Und wieso hat "Game of Thrones" mit der langweiligsten Staffel aller Zeiten trotzdem alles gewonnen? 6 Gedanken zu den Emmys 2019.

Die Emmys, der renommierteste und damit wohl auch einer der wichtigsten US-TV-Preise, ist immer für eine Überraschung gut. In der Nacht von Sonntag auf Montag wurden sie zum 71. Mal verliehen.

In rund 120 Kategorien konnten etwa 24.000 Mitgliedern der Television Academy entscheiden, wer den Preis vergeben soll. Bei der Gala, in diesem Jahr zum vierten Mal in der Geschichte ohne Moderator, stehen allerdings die Hauptkategorien im Mittelpunkt. Dort räumten neben den üblichen Verdächtigen auch einige Exoten ab, die wir so gar nicht auf dem Schirm hatten. Etwa ...

1. Was zur Hölle ist dieses "Fleabag" und wieso hypen alle es, außer wir in Deutschland?!

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Die Antwort ist simpel: Weil wir hinterm Mond leben. Seit Monaten ist meine Timeline bei Insta, Facebook und Twitter voll mit "Fleabag". Ist mir die Serie einmal von Amazon empfohlen worden? Habe ich einmal den Trailer gesehen? Ist mir irgendwann einmal ein deutschsprachiger Artikel zu der Serie begegnet? Nein, nein und nochmals nein.

Jetzt aber ist "Fleabag" der Abräumer der Emmys geworden. Die erste Staffel lief bereits 2016 auf BBC 3, auf die Fortsetzung mit zweite Staffel musste man bis Mai diesen Jahres warten – dann nämlich entschied sich Amazon Prime Video die Serie zu zeigen.

Wenn ich mir den Plot anschaue, denke ich mir: voll meins. Fleabag lebt in London und betreibt dort ein eher mies laufendes Café. Das hat sie mit ihrer besten Freundin Boo eröffnet, die aber gestorben ist. Der Tod ist Ausgangspunkt der Serie: Um die Aufmerksamkeit ihres Freundes zurückzugewinnen, der mit einer anderen Frau geschlafen hat – später stellt sich heraus, dass es Fleabag war – wollte Boo einen Unfall verursachen, bei dem jedoch sie und zwei weitere Menschen starben. Fleabag versucht, sich im Londoner Großstadtleben abzulenken mit Affären, zu vielen Drinks und allem anderen.

Es ist ein bisschen wie mit "Marvelous Mrs. Maisel" – das hatte vor den Emmys 2018 bei uns auch kaum einer auf dem Schirm. "Fleabag" überzeugt auch mit einer starken weiblichen Hauptrolle und konnte mehrere Preise am Abend abräumen: Phoebe Waller-Bridge konnte mit ihrer Amazon-Comedy-Serie den Preis als beste Comedy-Serie, bestes Drehbuch und als beste Darstellerin holen.

2. Hat "Game of Thrones" ein Emmy-Abo?

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Ja, die meisten haben das Ende von "Game of Thrones" und dass es so gar nicht den Ansprüchend er Fans gerecht geworden ist, noch immer nicht so richtig verkraftet. War trotzdem irgendwie klar, dass die Serie bei ihren wirklich letzten Emmys dann doch noch mal groß abräumen würde.

Es ging sogar soweit, dass GoT einen Rekord bei der Preisverleihung eingestellt hat. Nach acht erfolgreichen Staffeln gewann die im Mai zu Ende gegangene Serie in Los Angeles zwei Preise. Zum einen die Auszeichnung als beste Drama-Serie und den Preis für Peter Dinklage als bester Nebendarsteller in einer Drama-Serie – zusätzlich zu den zehn Trophäen, die sie bereits zuvor in Nebenkategorien eingesammelt hatte.

Bereits 2015 und 2016 hatte die Serie, deren Abschlussstaffel mit der Rekordanzahl von 32 Nominierungen in die Emmy-Verleihung gegangen war, je zwölf Auszeichnungen bekommen. Das Publikum feierte die Schauspieler der HBO-Serie, die in den Jahren zuvor bereits 38 Auszeichnungen eingesammelt hatte. "Wir haben nur geschwitzt und wir haben nur gelacht", sagte Darsteller Dinklage in seiner Dankesrede. "Ich würde es sofort wieder machen."

Damit ist ja jetzt aber zum Glück Schluss. Platz für neue Serien, die Preise abräumen können.

