Die erste Staffel von "How To Sell Drugs Online (fast)" eroberte nicht nur die Nerds – mittlerweile ist es die meistgestreamte deutsche Netflix-Originalserie überhaupt. In der zweiten Staffel pendelt Moritz mit seinem Onlinedrogenhandel "MyDrugs" zwischen purer Verzweiflung und toxischer Arschloch-Mentalität. Wir haben mit Schauspieler Maximilian Mundt und Danilo Kamperidis über die neue Staffel gesprochen.

"Die ganze Welt dreht sich nur um mich, denn ich bin nur ein Egoist" – eigentlich könnte der Falco-Song aus den Neunzigern der perfekte Soundtrack für Moritz (Maximilan Mundt) in der zweiten Staffel von "How To Sell Drugs Online (Fast)" (HTSDOF) sein. Wir erinnern uns: Aus seinem Zimmer heraus gründet der – zugegeben etwas nerdige und im besten Sinne lauchige – Schüler Moritz mit seinem besten Freund Lenny (Danilo Kamperidis) Europas größten Online-Drogenversand "MyDrugs" im Darknet – alles nur, um seine große Liebe Lisa (Lena Klenke) zurückzugewinnen. Das Business boomt – aber nicht ohne Probleme.

Falls du vergessen haben solltest, wie die erste Staffel so war, hier gibt es ein Update:

>> MDMA, Nerds und Erwachsen werden: So gut ist "How To Sell Drugs Online (Fast)"

Und da sind wir nun, ein bisschen später, aber immer noch im provinziellen Rinseln: fester Bestandteil im MyDrugs-Team ist nun auch Schulhof-Dealer Dan (Damian Hardung), was Möchtegern-Supernachwuchs-CEO Moritz natürlich gar nicht in den Kram passt. Neben Abi-Stress und florierenden Drogenring, muss er sein Geheimnis mit seiner Beziehung zu Lisa vereinbaren, was ihm zunehmend schwerer fällt – und dann steht im da vor allem noch eines im Weg: sein eigenes Ego.

Hier kannst du schon Mal den Trailer zur zweiten Staffel von "How To Sell Drugs Online (fast)" sehen:

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Denn eigentlich wünschen sich Dan und Lenny nichts sehnlicher, als aus dem ganzen Business wieder auszusteigen. Insgeheim wünscht sich das auch Moritz, aber die Aufmerksamkeit der Netzwelt und der Ruf des großen Business sind für ihn zu verlockend: Also verarscht er in allerbester Zuckerberg-Manier seine besten Freunde und schafft sich eigentlich nur noch mehr Probleme. Inklusive krimineller Holländer, die auch vor einem Mord nicht zurückschrecken.

Was willst du überhaupt in deinem Leben?

HTSDOF basiert auf der wahren Geschichte des Shiny-Flakes-Gründers, der bis 2013 aus seinem Leipziger Kinderzimmer heraus unbehelligt die ganze Welt mit Ecstasy und Co. versorgen konnte. Der ideale Stoff für eine Netflixserie – dachten sich eben auch Matthias Murmann und Philipp Käßbohrer von der bildundtonfabrik, die so ihre erste Netflix-Serie kreierten und eine ganz eigene Welt schufen: selbstironisch, manchmal überdreht und mit jede Menge Anspielungen aus der Netzwelt.

Die erste Staffel wurde ein riesiger Erfolg, sie ist bis dato die meistgestreamte deutsche Netflix-Originalserie mit einer großen Fangemeinde in Südamerika und Europa. Auch, oder gerade weil, die Macher es verstanden haben, eine deutsche Serie zu schaffen, die sich genau mit dem beschäftigt, was die junge Generation bewegt: Social Media, das Internet und dessen Ikonen. Memes und Pushnachrichten können dein Leben auf den Kopf stellen, ob du willst oder nicht. Deutsche Eigenheiten, wie etwa auf Chocomel-Kakao zu stehen, kommen hier nicht peinlich rüber, sondern sind einfach verdammt real.

