Wir haben die fragwürdigsten Folgen rausgesucht.

Wie viele Partys wohl schon eine hitzige Diskussion über allseits-bekannte Serien gerettet hat, ist ein Wunder der Natur. Sie verbinden uns alle, diese süchtig-machenden Folgen, die einen ohne viel Mühe in ihren Bann ziehen – weil es spannend ist, anderen beim Leben zuzugucken, ohne selber einen Finger zucken zu müssen. Besonders, wenn die Shows dir auch noch ein ziemlich lustiges Leben vorleben.

Doch wenn man aus heutiger Sicht auf manche vergangenen Lieblingsserien zurückschaut, dann bleibt einem manchmal das Lachen im Hals stecken. Man merkt, wie stark sich die Serien eigentlich an Stereotypen bedienen, um einen universellen Humor anzusprechen. Dieser Humor ist aus heutiger Sicht aber einfach nur noch sexistisch und veraltet. Lustig ist das nur unter Ausblendung sämtlicher Prinzipien.

Wir haben euch sechs Folgen unserer ehemaligen Lieblingsserien herausgesucht, bei denen wir ganz stark Prinzipien ausblenden müssten, um darüber noch lachen zu können. Komisch, dass uns das damals noch nicht aufgefallen ist. 

1. "Friends"

Staffel 3 Folge 4: "Die andere Seite des Tunnels" (1996)

"'Friends' sexistisch? Niemals!" – hätten vor 25 Jahren Fans der US-amerikanischen Sitcom gesagt. Heute sieht die Lage anders aus: "Friends" gibt es mittlerweile seit einem Vierteljahrhundert und die Welt hat sich gewandelt. Wir sehen die Erfolgsserie über die New Yorker Freunde Ross, Rachel, Chandler, Monica, Joey und Phoebe mit anderen Augen. Gemeine Sprüche über die jüngere, dickere Version von Rolle Monica, Joey, der Frauen immer wieder als Objekte betrachtet – und Chandler, der ums Verrecken bloß nicht schwul wirken will. "Sexismus und Bodyshaming lassen grüßen", heißt es da jetzt. Solche Storylines würden es heute wohl eher nicht mehr in eine Top-Sitcom schaffen.

Und auch die Art und Weise, wie Ross seinen Sohn erzieht, würde 2019 zu Diskussionen und Shitstorms führen. "Was macht mein Sohn mit einer Barbie?", fragt Ross entrüstet in Staffel drei, als der kleine Ben mit einer der blonden Plastikpuppen spielt. Die neueste Lieblingsspielsache seines Jungen passt ihm so gar nicht in Plan – und: Er setzt alles daran, das typische Mädchenspielzeug von ihm fernzuhalten. Szenen, die eine ganz klare Sprache sprechen: Jungs dürfen nicht mit Mädchensachen spielen, genauso wie Männer keine Frauenklamotten tragen oder sich zu feminin geben sollen. Denn wir wissen ja alle: Eine Frau zu sein oder feminine Züge zu haben ist definitiv die schlechte Option. Die bessere Wahl ist es immer, ein "richtiger Kerl" zu sein.

Natürlich alles Quatsch und deshalb heute so nicht mehr vertretbar. Die Szenen kannst du die trotzdem hier ab Minute 5:22 noch einmal reinziehen:

>> Sexismus und Bodyshaming: Kann man "Friends" heute noch gucken?

2. "Big Bang Theory"

Staffel 2 Folge 17: "Das Placebo-Bier" (2009)

Big Bang Theory ist lustig, weil die Sitcom so gnadenlos mit Stereotypen spielt. Nerds, Püppchen, Bodybuilder, Jesus-Freaks – hier wird das gesamte Personal ziemlich schwarz/weiß gezeichnet. Das ist an sich auch kein großes Problem – zumindest wenn man auf den Brachialhumor der Serie steht (wir gestehen: schuldig!) Allerdings fallen einem hin und wieder Details auf, die einen dann doch etwas ratlos zurücklassen.

Grundregeln der Serie: Es ist das Allerschlimmste für eine Frau, fett zu sein. Wer fett ist, hat in der Lebenslotterie verloren! Männer sind absolut dauergeil und würden am liebsten alles vögeln, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Frauen wollen entweder gar keinen Sex und nutzen selbigen nur, um den Mann auszunutzen. Oder aber Frauen wollen Sex – dann sind es aber so richtig hungrige Biester (wie etwa Leslie Winkle).

Neben all dem ist uns aber eine Folge besonders aufgefallen: Die Truppe um Sheldon Cooper reist elf Stunden mit dem Zug nach San Francisco. Im selben Abteil wie die Lieblingsnerds sitzt auch Summer Glau, Schauspielerin aus Terminator, die sich in dieser Folge selbst spielt. Howard Wolowitz möchte sofort loslegen und sie anbaggern, seine Chancen stehen seiner Meinung nach nicht schlecht, denn: Die begehrte Schauspielerin sitzt elf Stunden lang mit ihm fest und hat kein entkommen. Irgendwann wird sie sich schon ergeben und erkennen, dass Wolowitz der Mann ihrer Träume ist. Sein genauer Wortlaut ist "Wenn sie sich nicht aus einem fahrenden Zug den Berg hinunter werfen will, wird sie schließlich dem exzellenten Geschmack von Howard Wolowitz unterliegen."

