Netflix verteidigt sich.

Eigentlich werde ich bei Tier-Dokus immer schwach. Gib mir süße Tiere mit dramatischer Musik und einem Voiceover von David Attenborough, dem Tier-Doku-Gott höchstpersönlich, und meine Lebenszufriedenheit ist um das Dreifache gestiegen. Seit vergangenem Freitag kannst du die achtteilige Tier-Doku "Unser Planet" auf Netflix streamen. Das hat die Herzen diverser Tier-Doku-Fans vorerst höherschlagen lassen – bis sie zur zweiten Folge gelangten. Denn dort sterben am Ende ganz viele Walrosse. Und als Zuschauer sieht man einfach alles.

Die Episode heißt "Eiswelten" und handelt von den Konsequenzen menschlicher Handlungen in den Lebensräumen von Pinguinen, Eisbären, Robben und Walrossen. Am Anfang ist das alles auch noch irgendwie ganz süß. Da tapsen ein paar Pinguine einen Berg hoch und sehen dabei aus wie das geborene Meme. Doch desto länger die Folge geht, desto ernster wird der Ton. Bis du am Ende schließlich eigentlich nur noch weggucken willst, aber es dann irgendwie doch nicht kannst.

Es ist nämlich so: Die Walrosse haben wegen der schmelzenden Eisschichten immer weniger Land, auf dem sie leben können. Als Konsequenz dessen haben sie zwei Optionen. Entweder sie tummeln sich zu Tausenden auf den winzigen verbleibenden Stränden, an denen sie noch schnell ins Wasser schlüpfen können, um zu jagen, oder sie klettern an den Steinwänden der Arktis hoch, um ihren eigenen Platz zu finden.

Beide Optionen sind offen gesagt scheiße.

Denn auf den dicht bepackten Stränden liegen die Walrosse buchstäblich übereinander und sind eine Gefahr für sich selbst. Die Tiere werden totgetrampelt oder bekämpfen sich gegenseitig. Die steilen Berghänge hochzuklettern ist für die Walrosse allerdings nicht viel sicherer. Schließlich sind die mit Flossen ausgestatteten Tiere keine Bergziegen. Wenn sie es überhaupt den Hang hoch schaffen, dann ist für die Walrosse der Weg zurück nach unten oftmals ein Sturz in den eigenen Tod, denn sie haben keine griffigen Hautflächen, die sich vorsichtig den Hang heruntertasten können. Manchmal verlieren die Walrosse dabei völlig die Kontrolle und schlagen im freien Fall gegen den harten Steinhang, bis sie am Meer ankommen. Viele Walrosse überleben das nicht.

Diesen Tod zeigt Netflix dann auch in ihrer Doku, und zwar in jeder Einzelheit. Viele Netflix-Zuschauer fanden das viel zu extrem. Sie sprechen davon, traumatisiert gewesen zu sein. Auf Twitter äußern sich die Fans, dass sie heulen hätte müssen und fordern ihre Freunde auf, sich die Folge nicht anzusehen.

Die kanadische Zoologin Dr. Susan Crockford kritisiert die Szene zusätzlich, weil sie argumentiert, die Walrosse seien nicht auf den Hang geklettert, weil sie sonst keinen anderen Lebensraum hätten, sondern weil sie Schutz vor Eisbären gesucht hätten. Netflix hingegen argumentiert, dass diese Tatsache nur die Realität der Szene unterstützen würde. Außerdem sei der Kontext, in dem Netflix die Szene dargestellt hat, von einem russischen Biologen validiert worden, der dieses Phänomen in seiner 35-jährigen Arbeit beobachtet hatte.

Inwiefern eine gezielte Verdrängung der Fakten für ein Publikum, dass sich lieber Entertainment als Realität wünscht, wirklich sinnvoll ist, bleibt eine Diskussion für einen anderen Tag. 

>> Orang-Utan-Baby an Balis Flughafen vor Schmuggel gerettet

>> Berliner Polizei rettet Mini-Eule

Hast du die Walross-Szene gesehen? Diskutiere darüber in unserer Facebook-Gruppe "Süchtig nach Serien: Netflix, Amazon, Sky & Co".

Quelle: Noizz.de