wollen. Die ersten vier Folgen sind die vier Castings in Los Angeles, New York, Atlanta und Chicago.

Zuerst denkst du, dass dieses absolut normale Casting-Show-Rezept genauso langweilig ist wie das letzte Mal, als du noch "The Voice" im Halbschlaf geguckt hast. Irgendwann während der Castings fängst du dann allerdings an, die Show hart zu feiern. Dieses Gefühl wird aber getragen durch die Personalities der Jury, die ihre Kommentare durch die Luft schießen lassen – nicht durch das generische Format an sich.

Rap macht 100 Millionen Mal mehr Spaß als Pop-Casting-Shows.

Die Jury ist lebendiger als alle Yvonne Catterfelds dieser Welt. Deswegen willst du die Show einfach immer weitersehen. Außerdem tauchen gleich in der ersten Folge prominente Gäste auf wie der mittlerweile verstorbene Nipsey Hussle, Snoop Dogg und Anderson Paak.

Es macht mega Bock, so viel Hip-Hop zu hören, und die Kandidaten sind wirklich richtig gut. Leider fühlt "Rhythm + Flow" sich zwar an wie jede Casting-Show ever – doch du wirst beim Gucken daran erinnert, warum Casting-Shows mal geil waren: hoffnungsvolle Kandidaten, gemeine Kommentare und zerschmetternde Urteile. Und das macht die Show wirklich gut.

Was die Show noch gut macht, ist die Vielfalt der Kandidaten. Es sind alle Geschlechter, Hautfarben, Nationalitäten und sexuelle Orientierungen vertreten. Frauen werden genauso gelobt und gedisst wie Männer auch. Jeder Kandidat verkauft sich auf seine eigene Weise und wirkt nicht wie ein Abklatsch von Nicki Minaj und Lil Wayne.

Ich würde mir die Show auf jeden Fall noch einmal reinziehen – und hab jetzt schon meinen Lieblingskandidaten: D Smoke aus Inglewood, der rappende Spanischlehrer aus der Hood. 

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Quelle: Noizz.de