Netflix ging am 27. April mit der neuen Show "Never Have I Ever" beziehungsweise "Noch nie in meinem Leben..." an den Start und liefert alles, was wir von einer guten Teenie-Serie wollen – und mehr.

Kann man den typischen Teenie-Highschool-Stoff eigentlich überhaupt noch neu erzählen? Geht ja eigentlich immer ungefähr um dasselbe: Die uncoolen Kids, mit denen wir uns identifizieren, stehen der Highschool-Upperclass gegenüber. Es geht um Parties, erste Male und den unbedingten Willen, im letzten Jahr an der Schule alles noch mal zu erleben, was man vorher nicht schaffte. Dass das Leben nach der Highschool weitergeht, hat den Machern derartiger Filme scheinbar noch keiner gesagt.

"Never Have I Ever": Netflix bietet mehr als die einfache Teenieserie

Aber darum gehts auch gar nicht. Denn: Tatsächlich ist der Stoff, aus dem Teeniekomödien, -Dramen oder -Serien sind, allseits und immer wieder beliebt. Gibt ja immer wieder neue Generationen mit Teenie-Träumen und immer wieder diejenigen, die sich liebend gerne in eine Zeit zurückversetzen, in der die Welt in Kategorien wie Uncool/Cool und Nerds/Sportler eingeteilt wurde. Mitten in dieser Welt treffen wir Devi. Sie gehört natürlich zu den uncoolen Kids und versucht mit ihrer Clique aus weiteren uncoolen Kids eben noch mal so richtig auszurasten.

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So weit, so unspektakulär. Allerdings bietet "Noch nie in meinem Leben..." ein bisschen mehr, als das Ausfüllen anfänglich beschriebener Teenieserien-Schablonen. Schon in der ersten Folge werden alle Weichen gestellt für eine Serie, die mit Humor, ein bisschen Wahnsinn und sehr viel Freshness die kleinen und auch größeren Dramen von Hauptfigur Devi Vishwakumar (Maitreyi Ramakrishnan) verfolgt. Fangen wir mit der Weirdness an: Der Erzähler der Serie ist 80s-Tennislegende John McEnroe – und keiner weiß zunächst so richtig warum, was sich im Laufe der ersten Staffel jedoch noch auflöst.

Devis bisheriges Leben ist aber auch sonst nicht unbedingt von Geradlinigkeit und Frohsinn geprägt. Sie muss den plötzlichen Tod ihres geliebten Vaters überwinden, musste eine Lähmung ihrer Beine hinnehmen und ertragen, dass ihre perfekte Cousine nun in ihrem Haus lebt. Alles in allem recht stressig, wenn man nebenher auch noch versucht, das mit der Highschool zu meistern.

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Toter Elternteil, knallbunte Kulissen, Traditionen und ein eigensinniger aber liebenswerter weiblicher Hauptcharakter – ein bisschen erinnert die Welt von Devi an die Welt von Lara Jean Covey. Und es gibt sicherlich Parallelen: Hinter der Serie steckt unter anderem Mindy Kaling, die hier semi-autobiografisch ihre eigene Jugend verarbeitet. Verhielt sich bei Covey und Buchautorin Jenny Han ja ähnlich.

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Dennoch scheint Devi noch ein bisschen selbstbewusster, sie geht voran und kommentiert ihre eigene Welt gerne zynisch und mit einem Augenzwinkern. Gleichzeitig schafft es Netflix hier erneut, keinen heteronormen All-White-Cast einzusetzen. Ganz im Gegenteil: Devi ist eine aus Indien stammende Amerikanerin, ihr Schwarm Paxton Hall-Yoshida (Darren Barnet) ist japanischer Herkunft und auch der Rest des Casts ist fröhlich durchmischt. Ja, wir leben immer noch in einer Zeit und Gesellschaft, in der man diese Tatsache noch einmal unterstreichen muss, denn Hollywood besteht nach wie vor aus gleichgeschalteten schönen, schlanken und weißen Menschen.

Devi und ihre Freundinnen.

Frauenpower, Anti-Rassismus und neues Selbstbewusstsein

Obwohl Netflix für seine Serien und Filme bei aller Diversität ausschließlich angenehm anzuschauende und überdurchschnittlich schöne Menschen zeigt (jetzt mal ehrlich: Auf wessen Schule gab es so viele hübsche Menschen?!) hat der Streaming-Dienst es auch geschafft, endlich die etwas anderen Protagonist*innen im Mainstream tief zu verankern.

Devi und ihre Mitstreiter, ihre Mutter, Freunde, die Therapeutin und auch Lehrer sind mehrdimensionale Charaktere. Devi und ihre Freundinnen Eleanor und Fabiola nennen sich stolz "Women of Color" und bis auf Devi, wollen sie ihren Nerd-Status auch gar nicht verändern – ganz im Gegenteil: Schlau ist cool und bringt einen weiter im Leben.

Genau das macht auch "Noch nie in meinem Leben..." so gut anzusehen: Es macht Spaß, man hat nicht das Gefühl, hier mit ausgelutschten Stereotypen gefüttert zu werden und gleichzeitig wird, wie Anfangs schon beschrieben, die immer selbe Storyline erzählt – allerdings so überraschend und liebevoll, dass man sich hier gut unterhalten fühlt. Achso: Und ein bisschen farbrauschende Bollywood-Momente gibt es auch.

Ein bisschen Bollywood.
  • Quelle:
  • Noizz.de