Was soll er auch anderes sagen.

Okay, wir wollen uns eigentlich nicht mit Helmut Thoma anlegen. Der Mann ist gerade 80 Jahre alt geworden, war lange Zeit RTL-Chef und kennt die deutsche Medienlandschaft wie seine Westentasche. Ich meine, c'mon, er hat unsere deutsche TV-Landschaft in den 80ern so krass auf den Kopf gestellt, dass es auf einmal nicht mehr nur ARD und ZDF gab, sondern eben auch die privaten TV-Sender.

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Was der ehemalige Medienmanager jetzt aber von sich gibt, klingt schon ein wenig gewagt. Der Österreicher glaubt nicht an eine große Zukunft der Streaming-Plattformen. Im Wortlaut sagt er:

"Anbieter wie Netflix werden aller Voraussicht nach scheitern."

Moment. Welcher Anbieter hat gleich nochmal die Sehgewohnheiten einer ganzen Generation im Hier und Jetzt geändert? Thoma argumentiert damit, dass am Ende diese ganzen Serien doch immer wieder das Gleiche seien. Das langweilt die Zuschauer irgendwann.

Das ist Helmut Thoma

Und was glaubt er, was wir stattdessen lieber sehen wollen?

Die Leute wollten auch aktuelle Nachrichtenformate oder Magazinsendungen sehen, das böten nur herkömmliche Fernsehsender. Ehm, Moment mal. Eine Nachrichtensendung gibt es auf Netflix noch nicht. Dokumentationen und informative Service-Sendungen aber sehr wohl.

Darüber hinaus glaube Thoma nicht, dass das klassische Fernsehen tot sei. Im Gegenteil: "Das ist Quatsch. Es hat eigentlich noch eine große Zukunft vor sich" – wenn die Sender-Verantwortlichen die Potenziale der technischen Entwicklung denn endlich erkennen würden.

Wenn es nach ihm gehe, sitzen wir in Zukunft mit der VR-Brille auf dem heimischen Sofa. "Virtual Reality zum Beispiel wird ganz neue Dimensionen eröffnen", prophezeit er. Nur werde Deutschland dabei hinterherhinken. "Woher sollen Innovationen auch kommen? Hier gibt es mit den Öffentlich-Rechtlichen, ProSiebenSat.1 und RTL nur drei Player, die sich gegenseitig kaum Konkurrenz machen."

Aber im Prinzip ist Netflix auch eine Art Konkurrenz, die das Geschäft belebt. Mit seiner Plattform und dem Bezahlangebot "TVNow" versucht auch RTL im Streamingbusiness mitzuspielen und bietet dort exklusive Serieninhalte an, wie dem Fritz-Lang-Remake "M – eine Stadt sucht einen Mörder" mit Moritz Bleibtreu. So verkehrt kann Netflix‘ Weg also auch nicht sein.

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[Text: Zusammen mit dpa]

Quelle: dpa