Was "irgendwie auch witzig" ist, weil es natürlich so aussichtslos ist, was Wolowitz hier versucht, ist eigentlich ein wenig erschreckend: Wenn eine Frau kein Entkommen hat, kann man sie so lange bearbeiten, bis sie sich ergibt. Bis aus einem "nein" halt ein "ja" wird – weil sie ja eigentlich sowieso nicht weiß, was sie will. Vor allem im Bezug auf Wolowitz kommen derart geschmacklose Frauenbilder ständig zum Tragen. Wir wissen alle: Erst steht er unter dem Pantoffel seiner Mutter, später unter dem seiner Ehefrau. Macht es das besser? Wäre die Serie immer noch lustig, wenn Wolowitz Frauen gegenüber respektvoll wäre? Keine Ahnung – unangenehm ist einem die Message, die hier rüberkommt dennoch.

3. "Eine Schrecklich Nette Familie"

Staffel 1 Folge 1 (1987)

Die Serie dreht sich um den erfolglosen Schuhverkäufer Al Bundy und seine Familie. Bundy ist mit seiner Frau Peggy verheiratet und der Vater von zwei Kindern, Kelly und Bart. Früher mal ein vielversprechender Football-Spieler, arbeitet er nun als Schuhverkäufer, um seine Familie zu versorgen. In der Serie beschwert er sich hauptsächlich über die Strapazen, die seine Nachbarn und Familie ihm bereiten – die Serie ist aber trotz, oder gerade wegen des gleichbleibenden Inhalts zum Klassiker geworden. Wer nach Sexismus in der Serie sucht, muss nicht lange – oder eher gar nicht suchen.

Schon im Intro sieht man Bundy grummelig auf dem Sofa sitzen, während von hinten seine Frau ins Bild kommt – und er ihr schlecht gelaunt Geld zusteckt, das sie sich in den Ausschnitt schiebt.

Auch die erste Folge der Serie ist an Sexismus kaum zu toppen. Als dort die Familienmitglieder nach und nach vorgestellt werden, ist es vor allem Tochter Kelly, die durch überkommene Klischees auffällt. So macht sie zum Beispiel ein riesiges Drama darum, dass ihr Vater ihr kein Geld mehr für Haarbleich-Creme geben will, wird als dümmer als ihr Bruder dargestellt und muss sich von ihrem Vater Sprüche über ihr Aussehen anhören – nach denen jedes Mal die Lachkonserve an geht. Frauen werden als materialistische Objekte dargestellt, die "dem Mann" nur Geld kosten – und auch auf ihn angewiesen sind.

4. "Gilmore Girls"

Staffel 6 Folge 6: "Wahnsinn mit Methode" (2005)

Gilmore Girls ist die wundervolle Akkumulation der Nuller Jahre, zusammengestaucht in 153 Folgen und einem enttäuschenden Reboot. Rory und Lorelai ist der Mutter-Tochter-Gespann-Traum jedes Elternratgebers und beide leben in einer Welt, in der es nie wirklich ernst zu nehmende Probleme gibt.

Die jugendliche Rory ist in der Serie ein intelligenter Überflieger, der manchmal ein bisschen socially awkward ist – aber trotzdem immer zu 100 Prozent liebenswert. Sie ist aufgeklärt, versiert, denkt nicht nur an sich selbst und arbeitet an einer Karriere als Journalistin.

Umso fragwürdiger die Birkin-Bag-Szene aus der sechsten Staffel, in der Rory von ihrem Freund Logan eine Tasche geschenkt bekommen. Da sie nicht viel von Marken versteht, ist ihre erste Reaktion: "Oh, eine Tasche!" Daraufhin fragt sie Logan, ob die Tasche ihr wohl gefalle. Rory erwidert daraufhin die jedes Feministen-Herz-zerschmetternden Worte: "Hallo? Ich bin ein Mädchen, und das ist eine Tasche!" Damit reiht sich Rory plötzlich ein in das gängigste Klischee der Welt: Frauen lieben aus irgendeinem Grund Taschen.

Im Gespräch mit ihrer Großmutter wird sie dann belehrt, die teure Markentasche zu schätzen und allen zu zeigen. Schade irgendwie, dass das Mädchen, dass sich sonst über Intelligenz und ambitionierte Träume definiert, mittels dieser Szene trotzdem wieder in ein Stereotyp gezwängt wird, dass Frauen als materialistische Beauty-Queens darstellt.

Trotzdem ist "Gilmore Girls" trotz mancher konservativen Ansichten eine Serie, die nicht als komplett sexistisch bezeichnet werden kann. Schließlich wird immer wieder klar gemacht, dass weder Lorelai noch Rorys Glück von der Gunst eines Mannes abhängt – selbst, wenn die Gesellschaft das immerzu von ihnen erwartet.