Es ist fast schade, dass HTSDOF nicht so divers ist wie etwa "Sex Education" – dann wäre das vielleicht die Überserie der Generation Y. Aber immerhin gibt es jetzt auch ein lesbisches Liebespaar mit Fritzi und Gerda.

>> Netflix-Stars hoffen auf mehr Diversität in deutschen Serien

Weniger Insider, mehr Story

Im Gegensatz zur ersten Staffel, die mit soviel Nerdiness und Anderssein in den deutschen Netflix-Serienkosmos einschlug, dass man Stunden damit beschäftigt war, jedes Easter-Egg zu finden, ist die zweite Staffel etwas klassischer gestaltet – die Geschichte kommt in den Vordergrund. Das ist gut so – denn die Insider und Gags sind nicht vollkommen verschwunden, machen aber Platz um uns mehr über die Köpfe im MyDrugs-Universum zu erzählen.

Dass Moritz etwa wie ein grenzdebiler Elon-Musk-Verschnitt zwischen kongenialen Start-up-Wahnsinn, Egoismus und eigener Identitätsfindung pendelt, oder der unheilbare kranke Lenny in Kira (Lena Urzendowsky) seine Seelenverwandte findet und sich mehr und mehr von Moritz' Fesseln löst. Oder dass der, ein bisschen als Schönling abgeschriebene, Dan eigentlich viel mehr auf dem Kasten hat und dass Lisa, Moritz Freundin, die gute Seele zwischen all diesen Welten ist. Das volle Spektrum dieser grausamen Hölle namens Erwachsenwerdens, gepaart mit einem großartigen Soundtrack und der normalen Provokation, die eine Serie über Drogen eben auszulösen vermag.

How to sell drugs online (fast) Staffel Zwei Szenen

Wir haben – für eine Serie, die im Darknet spielt, sehr angemessen – via Zoom mit den beiden Hauptdarstellern Maximilian Mundt und Danilo Kamperidis über die Herausforderungen der neuen Staffel gesprochen und wie viel Lenny und Moritz eigentlich wirklich in ihnen steckt.

>> Alles, was du zum Start der zweiten Staffel von "How To Sell Drugs Online (Fast)" wissen musst

HTSDOF-Stars Maximilian Mundt und Danilo Kamperidis im NOIZZ-Talk: "Wir sollen wir das hinkriegen, dass die kleine Bitch noch Sympathien trägt?"

NOIZZ: Hat euch der Erfolg der ersten Staffel sehr überrascht?

Max: Ja, auf jeden Fall! Nicht, dass ich kein Vertrauen in die Produktion gehabt hätte. Aber beim Dreh der ersten Staffel hat sich das damals sehr süß angefühlt – sehr familiär, nach dem Motto: "Wir machen hier mal ein kleines Projekt zusammen, improvisieren ein bisschen und schauen mal, was passiert." Als dann aber die Einladung nach Cannes kam, zum CannesSeries (quasi die Filmfestspiele von Cannes für Serien, Anm. d. Red.), dachte ich nur: "Wow. Das ist doch ein bisschen größer geworden, als ich dachte. Später war es einfach nur noch der Shit. Als mich plötzlich eine spanische Austauschklasse in Hamburg in der U-Bahn angesprochen hat oder wenn dich auf Instagram Leute aus Brasilien oder Portugal anschreiben, und dir sagen, dass sie die Serie toll finden.

Danilo: Ich habe das am Anfang sehr entspannt gesehen. Ich glaube, es ist in unserem Beruf auch sehr wichtig, sich nicht zu große Hoffnungen zu machen. Ich wusste beim Lesen des Skripts und beim Dreh, dass das gut wird. Aber was das am Ende für Ausmaße annehmen würde, hat natürlich alle Erwartungen übertroffen. Da sind wir natürlich megahappy – und hatten demnach auch wieder Hunger auf mehr.

