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Ein sprechendes, depressives Pferd mit Alkohol- und Drogenproblemen in der glamourösen Welt Hollywoods. In den 90ern war BoJack Horseman einer der größten Stars der amerikanischen Fernsehlandschaft. 20 Jahre später hat der namensgebende Charakter der Netflix-Serie "BoJack Horseman" noch immer nicht an seinen Erfolg anknüpfen können. Denn dafür ist er einfach viel zu sehr damit beschäftigt, sich über sein oberflächliches Umfeld in der Traumfabrik aufzuregen und im Selbstmitleid zu versinken. Was nach einer deprimierenden Show klingt, ist so ziemlich das Witzigste, was Netflix gerade zu bieten hat.

Der Witz von "BoJack Horseman" ist eine Mischung aus Galgenhumor und Sarkasmus und damit verdammt düster. Genau deswegen liebe ich die Show: Netflix nimmt sich anhand der Erlebnisse der Hauptcharakter sämtlichen Tabus und Probleme der amerikanischen beziehungsweise westlichen Gesellschaft an und verpackt sie so, dass man die unangenehmen Wahrheiten über die westliche Welt einfach weglachen muss. Nehmen wir mal das Thema Abtreibungen, das die politische Landschaft der USA gerade prägt.

Kein Tabu ist zu tabu für Comedy

Die sechste Episode der dritten Staffel "BoJack Horseman" reflektiert die aktuellen Diskussionen, die weiße Männer gerade über das Frauenrechtsthema (!) führen, perfekt. Mit einem Panel aus drei, weißen Männern mittleren Alters – mit Fliege! – parodiert die Show die absurden Aussagen von manchen Abtreibungsgegnern.

"Sind Abtreibungen überhaupt notwendig? Ich hab mal von einer Theorie gehört: Wenn eine Frau wirklich ungewollt schwanger wird, dann findet der Körper auch einen Weg den Fötus in kleine gasförmige Partikel zu zersetzen. Dann kann sie ihn einfach raus furzen", diese Theorie hat einer der selbst ernannten Experten in der Bibel gelesen. Auf dem Papier klingt diese Szene vielleicht etwas geschmacklos, aber glaube mir, "BoJack Horseman" schafft es einfach die Absurdität solcher öffentlicher Debatten megakomisch auf den Punkt zu bringen. Bei solchen Witzen kann man nicht anders, als gleichzeitig den Kopf zu schütteln und zu schmunzeln.

Doch nicht nur gesellschaftliche Probleme wie Frauenrechte, Waffengesetze und Kriege in fernen Ländern stehen bei "BoJack" im Fokus, sondern auch diese nervigen Millennials wie du und ich. BoJacks Freundin Diane ist das Paradebeispiel der Generation Y. Sie lebt in einem ziemlich beschissenen Apartment, denkt sie könnte nach einer Trennung mit einer Reise nach Asien zu sich selbst finden und arbeitet bei einem Blog, bei dem sie tolle Listicals verfasst wie: "13 Celebs Who Look Exactly Like Soup". Kommt dir bekannt vor? Ja, mir leider auch ...

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Ein Held, auf den man sich nicht verlassen kann

Die Netflix-Eigenproduktion, die auf den Illustrationen von Lisa Hanawalt basiert, hat wahnsinnig viele, liebevoll geschriebene und komplexe Nebencharaktere. Doch der eigentlich Star ist tatsächlich BoJack, der einfach nur der perfekte Anti-Hero ist. Er ist ein schlechter Einfluss auf alle um ihn herum, er baut richtig viel Scheiße und doch muss man ihm immer wieder verzeihen. Ob es sein kindliches Trauma ist oder doch einfach die erfrischend nüchterne und nihilistische Art, wie er die Welt sieht ("Everything is garbage!"): Man kann nicht anders, als doch immer auf der Seite des gescheiterten Filmstars zu sein.

Dass das nicht immer unproblematisch ist, zeigt sich immer wieder im Laufe der fünf Staffeln, die Netflix bereits von der Adult-Comedy-Serie produziert hat. Doch das ist ja auch der ultimative Grund, sich "BoJack Horseman" anzusehen: Die Show macht auf alltägliche Probleme aufmerksam, zeigt wie man gleichzeitig ein guter und ein schlechter Mensch (oder Pferd) sein kann, sorgt zum Ausgleich aber auch für die besten "Oh mein Gott, das haben die jetzt nicht gemacht"-Lacher deines Lebens.

"BoJack Horseman" auf deine Watchlist – jetzt

Hach, es gibt noch so viele Gründe wieso diese Serie so verdammt geil ist. Zum Beispiel, dass wahnsinnig viele Promis in der Show auftreten, die immer gefragt werden, ob sie sich selbst vertonen. Wer sich weigert, dem ereilt in der Show ein böses Schicksal. Oder dann wären da noch die fantastischen, subtilen Witze über den Fakt, dass viele Charaktere Tiere sind. Man, zieh es dir einfach rein. Jetzt. Jetzt sofort!

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Wer nicht genug von den Charakteren aus der Show bekommt (und das wirst du!), sollte auf jeden Fall dem Instagram von "BoJack Horseman" folgen. Denn der Account ist einfach nur Gold und mischt sich in guter alter BoJack-Manier in alle aktuellen Ereignisse des Showbiz ein. Das sieht dann ungefähr so aus:

Quelle: Noizz.de