5. "Sailor Moon"

Staffel 1 Folge 17: "Das Fotomodell" (1992)

Eigentlich macht die japanische Anime-Serie "Sailor Moon" von Naoko Takeuchi so vieles richtig, dass es schwerfällt, sie für Sexismus abzustrafen. Aber ja, auch die Größten machen Fehler. Ein Paradebeispiel ist die Folge mit dem vielsagenden Titel "Das Fotomodell". Die Story ist genau das, wonach es klingt: Ein gut aussehender, aufstrebender Star-Fotograf namens Takahito Shinokawa, besucht Bunnys, also Sailor Moons Schule, um Models zu finden.

Nicht fragwürdig genug, dass ein erwachsener, volljähriger Fotograf an eine Mittelschule, voller minderjähriger Mädchen geht, um sich Models zu suchen, nein, es kommt noch besser. Er will sie in Bademode in einem Hotelzimmer shooten. Bunny und ihre Freundinnen sind so heiß darauf, Models zu werden, dass sie all ihre feministischen Ideale und Stolz kurzerhand vergessen, und sich natürlich auch bewerben. Sie üben gehen, singen und schön aussehen. Alle schwärmen für den Fotografen und hecheln ihm hinterher, weil er die Entscheidungsmacht hat.

Was folgt, ist eine Serienepisode, die Mädchen bis zu dem Punkt, an dem sich Bunny endlich in Sailor Moon verwandelt, weil der Fotograf natürlich auf der bösen Seite ist, ausnahmslos als Objekte dargestellt werden, die nur schön auszusehen haben.

Etwa, als Bunny beim Casting im Hotel auf ihre Lehrerin Haruna Sakurada und Freundin Naru trifft, die beide besorgt um Bunnys Gewicht sind. Das Mädchen ist 14, Alter! Bunny und ihr Gewicht, weil sie ausnahmslos gerne isst, sind ein Faktor, der schrecklich oft in der Serie angesprochen wird. So etwa auch in der Folge "Die Abmagerungskur". Zwar wird Bunny von ihren echten Freundinnen oft genug unterstützt, dass es egal sei, die Gesellschaft setzt sie trotzdem ständig unter Druck, noch schlanker zu werden – am extremsten in dieser Folge. Und alles nur, um perfekt für einen Mann auszusehen. Perfider Weise gibt es in der Folge sogar ein Mädchen, das keinen echten Namen hat. Sie wird nur "die dicke Freundin von" genannt.

Zum Glück liest Bunnys Sailor-Moon-Ich dem Fotografen gehörig die Leviten. Am Ende verkündet er im Fernsehen seinen Rückzug aus der Branche. Ein "nettes Mädchen" habe ihn darauf hingewiesen, dass wahre Schönheit von innen käme. Thank God!

6. "How I Met Your Mother"

Staffel 4 Folge 11: "Im Exil" (2008)

Als ein Klassiker der Serien-Welt etablierte sich "How I Met Your Mother" zu einer Serie, die man einfach irgendwann irgendwie mal geschaut haben muss. Für diejenigen unter euch, die unter einem Stein gelebt haben: Es geht darin um Ted, der über neun Staffeln hinweg die Frau seines Lebens sucht. Dabei unterstützen ihn seine vier Freunde Marshall, Lily, Robin und Barney.

Neben den beiden Frauen in seinem Freundeskreis treten die meisten Frauen lediglich auf, um als potenzieller Partner und/oder Sex-Objekt in Frage zu kommen. Besonders Barney ist ein Vorantreiber dieses Bilds. Einer seiner Haupt-Charakterzüge ist, dass er andauernd Frauen "dazu bekommt", mit ihm zu schlafen. Danach findet er kreative Wege, um sie wieder "abzuwimmeln" und sucht sich die Nächste.

Genauso macht er das auch in der Folge, wo Teds Schwester Heather zu Besuch in New York ist. Zum Anfang der Folge gibt es eine Sequenz, in der Barney nur Bilder von Heather auf Weihnachtsgrußkarten sieht und jedes Mal ein Weihnachtslied neu interpretiert, indem er davon singt, wie er Sex mit ihr hat. Heather wird dabei reduziert zu einem Objekt für Barney’s Vergnügen.

Als Heather dann nach New York kommt, geht es die ganze Zeit auch nur darum, ob sie jetzt mit Barney geschlafen hat oder nicht. Dass sie mittlerweile zu einer möglicherweise verantwortungsbewussten Frau herangewachsen ist, das übersieht Ted. Der Fokus der Serie liegt immer darauf, inwiefern eine Frau mit jemandem schläft oder auch nicht. Charakterzüge, wie vielleicht andere Männer in der Serie sie haben, gehen dabei verloren und sie verwandeln sich in lediglich ein Sex-Objekt.

An welche Szenen eurer Lieblingsserien könnt ihr euch noch erinnern, die ein nicht gleichberechtigtes Geschlechterbild zeigen? Diskutiert mit anderen Serien-Junkies in unserer Facebook Gruppe "Süchtig nach Serien"!

>> Fem as Fuck #2: Darf ich als Feministin "Bachelor(ette)" schauen?

Quelle: Noizz.de