Im Corona-Jahr könnte der Emmy als wichtigster US-Fernsehpreis den Oscars den Rang ablaufen. Nun sind die Nominierungen raus und zeigen: Es könnte ein Zweikampf zwischen dem Streaming-Anbieter Netflix und dem Pay-TV-Sender HBO werden. Mit "Unorthodox" ist sogar eine deutsche Produktion nominiert.

Seit einigen Jahren werden die Emmys für Hollywood immer wichtiger – das liegt vor allem an Netflix, Amazon Prime und Co., die mit ihren Serienproduktionen unsere Sehgewohnheiten ziemlich verändert haben. Im Coronajahr 2020, wo Kinosäle lange geschlossen waren und viele Filmstarts auf 2021 verschoben wurden, scheint die Serienwelt gleich noch mal spannender. Umso heißer wurden die nun verkündeten Emmy-Nominierungen für die 72. Ausgabe erwartet. Es wird ein Battle zwischen HBO und Netflix.

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So wurde die deutsche Netflix-Miniserie "Unorthodox“ in der Kategorie "Beste Miniserie" nominiert, Hauptdarstellerin Shira Haas als beste Schauspielerin in einer Miniserie. In den vier Folgen der Serie, die auf Jiddisch, Englisch und Deutsch abgedreht wurde, geht es um die Emanzipationsgeschichte einer ultra-orthodoxen Jüdin aus der Religionsgemeinschaft der Satmarer in Brooklyn, die in der deutschen Hauptstadt Berlin ein neues Leben beginnen will.

Enttäuschend hingegen, dass sowohl Schauspielerin Indya Moore nicht für ihre Rolle in der FX-Serie "Pose", als auch Newcomerin Jules Vaughn in "Euphoria" nicht für einen Emmy nominiert wurden. Für die LGBTQ-Szene nicht nachvollziehbar und ein weiteres Zeichen, dass es noch immer krasse Rückstände in der Branche gibt. Immerhin wurde "Pose" insgesamt für fünf Emmys nominiert, darunter auch Billy Porter als bester Hauptdarsteller in einer Drama-Serie.

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Die Streamingdienste haben die Vormacht im Serienbusiness

Die Serie mit den meisten Nominierungen ist die Comic-Adaption "Watchmen" mit 26, sowie "The Marvelous Mrs. Maisel" über eine jüdische Hausfrau und Mutter in New York mit insgesamt 20 Nominierungen. Beide Serien laufen auf Amazon Prime Video. Aber auch "The Crown“ und "Stranger Things" von Netflix können sich Hoffnungen auf den Preis für die beste Drama-Serie machen.

In dieser Kategorie ist auch "Succession" über ein mächtiges Medienimperium von HBO nominiert. Der Pay-TV-Sender geht auch in der Rubrik der besten Comedy-Serie mit "Lass es, Larry", einer Impro-Comedy-Sendung mit "Seinfeld"-Produzent Larry David, und "Insecure" mit der Schwarzen Darstellerin Issaa Rae in der Hauprtolle ins Rennen, Netflix mit "Schitt's Creek", "Dead to me" und "The Kominsky Method" ins Rennen.

Die Emmys werden in Dutzenden Kategorien von etwa 23.000 Mitgliedern der Television Academy vergeben. 2020 fallen die Preise in ein Krisenjahr, in dem Fernsehen für viele Menschen weltweit wegen weitgehender Corona-Ausgangsbeschränkungen eine besondere Bedeutung erhielt. Deshalb wurde auch die Nominierungszeremonie virtuell abgehalten. Die Preisvergabe mit Moderator Jimmy Kimmel findet am 20. September 2020 statt.

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[Text: Zusammen mit dpa/sw]

Quelle: Noizz.de