Humor und Feminismus werden in deutschen Comedy-Serien leider noch immer ziemlich selten zusammengebracht. Erfrischend anders war da die Joyn-Produktion "Frau Jordan stellt gleich" über die täglichen Problemfelder eines Gleichstellungsbüros, irgendwo in Deutschland. Zum Start der zweiten Staffel hat Hauptdarstellerin Katrin Bauerfeind uns verraten, wieso niemals eine bessere Zeit als Jetzt für Frau Jordan war.

Es ist soweit. Der Herbst ist da. Nicht, dass wir in dieser verregneten Jahreszeit nicht ohnehin schon vorgehabt hätten, uns des Öfteren aufs Sofa zu lümmeln und uns gechillt eine Serie nach der anderen reinzuziehen.

Durch den Lockdown-November gewinnt dieses Game aber noch einmal eine ganz andere Dimension – und ob ihr es glaubt oder nicht: Auch ein deutsches Serienhighlight solltet ihr euch zu Gemüte ziehen. Das kommt diesmal erstaunlicherweise nicht von Netflix, sondern läuft auf Joyn PLUS, dem Streamingdienst von ProSieben. Dort könnt ihr euch nämlich auf die zweite Staffel von "Frau Jordan stellt gleich" freuen.

>> Hier könnt ihr nochmal unsere Rezension zur ersten Staffel von "Frau Jordan stellt gleich" lesen: Endlich eine smarte Serie über Feminismus und Almantum

Die Serie aus der Feder von "Stromberg"-Schöpfer Ralf Husmann und mit Moderatorin Katrin Bauerfeind in der Hauptrolle als Gleichstellungsbüro-Leiterin Eva Jordan war nicht nur erfrischend witzig sondern vor allem auch: ziemlich klug. Genau da knüpft Staffel zwei jetzt an.

"Manchmal muss man eben scheiße sein, um so richtig gut zu sein – für das große Ganze", sagt Eva Jordan und bringt es damit ziemlich gut auf den Punkt.

Die wohlige Gleichstellungsbüro-Familie ist keineswegs immer politisch korrekt und tritt in jede Menge Fettnäpfchen, manchmal auch mit voller Absicht – und gerade das ist, es was vielen deutschen Comedy-Serien manchmal fehlt, um richtig gut zu sein.

Hier gibt es einen Vorgeschmack auf "Frau Jordan stellt gleich":

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Und so geht es in der zweiten Staffel weiter:

Nachdem Eva Jordan (Katrin Bauerfeind) die Wahl zur Bürgermeisterin verloren hat, muss sie mit ihrer Erzrivalin Frau Sommerfeld (Adina Vetter) als Vorgesetzte rumplagen – und gleich mal eine Budgetkürzung im Gleichstellungsbüro quasi als Rache einkassieren. Eine Planstelle soll gekürzt werden. Das bedeutet auch, Evas A-Team aus Philipp (Alexander Khuan), Yvonne (Nathalia Belitski) und Renate (Mira Partecke) ist nicht mehr ganz so entspannt, schließlich könnte einer von ihnen bald schon keinen Job mehr haben. Oder trifft es am Ende sogar Eva selbst?

Auch privat geht es bei allen turbulent zu. Neben komplizierten Fällen auf der Arbeit muss sich etwa Philipp fragen, ob er wirklich auf eine Zukunft mit seiner On-Off-Beziehung Eva bauen möchte. Yvonne hingegen ist zum ersten Mal in ihrem Leben so richtig verknallt und weiß gar nicht so Recht, was sie mit dem Gefühl anfangen soll, während Renate sich von allem und jeden unterschätzt fühlt. Probleme, die wir alle irgendwoher kennen.

Und Eva? Die versucht in erster Linie mal wieder mit sich selbst klar zu kommen – ohne, dass ihr Ego ihr im Weg steht.

Na, das kann ja heiter werden. Der Mix aus spannenden – übrigens echten – Fällen mit jeder Menge Relevanz auch für unseres eigenes Miteinander im Alltag und den privaten Konflikten, die all die Protagonist*innen in "Frau Jordan stellt gleich" mit sich schleppen, macht diese Serie vielleicht zu dem unterhaltsamsten, was ihr euch im November anschauen könnt – und ehe ich hier jetzt weiter rezensiere bis zum geht nicht mehr, lassen wir doch lieber diejenige sprechen, die sich am besten mit der Serie auskennt.