3. Wer kein Netflix-, Amazon-Prime- oder HBO-Abo besitzt verpasst das Seriengame total

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Nur vier Serien in den Hauptkategorien liefen nicht auf einem der drei Sender: "Crazy Ex-Girlfriend" lief offiziell auf dem US-Sender CW an, "Pose" auf FX, "Killing Eve" auf BBC America und "World Of Dance" auf NBC.

Auch in den sonstigen Preiskategorien hatten die anderen Sender das nachsehen: Zusammengezählt mit den Nebenkategorien sammelte der Premium-Kabelfernsehsenders HBO mit 34 die meisten Trophäen ein, dahinter folgte der Streamingdienst Netflix mit 27, Amazon mit 15, National Geographic mit 8 und der TV-Sender NBC mit 7.

Was lernen wir also daraus? Wer am Puls der Zeitsein will und wirklich wissen will, was gerade in der Serienwelt abgeht, muss sich mindestens ein Streaming-Abo zulegen.

4. Schon mal von "Veep - die Vizepräsidentin" gehört?

"Veep – die Vizepräsidentin" ist bereits vielfach Emmy-prämiert, kennt hier aber keiner. Darin geht es um eine skrupellose Spitzenpolitikerin mit unfähigem Team. Im Mai war nach sieben Staffeln Schluss. Hauptdarstellerin Julia Louis-Dreyfus galt zuvor für ihre Rolle als Präsidentin Selena Meyer bis 2017 schon sechs Emmys gewonnen.

Sie hatte dann eine schwere Krebserkrankung überwunden und nach ihrer Genesung die nun zur Wahl stehende siebte und letzte Staffel abgedreht – aber bekam in der Kategorie der besten Hauptdarstellerin in einer Comedy-Serie zur großen Überraschung vieler Beobachter in diesem Jahr keinen Emmy.

5. Diversität siegt auch bei den Emmys

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Billy Porter gewann als erster offen homosexueller Mann in der Kategorie bester Hauptdarsteller in einer Drama-Serie für seine Rolle in "Pose". Die Serie beschäftigt sich mit der LGBTQ-Community, ihren Zusammenhalt und Problemen in Harlem, einen Stadtteil von New York. Der Hauptcharakter ist eine HIV-postive Transfrau, die sich in verschiedenen Nonprofit-Organisationen für ihren Stadtteil einsetzt.

2015 hatte bereits Viola Davis Emmys-Geschichte geschrieben. Für ihre Hauptrolle in "How To Get Away With Murders" wurde sie als erste schwarze Darstellerin überhaupt ausgezeichnet. Vier Jahre später zieht Billy Porter nun also nach.

6. Ach ja, und hier nochmal alle Gewinner im Überblick – falls es euch interessiert:

Outstanding Comedy Series: "Fleabag"

Bester Hauptdarsteller in einer Comedy-Serie: Bill Hader für seine Rolle in "Barry"

Beste Hauptdarstellerin in einer Comedy-Serie : Phoebe Waller-Bridge für ihre Rolle in "Fleabag"

Bester Nebendarsteller in einer Comedy-Serie: Tony Shalhoub für seine Rolle in "The Marvelous Mrs. Maisel"

Beste Nebendarstellerin in einer Comedy-Serie: Alex Borstein für ihre Rolle in "The Marvelous Mrs. Maisel"

Bester Gast-Darsteller in einer Comedy-Serie: Luke Kirby in "The Marvelous Mrs. Maisel"

Beste Gast-Darstellerin in einer Comedy-Serie: Jane Lynch in "The Marvelous Mrs. Maisel"

Beste Regie Comedy-Serie: "Fleabag", Folge 1, Harry Bradbeer

Bestes Skript Comedy-Serie: "Fleabag", Folge 1, Phoebe Waller-Bridge

Bestes Drama: "Game of Thrones"

Bester Hauptdarsteller in einem Drama: Billy Porter in "Pose"

Beste Hauptdarstellerin in einem Drama: Jodie Comer in "Killing Eve"

Bester Nebendarsteller in einem Drama: Peter Dinklage in "Game of Thrones"

Beste Nebendarstellerin in einem Drama: Julia Garner in "Ozark"

Bester Gast-Darsteller in einem Drama: Bradley Withford in "The Handmaid's Tale"

Beste Gast-Darstellerin in einem Drama: Cherry Jones in "The Handmaid's Tale"

Beste Choreographie in einem geskriptetem Format: "Crazy Ex-Girlfriend" in der Folge "Routines: Don't Be a Lawyer, Antidepressants Are So Not a Big Deal", Choreographie von Kathryn Burns

Beste Choreographie in einem Varietee oder Reality-Format: "World of Dance" von NBC, Choreographie von Tessandra Chavez

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[Text: Zusammen mit dpa]

Quelle: Noizz.de