Kennst du das, wenn der Geist deiner Oma plötzlich in einen Kuchen eingebacken ist?

Seit 3. Mai ist die erste Staffel der neuen Serie von Lisa Hanawalt bei Netflix verfügbar. Nachdem die Illustratorin bereits ein gealtertes, depressives Hollywood-Pferd zum Leben erweckt hat, entführt sie uns mit "Tuca & Bertie" in die wilde Welt zweier Millennials, die das mit dem Erwachsenwerden einfach nicht so richtig hinbekommen wollen.

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Dass bei dieser Animationsserie für Erwachsene endlich mal Frauen im Mittelpunkt stehen, merkt der gemeine Zuschauer schon beim Vorspann der Netflix-Produktion, bei der einem ganz selbstverständlich die Brüste eines Hochhauses entgegen wippen. Auch thematisch will "Tuca & Bertie" die Struggles darstellen, die man als emanzipierte Frau mit kleinen Macken in einer modernen Großstadt hat.

Und so denkt man nach den ersten paar Minuten fälschlicherweise, dass es sich hier um eine ganz normale Story handelt. Spätestens wenn der Abspann der ersten Folge "The Sugar Bowl" rollt, ist jedoch jedem Zuschauer bewusst, dass man jede Sekunde mit einem absoluten Mindfuck überrascht werden kann.

Lass mich dich mit in die erste Folge nehmen: Die schüchterne Bertie ist mit ihrem Freund in die erste gemeinsame Wohnung gezogen, während ihre beste Freundin Tuca einen Stock über ihnen zum ersten Mal alleine wohnt. Wie man das als gute Nachbarin so macht, leiht sich Tuca bei Bertie Zucker. Doch dann stellt sich heraus, dass in der antiken Zuckerdose von Berties Freund gar kein Zucker war, sondern die Asche seiner Großmutter. Und wie es das Schicksal so will, wird aus der staubigen Oma ein Kuchen gebacken, der diese doch glatt wieder zum Leben erweckt. Also als Kuchen halt.

Und was möchte der Geist der Großmutter, der in einer köstlichen Torte haust, von ihrem Enkel? Na klar, Berties Freund Speckles soll seine Oma verspeisen – denn sie wünscht sich nichts sehnlicher. Und ich nur so: WHAT. THE. FUCK.

Mit dieser Art von Überraschung darf man bei "Tuca & Bertie" immer dann rechnen, wenn man schon wieder in dem Glauben ist, eine realistische Show über Millennials zu schauen. Und genau das macht den Reiz der Serie aus. Zeitweise hat die Netflix-Produktion definitiv Längen, bei denen man plötzlich merkt, dass man sich eigentlich mehr auf Instagram als auf die Serie auf dem Bildschirm konzentriert. Doch dann entwickelt eben die eine Brust von Bertie ein Eigenleben – oder Tuca spielt plötzlich mit ihren lebensgroßen Filzläusen in einer Band.

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Die Show, die von Frauen für Frauen geschrieben ist, lässt sich auch optisch nicht festlegen, sondern spielt gerade bei der Visualisierung der Gedanken der Hauptcharaktere, mit verschiedenen Cartoon-Stilen. Wer also Lust auf eine kreative Mischung aus "Girls" und "Bojack Horseman" auf Halluzinogene hat, sollte "Tuca & Bertie" definitiv auf die eigene Watchlist packen.

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Quelle: Noizz.de