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Wie geht man dann in so eine zweite Staffel rein, ist das was anders?

Max: Grade dieses Gefühl, noch einmal einen drauflegen zu wollen, macht einem selber noch mal Druck – weil man eben weiß, es kam so gut an. Und man nicht so genau weiß, ob man jetzt einfach das Gleiche wie in der ersten Staffel machen soll, ob man seine Figur weiter entwickeln lassen kann oder sie gar etwas verändern soll. Auf der anderen Seite hatte man aber mehr Sicherheit: Man kannte das Team, die Schauspieler, in der ersten Staffel hatte man schon die Rollen erklärt und konnte jetzt einfach nur noch spielen – und dabei megacoole, geile Sachen machen. Ich bin echt froh darüber, was die Drehbuch-Autoren uns da zugetraut haben. Wie wir leiden, weinen, schreien und uns prügeln durften – die zweite Staffel ist schon ziemlich cool geworden.

Habt ihr euch auch anders vorbereitet und noch mehr die Elon Musks und Zuckerbergs dieser Welt studiert?

Danilo: Na ja, für mich war das erst mal interessant, überhaupt noch einmal dieselbe Rolle zu spielen. Da war ich schon ein bisschen aufgeregt: Kann ich das überhaupt noch oder wo ist Lenny hin?

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Moritz mutiert in der Staffel stellenweise zu einem richtigen Arschloch – wie bist du damit umgegangen, Max?

Max: Ich hatte schon ziemliche Angst, dass die Leute dann keinen Bock mehr haben, weiter zu gucken – oder eher, wie wir es hinkriegen sollen, dass die kleine Bitch auch noch irgendwo Sympathien rüberbringt. Weil ich ziemlich gemein und hinterhältig werde – also Moritz, nicht ich persönlich. Aber die Drehbuch-Autoren haben ihm immer wieder eins ausgeteilt, sodass er ordentlich aushalten muss, dafür, dass er so viel Blödsinn baut. Darüber baut man dann wieder Sympathie auf, weil man sich denkt: "Mann, der Arme, ey!" Ihm wächst der Erfolg halt über den Kopf, aber dafür muss er auch viel einstecken.

Auch Lennys Charakter entwickelt sich weiter – wie hast du das aufgenommen, Danilo?

Danilo: Ich habe mich darüber einfach supergefreut. Auch so eine Spielpartnerin wie Lena Urzendowsky (spielt Lennys Freundin Kira, Anm. d. Red.) an meiner Seite zu haben, das hat einfach super Spaß gemacht. Ich liebe seinen Charakter einfach: So nette, loyale Menschen trifft man nicht oft. Er reift auch an den schlechten Erfahrungen, die er mit Moritz macht, genauso wie an den guten, die er mit anderen Menschen macht. Das ist etwas, was man sich doch auch für sich selber wünscht, oder nicht?

Ist irgendwas Schräges bei den Dreharbeiten passiert, dass ihr mit uns teilen wollt oder eher: könnt?

Danilo: Boah, das ist schon wieder so lange her …

Max: Also mir bleibt auf jeden Fall in Erinnerung, dass ich superviel Spaß beim Dreh hatte. Es gab superviele Outtakes – hoffentlich machen wir einen Zusammenschnitt!

Ich weiß, ihr könnt und dürft dazu wahrscheinlich nichts Offizielles sagen, aber wie scharf seid ihr auf eine dritte Staffel?

Max: Sehr! Chili-scharf! Ich habe mega Bock, die Geschichte weiter zu erzählen und das Ende der Staffel jetzt ist auch megaoffen. Es ist noch genug Stoff da, um die Geschichte weiterzuerzählen. Wäre megageil, wenn das funktioniert. Ich warte nur noch auf den Anruf!

Danilo: Ja, ordentlich streamen, das hilft uns!

Die neuen Folgen von "How To Sell Drugs Online (fast)" kannst du ab sofort auf Netflix schauen.

Quelle: Noizz.de