Zum Start der neuen Staffel konnten wir uns mit Katrin Bauerfeind übers Spießigsein und den deutschen Humor austauschen, aber auch darüber, wie es ist, eine Serie mitten in einer Pandemie zu drehen.

Wir haben mit Katrin Bauerfeind über Humor, Klischees und eine bessere Welt gesprochen

Auch "Fridays For Future" spielt eine Rolle in der neuen Staffel von "Frau Jordan stellt gleich".

NOIZZ: Ganz ehrlich: Wie überrascht warst du, dass es eine zweite Staffel zu "Frau Jordan stellt gleich“ gibt? Schließlich ist das Thema Gleichstellung nicht Everybody's Darling.

Katrin Bauerfeind: Ich freue mich einfach, dass wir noch eine machen dürfen. Wir behandeln ja echte und aktuelle Fälle, und diese Kombi aus gesellschaftlich relevantem Thema und Comedy-Serie, die es in Deutschland nicht so oft gibt, find ich total spannend, weil man mit Humor auf ein Thema aufmerksam machen kann, das unglaublich wichtig ist: Gerechtigkeit!

Denn es geht bei Gleichstellung nicht nur um Mann und Frau, wie fälschlicherweise oft angenommen wird, sondern um alle benachteiligten Minderheiten. Die Reaktionen, die wir bekommen, sind deswegen auch wahnsinnig positiv. Mein Lieblingszitat kommt allerdings von einer schwäbischen Freundin, die eher das klassisches Rollenmodell lebt: "Super Serie! Ich wusste gar nicht, dass ich so benachteiligt bin!" Das ist für mich das größte Kompliment.

NOIZZ: War es einfacher, die erste oder zweite Staffel zu drehen?

Katrin: Ich hab halt nur Bretter an Schauspielern im Gleichstellungsbüro! Das sind so überragende Schauspieler, ich hatte in der ersten Stafel hauptsächlich Schiss, die denken: "Die Moderatorin kann doch nicht spielen, die zieht uns alle runter!" Aber das Gegenteil ist passiert, die haben mich auf ihr Level gezogen.

In der zweiten Staffel kam dann aber natürlich die Frage auf: Wie kann man dieses Niveau halten und die Charaktere trotzdem weiterentwickeln, um spannend zu bleiben? Eine der größten Herausforderungen in Staffel zwei war aber der Dreh unter Coronabedingungen, mit Tests plus freiwilliger Quarantäne und ohne Erfahrung, wie's geht, denn wir waren eine der ersten, die im Mai wieder angefangen haben zu produzieren. Ich hab drei Monate quasi nur mit den Menschen verbracht, die man in der Serie sieht, und dachte zwischendurch tatsächlich, ich arbeite in einem Gleichstellungsbüro und habe einen ganz normalen Job. (lacht)

Szene aus "Frau Jordan stellt gleich"

NOIZZ: Als die erste Staffel startete, waren die Rezensionen gemischt. Neben vielen positiven Stimmen, gab es auch einige, die es zu platt gefunden haben …

Katrin: In Deutschland wird der Fokus ja gern schnell aufs Negative gelegt, deswegen muss ich hier korrigieren: Wir behandeln ein ernstes Thema und wissen alle, dass das in Deutschland nicht unbedingt für eine Comedy-Serie spricht, weil immer alle denken, wenn gelacht wird, nehme man die Sache nicht ernst. Dabei ist das Gegenteil der Fall, und genau das, nämlich ernste Themen über Humor zu verkaufen, ist gute Comedy.

Also ich war überrascht, denn die meisten Kritiker haben verstanden, was wir wollen und waren überaus positiv! Aber klar kommt vor, dass jemand den Humor nicht teilt. Meine Meinung ist: Es ist eine der besten deutschen Serien, die in den vergangenen zehn Jahren gemacht wurde. Der Zuschauer kann sich ja jetzt selbst ein Urteil bilden.

