Es wird verkopfter – und Sauls Vergangenheit holt ihn ein.

Gestern hatte das lange Warten für Fans von Saul Goodman ein Ende: Auf Netflix ist ab sofort die erste Folge der 4. Staffel verfügbar. Alle, die keine Ahnung von „Breaking Bad“ und den bisherigen Staffeln „Better Call Saul“ haben, können jetzt getrost aufhören zu lesen. Und auch alle, die keinen Spoiler mögen.

Kurzes Update für alle, die sich nicht mehr richtig erinnern können, wie Staffel 3 zu Ende ging:

Jimmy hat über Umwege die Karriere seines Bruders Chuck sabotiert. Der wiederum hat sich das Leben genommen – indem er sein Haus lichterloh abfackeln ließ. Kim, Jimmys Freundin hatte eine Autounfall bei dem sie sich den Arm brach und Nacho plant, Hector Salamanca zu töten.

Smoke“, so der vielsagende Titel von Folge 1, schließt nahtlos an das Geschehen an – und zeigt, worauf wir uns einstellen müssen: viel Schuld, moralische Abgründe und Paranoia. Der lichterlohe Brand am Ende der dritten Staffel wirkt hier durchaus metaphorisch: Nichts ist in Ordnung für Jimmy, und er steht vor einem Scherbenhaufen.

Das wird auch klar bei dem ungewohnt langen Intro des Staffelauftakts: Wir befinden uns in der Post-„Breaking Bad“-Phase. Jimmys Alter Ego Gene Takavic bricht zusammen und kommt ins Krankenhaus. Dort holt ihn die Angst um sein altes Leben wieder ein: Die Rezeptionistin am Krankenhaus schafft es nicht, seine Versicherungsnummer korrekt einzugeben.

Jimmy a.k.a. saul Goodmann a.k.a. Gene kriegt Panik: Fliegt er etwa auf? Ganz soweit kommt es noch nicht, aber der Zuschauer merkt förmlich, in welcher Angst der Protagonist lebt – dass auch sein Konstrukt irgendwann lichterloh abfackeln könnte. Statt wie früher aber aktiv nach Lösungen zu suchen, ergibt sich Gene seinem Schicksal. Pure Resignation, genial gespielt von Bob Odenkirk. Das passiert also mit gescheiterten Identitäten.

Das alles wird von Serienmacher Vince Gilligan noch mehr unterstrichen, wenn wir in den wirklichen Plot, der „Jetzt“-Zeit von „Better Call Saul“, eintauchen. Auch wenn Jimmy eine Fehde mit seinem Bruder Chuck hatte – kalt lässt ihn der Tod nicht. Und vor allem das Wissen, daran nicht ganz unschuldig zu sein. Auch wenn er die Steilvorlage, das Howard im Glauben ist, er habe Chucks Suizid ausgelöst, natürlich nicht widerlegt: „Nun, ich glaube, dass ist eine Schuld, mit der du von nun an leben musst.“

Jimmy beruhigt temporär sine Gewissen – auch wenn er weiß, dass die Wahrheit wohl irgendwann ans Licht kommen wird. Ein Konflikt, der Potential hat, die treibende Feder dieser Staffel zu werden. Und wieder ein wenig mehr erklärt, wie aus Jimmy Saul werden konnte.

Apropos Saul:

Auch das „Breaking Bad“-Universum nähert sich immer mehr dem „Better Call Saul“-Kosmos an. Mike heuert dank seiner temporäre Arbeitgeberin Lydia als Sicherheitsoffizier bei Madrigal an (geniale Andeutung ihres Serientodes in „Breaking Bad“: Ihr Name wird genannt, Jump Cut zu Chucks Beerdigung). Was er da genau tut? Wir werden es noch erfahren.

Und für alle Pro-Nerds: Es gibt noch mehr Anspielungen zu „Breaking Bad“ – etwa der Name des Madrigal-Mitarbeiters, dem Mike den Mitarbeiterausweis klaut. „Hedberg" klingt doch verdächtig nach „Heisenberg“, oder nicht? Wer aufmerksam die Folge schaut, wird mit noch mehr Referenzen belohnt.

Und genau das ist es, was diese Staffel wohl besonders spannend machen wird. Es fügt sich alles zusammen und ergibt Stück um Stück mehr Sinn, ohne an Spannung zu verlieren. Die Charaktere werden komplexer und entwickeln noch mehr Eigenleben, werden verkopfter.

Natürlich wissen wir, was in „Breaking Bad“ passiert ist. Aber wir wissen nicht, was aus Saul Goodmann danach noch wird. Und genau darüber gibt „Better Call Saul“ Auskunft. Ein klug gemachtes Psychogramm, das nicht vorhersehbar ist.

Und für alle, die es genauso wenig wie wir kaum eine Woche ohne eine neue Folge aushalten können, haben die Kollegen von „Rotten Tomatoes“ eine exklusive Sneak-Preview der zweiten Folge für uns parat:

P.S. Eine fünfte Staffel ist übrigens schon bestellt.

Quelle: Noizz.de