Und die dritte Staffel wird kommen!

Wann habt ihr das letzte Mal alleine vor dem Laptop gesessen und laut gelacht darüber, was ihr euch angeschaut habt? Ihr kommt nicht drauf? Zugegeben: Mir passiert es auch nicht oft, trotz all der guten Comedy-Serien und Stand-Up-Specials, die Netflix und Co. im Angebot haben. Zwei neue Shows von Dave Chapelle? Schnell weggeschaut und ab und zu geschmunzelt. Neue Staffel von „Unbreakable Kimmy Schmidt“? Gebingt und für gut befunden. Aber laut gelacht?

Der physische Akt des Lachens scheint uns irgendwie fremd geworden zu sein. Und mal ehrlich, es fühlt sich auch ein wenig dämlich an, in schallendes Gelächter auszubrechen, während man alleine auf einen Bildschirm starrt.

Mit den ersten beiden Staffeln „Jerks“ hat sich das für mich geändert, was viel mit der Dramaturgie der Serie zu tun: Christian Ulmen und Fahri Yardim, die sich selbst spielen, manövrieren sich regelmäßig in Situationen, die unangenehmer kaum sein könnten. Das Ende ist oft abzusehen, doch genau das macht die Handlung so lustig. Man sieht die Pointe wie einen Eisberg auf sich zu kommen, dem man nicht mehr ausweichen kann. Und dann kommt der große Knall.

Höhepunkt der zweiten Staffel ist die Folge, in der Christian Ulmen sich mit einer jungen Abiturientin anfreundet. Die zwei fühlen sich vor allem dadurch verbunden, dass sie beide einen künstlichen Darmausgang haben. Das Problem ist nur: Christian Ulmen hat in Wirklichkeit gar keinen, doch irgendwann kommt er aus dieser Nummer nicht mehr raus.

Wenig später, bei der Geburtstagsparty des Mädchens, springen die Gäste reihenweise in den Pool. Christian schubst das panisch dreinblickende Mädchen ebenfalls ins Wasser – und der Inhalt ihres Darmbeutels färbt das ganze Wasser braun. Wie der verdutzte Ulmen aus dem Becken die Geburtstagsgesellschaft anschaut, ist ganz groß. „Jerks“ ist eine Fail Compilation aus dem Leben zweier wahnsinniger Trottel.

Dass es sich dabei auch noch um eine deutsche Serie handelt, setzt dem ganzen noch die Krone auf. Deutscher Humor, egal ob Mario Barth oder „Die Anstalt“, ist häufig zu stumpf, zu gewollt, zu belehrend, schlimmstenfalls, wie in der „heute-show“, eine ungesunde Mischung aus allem. „Jerks“ passt nicht in dieses Muster, was auch an der Sprache liegt. Die Dialoge sind zwar grob vorgegeben, aber nicht gescriptet, was die Serie viel authentischer erscheinen lässt als zum Beispiel „Pastewka“. Dort scheint die Titelfigur sich selbst zu spielen. Bei „Jerks“ scheinen Christian und Fahri einfach sie selbst zu SEIN.

Man denke nur an den legendären Heroin-Dialog aus der ersten Staffel, als die beiden innerhalb von Minuten von einem Freund dazu überredet werden, sich doch mal eine Dosis zu spritzen – schließlich machen das ja „alle“. Christian und Fahri sind wie Kinder, die das Leben von Erwachsenen führen müssen und dabei ständig auf die Schnauze fliegen. Und weil man sich als Mann auch dabei ertappt, manchmal genau so widerlich zu sein wie die beiden, wird aus Fremdscham mitunter Selbstscham. Dann tut das Lachen besonders weh – und besonders gut.

Quelle: Noizz.de