Die Serie war einfach der Überhit: Alleine in den USA sahen mehr als 19 Millionen Zuschauer*innen das Staffelfinale von "Game of Thrones" vor gut einem Jahr. Auch wir konnten es kaum vor Spannung aushalten, wer den Eisernen Thron besteigt. Aber wieso nur? Forscher*innen aus Cambridge und Oxford haben das Erfolgsgeheimnis nun gelüftet.

Darüber, dass wir alle nicht ganz so zufrieden waren mit dem Ausgang der achten und zugleich letzten Staffel von "Game of Thrones" haben wir uns zu Genüge ausgelassen. Selbst Schöpfer George R. R. Martin war damit nicht ganz glücklich, was HBO aus seinem Westeros-Epos gemacht hat. Trotzdem: Die Serie hat uns gefesselt wie kaum eine andere. Aber woran liegt das tatsächlich? Wir können aufhören, zu mutmaßen, denn: Eine Untersuchung von Wissenschaftler*innen aus Großbritannien und Irland hat diese Frage ein für alle Mal geklärt mit einer ausführlichen Studie.

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Demnach beruhe der Erfolg von "Game of Thrones" vor allem darauf, wie die Figuren miteinander verbunden sind. Die Anzahl und die Intensität der sozialen Kontakte, die die Charaktere pflegten, sei vergleichbar mit denen, die wir durchschnittlich im echten Leben hätten, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Proceedings" der britischen Akademie der Wissenschaften. Trotz der Fantasy-Welten und der komplexen Erzählstränge sei es daher gut möglich, sich in die Geschichte hineinzufinden.

Die Studie untersuchte die literarische Vorlage der "Game of Thrones"-Serie

So sieht das gesamte Figurennetz von "Game of Thrones" aus.

Zu ihren Ergebnissen kamen die Psycholog*innen und Mathematiker*innen mittels Netzwerkanalysen und mathematischer Verfahren. Ihr Analyse bezog sich allerdings nicht auf die bekannte HBO-Serie, sondern auf deren literarische Vorlage – die "Das Lied von Eis und Feuer"-Bücher des amerikanischen Autors George R.R. Martin. Das erste Buch der Reihe, das namensgebend für die spätere Serie "Game of Thrones" war, erschien bereits 1996 und hat sich seither mehr als 70 Millionen Mal verkauft.

Neben dem sozialen Gefüge, dass "Game of Thrones" sehr realistisch widerspiegele, sei auch die Abfolge, mit denen Todesfälle beliebter Charaktere oder andere unvorhersehbare Ereignisse eingeführt werden, ebenfalls entscheidend für den Erfolg. Geht doch nichts über ein bisschen Drama! Die Wendungen kämen oft und überraschend genug, um die Leser zu fesseln, aber nicht so oft, dass es die Fähigkeit übersteige, der Handlung zu folgen oder unglaubwürdig erscheine.

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"Game of Thrones" hat jede Menge Drama wie das echte Leben

Für Pádraig MacCarron von der University of Limerick in Irland, der ebenfalls an der Studie mitgewirkt hat, ist das der besondere Reiz an "Game of Thrones", wie er erklärt:

Diese Bücher sind bekannt für unerwartete Wendungen, oft im Hinblick auf den Tod eines Hauptcharakters. Es ist interessant zu sehen, wie der Autor die Kapitel in einer Reihenfolge anordnet, die dies noch zufälliger erscheinen lässt, als es in einer chronologischen Erzählung wäre.

Robin Dunbar von der University of Oxford (Großbritannien), ebenfalls an der Studie beteiligt, sagt: "Diese Studie liefert überzeugende Beweise dafür, dass gute Schriftsteller innerhalb der psychologischen Grenzen des Lesers sehr sorgfältig arbeiten." Na dann haben wir es ja jetzt schwarz auf weiß, wieso wir "Game of Thrones" so geil finden.

Auf Nachschub, egal ob in literarischer Form oder als Bewegtbild, müssen wir allerdings noch ein bisschen warten. George R. R. Martin schreibt noch immer an seiner Romanfortsetzung des Epos, der sich erheblich von der Serie unterscheiden soll. Da hilft auch die Coronavirus-Quarantäne nicht wirklich weiter.

Die Pläne für ein Prequel zur Serie wurden zwischenzeitlich auf Eis gelegt, nun aber doch wieder aufgenommen. Gerade erst wurde der neue Cast bekannt gegeben. In "House of Dragons", das 2022 starten soll, wird der englische Schauspieler Paddy Considine die Rolle von König Viserys I. übernehmen, der 300 Jahre vor der eigentlichen "Game of Thrones"-Handlung gelebt hat.

[Text: Zusammen mit dpa/sw]

  • Quelle:
  • NOIZZ.de