NOIZZ: In jeder Folge wird ja ein neuer 'Problemfall' für das Gleichstellungsbüro präsentiert – hast ein Lieblingsthema, das behandelt wurde?

Katrin: Bei uns in der Serie gibt es nicht nur gut und böse, die Gleichstellungsbeauftragte ist nicht die Robin Hood für Benachteiligte. Sie will's gut machen und liegt dabei oft sehr falsch. In einer Folge der neuen Staffel geht es um Mobbing, und während im Stadthaus ein großes Event dazu veranstaltet wird, um auf das Thema aufmerksam zu machen, holt Eva eine ewig alte Geschichte ein, die in den Neunzigern als Witz durchging und heute Fat Shaming heißen würde.

Das ist das Tolle an der Serie: Nichts ist schwarz-weiß, und sie spannt den Bogen von einem gesellschaftlichen Problem wie Mobbing hin zum Umgang einer einzelnen Person im Privaten damit. Deswegen hab ich auch kein Lieblingsthema, weil jede Folge diese Momente hat, die einen nochmal nachdenken lassen.

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Im Gleichstellungsbüro passieren manchmal nicht so angenehme DInge ...

NOIZZ: Für mich ist die Serie auch ziemlich Alman-mäßig – dieser ganze Verwaltungskram, die Hierarchien, wie alles sein müsste oder eher sollte und wie spießig wir manchmal doch sind. Glaubst du, das ist auch ein Teil des Erfolgs von "Frau Jordan stellt gleich"?

Katrin: Wenn man Comedy macht, kommt immer schnell die Frage auf: 'Ja, aber ist das nicht alle nur Klischee?' Und ich sage dann: 'Klischees kommen auch immer irgendwo her.' Und stimmt doch, die Deutschen sind unlocker. Das ist ja auch was Gutes, weil bei uns alles funktioniert. Wenn ein Laden von neun bis zwölf Uhr geöffnet hat, stimmt das auf die Minute.

In anderen Ländern ist man lockerer, kommt aber zwei von den drei Stunden nicht an das Medikament, das man haben wollte, weil der Laden einfach zu ist, obwohl an der Tür was anderes steht. Und das Büro ist natürlich auch etwas sehr Deutsches und so eine städtische Struktur mit klaren Regeln und Formularen bringt die Comedy quasi schon mit – in jeder Ecke steht ein Witz, den man mitnehmen kann. Machen wir auch!

NOIZZ: In den vergangenen Jahren hat sich zum Glück zumindest in der Serien- und Filmwelt einiges getan, wenn es um starke Frauenrollen geht, vieles wird diverser umgesetzt und lange nicht mehr so eindimensional. Hast du das Gefühl, dass das auch dabei hilft, in unserer Gesellschaft cooler mit Genderrollen und Gleichberechtigung umzugehen?

Katrin: Klar, ich finde wichtig, zu zeigen, was ist und was es gibt! Das baut Vorurteile ab. Ich weiß noch, wie sich vor Ewigkeiten in der Lindenstraße zum ersten Mal zwei Männer geküsst haben. Da sind ja alle aus dem Häuschen gewesen. Heute ist das normal.

Das gilt übrigens auch für andere Bereiche. Wenn Horst Seehofer heute ein Bild mit seinen Mitarbeitern aus dem Heimatministerium macht und da keine Frauen drauf sind, fällt das auf, und zwar negativ. Es ist noch nicht so lange her, da wäre das niemandem aufgefallen, weil es zu normal war. Und ich bin ja der festen Überzeugung, dass genau diese Themen Humor brauchen, weil sie zum einen erträglicher und zum anderen für alle zugänglicher werden. Und um Eva Jordan zum Thema Gleichstellung zu zitieren: "Ich glaube, dass wir dadurch eine bessere Gesellschaft bekommen. Wir alle. Auch die Männer. Grade die Männer." Dem kann ich mich nur anschließen.

Die neue Staffel von "Frau Jordan stellt gleich" kannst du ab dem 5. November 2020 auf Joyn PLUS streamen. Auf ProSieben soll die zweite Staffel dann 2021 laufen.

  • Quelle:
  • NOIZZ.de