Das liegt nicht nur am phänomenalen Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch.

Patrick Melrose ist eigentlich ein Mensch, dem es gut gehen sollte. Er ist aufgrund des Wohlstands seiner Mutter sehr sehr reich, umgibt sich mit der britischen Hochklasse, und kann wann auch immer was auch immer machen - zum Beispiel nach New York fliegen (und das in den 80ern, da war ein Flug noch mit sehr viel Asche verbunden).

Doch Patrick Melrose geht es nicht gut. Er ist schon lange drogenabhängig von ziemlich vielen Substanzen, kann sich auf keine normalen Beziehungen einlassen, und nun ist sein Vater tot. Das ist für Patrick Melrose aber eher ein Grund zur Freude – er wurde in seiner Kindheit von seinem Vater sexuell missbraucht. Darauf ein Schuss Heroin.

Die nach dem Protagonisten benannte Serie basiert auf der gleichnamigen, halb-autobiografischen Romanreihe von Edward St. Aubyn. Dieser hat die Bücher dazu genutzt, seine traumatisierende Kindheit und seine Drogensucht zu verarbeiten. Der Schriftsteller wuchs in einer reichen, adligen britischen Familie auf und wurde bis zu seinem achten Lebensjahr von seinem Vater regelmäßig körperlich und sexuell misshandelt. Wie auch der Romanheld Patrick Melrose.

Für die ehrgezige fünfteilige Miniserie wurden einige Allstars aus dem Filmbusiness zusammengetan: Regie führt der „Deutschland 83“-Filmemacher Edward Berger. Der Bestseller-Autor David Nicholls („Zwei an einem Tag“) hat den Inhalt der fünf Bücher in fünf einstündige Folgen reingequetscht und so die verstörenden Erlebnisse rund um die englische Upper Class nochmals verdichtet, sprich die emotionale Wucht der Folgen verstärkt. Und das keineswegs auf eine platte Art, sondern sehr sensibel – es wird etwa in der Bildsprache der ersten drei Folgen nur angedeutet, dass der kleine Patrick vergewaltigt wurde. Mit Drogen wiederum wird sich der Zuschauer intensiv beschäftigen dürfen – die Bilder erinnern an eine Hochglanz-Version von Danny Boyles „Trainspotting“, das die Heroinsucht von schottischen Proletariern in den 90ern behandelte.

Nicht zu vergessen ist Benedict Cumberbatch, der die Hauptrolle spielt. Am Repertoire des Schauspielers lässt sich schon länger erkennen, dass der 41-Jährige in zynischen Antihelden-Charakteren immer aufblüht. Zwar gibt sich Cumberbatch zunächst als resignierter Player, doch als Drogenwrack lässt er sein Gesicht und die Kontrolle über Patricks Gefühle entgleiten. Das hat sowohl Ähnlichkeiten mit seinen Rollen als Sherlock Holmes , aber auch mit Marvels „Dr. Strange“. Jede Szene gibt zu erkennen, dass der britische Schauspieler großen Spaß hat, Patrick Melrose zu verkörpern.

„Patrick Melrose“ ist bisher die beste Serie des Jahres – aufwendig hergestellt, brillant gespielt, thematisch aufregend. Seit Anfang Mai läuft einmal wöchentlich eine Folge im britischen und amerikanischen Fernsehen, am 29. Mai läuft die Serie auch auf Sky in Deutschland an.

Quelle: Noizz.de